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Montag,
der 17. Dezember 2018






Uraufführung: Von Vampiren und anderen Untoten

Das Stichwort "Uraufführung" ist für Theaterbesucher von besonderem Reiz. Man begibt sich auf neues Terrain, erwartet vielleicht die Sensation der Saison. Ein Text der israelischen Autorin Sivan Ben Yishai mit Wohnsitz in Berlin wurde am Freitag in den Lübecker Kammerspielen uraufgeführt. Titel: "Die tonight, live forever oder Das Prinzip Nosferatu".



Natürlich weiß man bei einer Uraufführung nie, was auf einen zukommt. Hinweise gab es im Vorfeld vom Theater. Um Nosferatu gehe es, diese Figur aus der Horrorliteratur der Zeit um 1900. Dem blutsaugenden Grafen Dracula aus den Karpaten begegneten Cineasten in frühen Filmen. Einer der bekanntesten, Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm von 1922, wurde zum Teil in Lübeck gedreht. Vielleicht kam deshalb die Uraufführung nach Lübeck, obwohl die Hälfte der Mitwirkenden aus Süddeutschland stammt.

Die Gemeinschaftsproduktion von Theater Lübeck, Theater Rampe und der Tanzgruppe backsteinhaus aus Stuttgart erhielt finanzielle Unterstützung aus dem Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes. Das Programmheft erzählt den Inhalt: Nosferatu, ein Vampir aus den Karpaten, kommt in eine Kleinstadt und mit ihm in Särgen Heimaterde und Ratten, die die Pest verbreiten. Nosferatu kauft eine ruinöse Immobilie, saugt Blut und verleibt sich Menschen ein, besonders junge Frauen wie die seines Maklers. Schließlich wird er von ihr besiegt oder vom Untod erlöst.

Das scheint eher die Inhaltsangabe alter Filme zu sein, nicht die des neuen Stückes. Da muss man schnell alle Versuche aufgeben, eine erzählende oder erzählbare Handlung zu finden. Es wird rauf und runter philosophiert. Mit unglaublichem Fleiß haben Darsteller und Tänzer unter Leitung von Marie Bues (Regie) und Nicki Liszta (Choreographie) Texte gepaukt und Bewegungen studiert.

Text-Tiraden von der Urgewalt einer Elfriede Jelinek hat zum Beispiel Rachel Behringer zu zelebrieren. In einem Tempo, die jeden Poetry-Slam in den Schatten stellt. Sie spielt eine Frau, die hinter Erfolg und Trends herhetzt. Mit der Mutter (Astrid Färber) kommuniziert sie in modernsten Medien. Eine andere Frau (Sophie Pfennigstorf) ist die Ausgebeutete und Erschöpfte in goldenem Helm und Motorrad-Anzug.

Auch andere Mitglieder des Ensembles schleudern Texte heraus, kommentieren mit Körpersprache und akrobatischem Tanz, machen die Hoffnung zunichte, die Story zu entdecken. "Querverbindungen sehen", sagte eine begeisterte Mitdreißigerin in unserer Reihe. Ob die Erklärung des Theaters hilft? "Sivan Ben Yishais Text untersucht das Bild des Vampirs kulturkritisch und körperpolitisch und erzählt aus den unterschiedlichen Positionen vom 'Untoten', vom Marginalisierten, Gleichgeschalteten oder Verdrängten."

Die Bühne von Ausstatterin Claudia Irro zeigt zunächst eine von einer Glaswand abgeschottete Welt. Vielleicht schon das Jenseits? In der Wand gibt es eine Art Katzenklappe, durch die die Eingesperrten in die Freiheit gelangen. Im Hintergrund die weiße Wand einer Gummizelle, die Verzweifelte abprallen lässt. Nach der Pause liegt diese Wand als Querschnitt durch ein Schiff auf dem Boden. Die zehn Mitwirkenden erzählen von Bootsflüchtlingen aus Syrien. Rund herum immer wieder Verstörendes. Der Makler (Niko Eleftheriadis) ergeht sich in endlosen Tiraden über sein homosexuelles Liebesleben. Auch das Kapitel Aids wird aufgeschlagen. Will Workman läuft als "zivilisierter Tod" umher. Heiner Kock philosophiert ebenfalls über Leben und Sterben. Die Tanzenden leisten Ungewöhnliches: Chloé Beillevaire, Andreia Rodrigues, Steven Chotard, David Ledger. Interessant ist der Ansatz, die Häufigkeit von Tumoren heute mit der mittelalterlichen Pest in Verbindung zu bringen.

Aufgewühlt wie die Mitwirkenden verlässt das Publikum das Theater. Erstaunlich, wieviel "Fremde" bei dieser Premiere zu sehen waren, altersmäßig eher unter dem Durchssschnitt. Vielleicht ist eine solche Inszenierung eher ein "Format" für junge Leute als für Besucher, die vom Theaterabend eine nachvollziehbare Geschichte erwarten. Der Beifall war herzlich und schloss die nach Lübeck angereiste Autorin ein.

Termine im Dezember: Sonntag, 2. Dezember, um 18.30 Uhr, Sonnabend, 22. Dezember, um 20 Uhr. Daneben bietet das Theater zwei sogenannte Nosferatu-Stadtführungen an, und zwar heute, Sonnabend, 17 Uhr und am Montag, 3. Dezember, ebenfalls um 17 Uhr. Treffpunkt vor dem Theater in der Beckergrube.

Das Stück zeigt das Leben aus den verschiedenen Positionen von Untoten. Fotos: Kerstin Schomburg

Das Stück zeigt das Leben aus den verschiedenen Positionen von Untoten. Fotos: Kerstin Schomburg


Text-Nummer: 126537   Autor: TD   vom 01.12.2018 10.35

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