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Dienstag,
der 11. Dezember 2018






HL persönlich: Gustav Radbruch zum 140. Geburtstag

Die Liste bedeutender Persönlichkeiten, die etwas mit Lübeck zu tun hatten oder haben, ist lang. Wir erinnern von Zeit zu Zeit an einige von ihnen. Jeder kennt zum Beispiel den Namen Gustav Radbruch. Vor 55 Jahren wurde der Platz vor dem Burgtor nach ihm benannt. Aber: Wer war Gustav Radbruch?


Der Platz vor dem Burgtor erinnert an den Juristen. Foto: TD

Mancher weiß, dass Radbruch ein bedeutender Jurist war, Justizminister während der Weimarer Republik. Ihn auf die Juristerei zu beschränken, würde ihm nicht gerecht. Er war ebenso Rechtsphilosoph, Politiker, Essayist. Seine Bücher zu Grundsatzfragen von Recht und Gerechtigkeit sind bis heute Standardwerke im Jurastudium, seine Gedanken Teil der täglichen Rechtspraxis.

Gustav Radbruch wurde vor 140 Jahren, am 21. November 1878, in gut bürgerlichen Verhältnissen in Lübeck geboren. Der Vater war Kaufmann, stammte aus Kiel; die Mutter, eine geborene Prahl, Lübeckerin. Der Sohn war vielseitig interessiert, auch musischen Fächern zugetan. Seine Schulbildung wurde vom Progymnasium Georg Otto Bussenius und vom Besuch des Katharineums bestimmt.

Das Abitur machte er Ostern 1898 als Jahrgangsbester. Zu seinen Schulkameraden gehörte Erich Mühsam, mit dem er sich auch später gelegentlich traf, dessen radikale politische Ansichten er allerdings nicht teilte. Auf Wunsch des Vaters studierte er Jura; in München, Leipzig und Berlin. Zum Doktor jur. wurde er "magna cum laude" promoviert.

Als Dozent, außerordentlicher Professor und Ordinarius arbeitete er an den Universitäten von Heidelberg, Königsberg, Kiel, nach dem Krieg wieder in Heidelberg. Politisch bewegte er sich auf dem linken Spektrum. Im Dezember 1918 trat er der SPD bei, wurde 1920 in den Reichstag gewählt. In drei Kabinetten der Weimarer Republik bekleidete er das Amt des Reichsjustizministers. Eine vierte Berufung lehnte er ab, um sich mehr der wissenschaftlichen Arbeit widmen zu können.

Im Juni 1933 wurde er als einer der ersten deutschen Professoren von den Nazis aus dem Staatsdienst entlassen. Angebote ausländischer Hochschulen durfte er nicht annehmen. Allerdings konnte er Studienreisen unternehmen, zum Beispiel nach England. Nach 1945 nahm er seine Arbeit in Heidelberg wieder auf, etliche Jahre als Dekan der juristischen Fakultät. Er widmete sich, wie in den zwanziger und dreißiger Jahren, wieder juristischen Grundsatzfragen.

Schon als Minister hatte er in seinem Entwurf zu einem neuen "Allgemeinen deutschen Strafgesetzbuch" für die Abschaffung der Todes- und Zuchthausstrafe plädiert, für ein Täter- und Erziehungsstrafrecht geworben. Unter dem Eindruck der Nazizeit postulierte er nach 1945, dass es Natur- und Menschenrechte gebe, die über den von Staaten verordneten Gesetzen stehen können.

Mit seinem Antrag, unter bestimmten Voraussetzungen einen Schwangerschaftsabbruch straffrei zu stellen, war er als Abgeordneter im Reichstag in den zwanziger Jahren gescheitert. Die Zulassung von Frauen zum Richteramt konnte er durchsetzen. Zu seinen Studierenden gehörte Anne-Eva Brauneck, die die erste deutsche Professorin für Strafrecht wurde.

Seine letzten Lebensjahre waren von Krankheit überschattet. Die Kinder hatte er bereits im Krieg verloren. Tochter Renate kam 1939 bei einem Lawinenunglück ums Leben. Sohn Anselm starb 1942 an einer Verletzung vor Stalingrad. Beide wurden nur 24 Jahre alt. Genau am 71. Geburtstag erlitt Gustav Radbruch einen Herzinfarkt. Zwei Tage später starb er, am 23. November 1949. Sein Grab befindet sich auf dem Heidelberger Bergfriedhof.

Ein Lübecker der Deutschland veränderte: Gustav Radbruch wurde vor 140 Jahren geboren. Foto: Reichstag (1920)

Ein Lübecker der Deutschland veränderte: Gustav Radbruch wurde vor 140 Jahren geboren. Foto: Reichstag (1920)


Text-Nummer: 126225   Autor: TD   vom 18.11.2018 20.21

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