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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Montag,
der 24. Juni 2019






Caligula: Ein Irrer auf dem Kaiserthron

Absurdes und Tragisches liegen bei Albert Camus, dem in Algerien geborenen französischen Dichter und Philosophen (1913 bis 1960) dicht beieinander. Das gilt auch für sein erstes Theaterstück. "Caligula", 1938/39 geschrieben, 1945 uraufgeführt, ist jetzt in einer Einstudierung von Mirja Biel in Lübeck zu sehen. Am Freitag war Premiere in den Kammerspielen.



Caligula, die historische Person, saß in den Jahren 37 bis 41 auf dem römischen Kaiserthron. Mit 25 Jahren wurde der Urenkel des Augustus zum Cäsar ausgerufen, im 29. Lebensjahr von Prätorianern und Senatoren beseitigt. Beim Volk war er zunächst beliebt, weil er den von seinem Vorgänger Tiberius geerbten Staatsschatz unter die Menge warf. Bald aber schockierte er Patrizier und Senatoren.

Auslöser für seine Willkürherrschaft und seinen Blutrausch war angeblich der frühe Tod seine Schwester und Geliebten Drusilla. Ihr Ende nährte seine Überzeugung, dass das Leben absurd und sinnlos sei. Er unterschrieb Todesbefehle ohne Begründung, vollstreckte sie notfalls selber. Deshalb verschwor sich seine Umgebung und ermordete ihn.

Absurd und tragisch endete übrigens auch das Leben von Albert Camus. Er war Anfang 1960 auf dem Rückweg von Südfrankreich nach Paris, wollte die Bahn nehmen, hatte die Fahrkarte in der Tasche. Dann stieg er in das Auto seines Verlegers. Ein Hinterreifen platzte; der Wagen prallte gegen einen Baum. Camus war tot. Mitreisende überlebten.

Regisseurin Mirja Biel ist auch ihre eigene Bühnenbildnerin. Sie hat eine Collage aus Versatzstücken der römischen Geschichte zusammengetragen: Kaiserbüste, Totenmaske, eine zerbrochene Säule, das Pferd des Herrschers. Auf der Tribüne im Hintergrund sitzt nicht das Volk, um zuzuschauen. Hier turnt und tobt der Kaiser. In einem kleinen Zelt ruht er sich gelegentlich aus.

Ein grundsätzliches Problem des Camus-Dramas ist, dass Philosophie sich schlecht "spielen" lässt. Die Regie muss sich deshalb viel einfallen lassen, um die Dialoge mit Handlung zu unterfüttern. An Ideen fehlt es Mirja Biel keinesfalls. Sie spart auch nicht mit Hinweisen auf spätere Diktatoren und Figuren der Geschichte. Gut gelungen sind Szenen, in denen der Cäsar die Puppen, sprich seine Mächtigen tanzen lässt.

Im Mittelpunkt steht natürlich Caligula. Matthias Hermann beginnt ihn liebenswürdig, freundschaftlich, spielt dann alle Facetten des Grausamen, des Launenhaften, des Grüblerischen durch. Der Zuschauer und sein Hof wissen nie, wann er wieder zuschlagen wird. Gast im Ensemble ist Holger Bülow (Helicon), der Vertraute, der sich aalglatt und geschickt durch die Intrigen schlängelt. Er beginnt den Abend mit einer angeblichen Stegreifszene, in die die Inspizientin (Kornelia Plambeck) mit einbezogen wird. Kaum merklich ist er dann im Text.

Agnes Mann als weibliches Gegenstück zum Günstling ist ergeben, ihrer Stellung gewiss. Als aufrechter Widerpart gibt Sophie Pfennigstorf dem Dichter Scipio deutliche Konturen. Als scharfen Analytiker spielt Jan Byl den Revolutionär Cherea, der die Konsequenzen seines Handelns kennt. Robert Brandt als Oberhofmeister ist fahrig, vor Angst schlotternd. Sven Simon als Patrizier ist die Leiter abwärts gefallen. 1990 war er an gleicher Stelle der Imperator, nun ein grübelnder Alter. Niels Langnäse und Lorenz Kotyrba spielen alternierend den kleinen Titus.

Für den Schluss hat Mirja Biel eine eigene Fassung ersonnen. Da werden weder die Messer gezückt noch erschießt sich der Tyrann selber. Er zieht sich einen Sack über den Kopf, wie ein Delinquent, der zur Hinrichtung geführt wird und legt die Pistole vor sich hin. "Schieß doch!" steht auf dem Sack. Wer wird es tun? Freundlicher lang anhaltender Beifall bei der Premiere. Die nächsten Vorstellungen sind am 8. und 21. Februar sowie am 1. März.

Matthias Hermann als Caligula. Fotos: Kerstin Schomburg

Matthias Hermann als Caligula. Fotos: Kerstin Schomburg


Text-Nummer: 127766   Autor: TD   vom 02.02.2019 09.24

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