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Dienstag,
der 11. Dezember 2018






Werther in der Oper: Eingefroren in den Konventionen der Zeit

Von den vielen Opern des Franzosen Jules Massenet (1842-1912) haben sich wenige im Repertoire gehalten. Eine ist jetzt am Theater Lübeck zu sehen. Am Freitag hatte "Werther" Premiere. Die Inszenierung von Sandra Leupold erhielt viel Applaus.



Massenets "Werther" musste in Deutschland immer gegen ein Vorurteil kämpfen. In den Salons des Bürgertums um 1900 standen Goethebüsten. Heute findet man Werkausgaben des Dichterfürsten im Bücherschrank, wo sie Staub ansetzen. Aber man weiß um das Leiden des jungen Sturm- und Drangmenschen Werther.

Die Uraufführung des "Werther" fand übrigens nicht in Paris statt, sondern anno 1892 in der kaiserlichen Hofoper von Wien, und zwar in deutscher Sprache. Unter den Zuschauern saß der Norddeutsche Johannes Brahms. Seine vermutlich vorgefasste Skepsis gegenüber der französischen "Zuckerbäckermusik" hat Wirkung gezeigt.

In Lübeck kann man sich jetzt überzeugen, dass der französische Komponist mit dem Orchester umgehen konnte. Stimmungen einer Mondnachtszene kommen ebenso vor wie der Heilige Abend; freilich ohne Mondsichel oder Tannenbaum. Manfred Hermann Lehner, Kapellmeister aus Rostock, entlockt den Lübecker Philharmonikern an vielen Stellen wahre Klangfluten, begleitet an anderen Stellen sehr sängerfreundlich, denn die Hauptfiguren haben zweieinhalb Stunden lang Schwerstarbeit zu leisten. Gesungen wird französisch mit deutschen Übertiteln.

Massenets Librettisten mussten aus dem Briefroman Goethes eine Spielfassung schneidern. Kein leichtes Unterfangen für das Trio Edouard Blau, Paul Milliet, Georges Hartmann. Massenet nannte seine Bühnenwerke selten einfach Opéra. "Werther" ist ein "Drame lyrique", ein lyrisches Drama. Natürlich ist die Handlung dramatisch. Schließlich gibt sich der unglücklich Verliebte am Schluss die Kugel, und zwar mit einer Pistole, die ihm die Geliebte auf Geheiß ihres Ehemannes reichen muss.

Regisseurin Sandra Leupold und ihre Bühnenbildnerin Hanna Zimmermann entschieden sich gegen eine realistische Bühne. Die Szene ist leer, von hellen Plastikbahnen umgeben. Hintergrund und Seiten verlieren sich im Nebel der Zeiten. Einzelne Räume werden durch Licht-Rechtecke herausgehoben. Dort stehen die Figuren, festgemauert in der Erden, unfähig, aus den Konventionen ihrer Zeit auszubrechen.

Lotte und Werther lieben sich. Aber das Mädchen hatte der verstorbenen Mutter versprochen, Albert zu heiraten, und so tut sie es. Liebe mag ein großes Gefühl sein; aber die Pflicht ist heilig. Sinnbildlich kämpft Werther mit dem Eisernen Vorhang, der Goethes Welt von neuen Einflüssen abschließt. Selbst im Schlussbild, im Sterbeduett, stehen die Liebenden in unterschiedlichen Rechtecken. Umarmen können sie sich nicht.

Farbe ins Spiel bringen die Kinder, die zu Beginn im Sommer schon für Weihnachten proben. Karl Hänsel hat die Jungen der Knabenkantorei und die Mädchen des CANTA-Chores vorbereitet. Jochen Hochfeld benutzt für seine Kostüme Zitate aus der frühen Goethezeit – der Roman erschien 1774 – genauso wie Epochen des 19. Jahrhunderts.

Sängerisch sind große Aufgaben zu bewältigen. Die Titelpartie singt der koreanische Tenor Yoonki Baek mit höhensicherer Stimme. Da er sich erst im letzten Moment erschießt, durfte er auch Kraft beim Sterben haben. Wioletta Hebrowska glänzt in der Partie der Lotte. Ihre Mezzo strahlt auch über Forte-Passagen des Orchesters. Emma McNairy als ihre Schwester Sophie kommt mit locker geführtem Sopran ebenfalls bestens zurecht. Gerard Quinn ist ein Amtmann ohne Fehl und Tadel.

Johan Hyunbong Choi, der den Albert sang, ließ zu Beginn ansagen, dass er gesundheitlich angeschlagen sei. Die Stimme hielt aber durch. Ein gut gezeichnetes treudeutsches Zecherpaar lieferten Hojong Song und Yong-Ho Choi. Auch das Orchester, das zum Schluss von hinten auf die große Bühne trat und Dirigent Manfred Hermann Lehner wurden gefeiert. Die nächste Aufführung gibt es am 22. November.

Die Geschichte der beiden Liebenden, die nicht zusammen kommen, feierte am Freitagabend Premiere. Fotos: Olaf Malzahn

Die Geschichte der beiden Liebenden, die nicht zusammen kommen, feierte am Freitagabend Premiere. Fotos: Olaf Malzahn


Text-Nummer: 126195   Autor: TD   vom 17.11.2018 09.01

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