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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Montag,
der 24. Juni 2019






Christen und Menschenfreunde gegen Antisemitismus

In der vergangenen Woche wurde in Deutschland den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. HL-live.de Pastor Heinz Rußmann ruft in seinen Gedanken zum Wochenende zur Verständigung zwischen den Religionen aus.

Immer wieder großartig ist es, durch unser schönes Lübeck zu wandern! Wenn man zum Beispiel vom Holstentor aus die Trave auf der Brücke überquert. Wenn man dann in der Holstenstraße den Lübecker Innenstadt-Hügel hinauf geht. Wenn man dann auf dem Marktplatz auf das Rathaus der früheren Hauptstadt des Hanse–Städtebundes und dann auch auf die gotischen Weltklasse-Kirchen St. Marien und St. Petri schaut, kann man jedes Mal ganz ergriffen sein.

Schrecklich ergriffen bin ich aber jedes Mal, wenn ich danach – wie in anderen Städten - an den Fußwegen der Stadt die Inschriften auf den kleinen, viereckigen Bronze-Plaketten sehe. Dort stehen die Namen früherer Lübecker Bürger und Bürgerinnen und sogar Kinder, welche in der Nazizeit mit Gewalt abgeführt wurden und später in Konzentrationslagern ermordet wurden. Gerade war ich noch ein stolzer, in Lübeck geborener Hanseat. Durch die Plaketten bin ich tief beschämt durch einen Rekord an teuflischem Verbrechen durch Deutsche. Es erschüttert sehr, was die Nazis den deutschen Juden angetan haben. In dieser Woche wurde in Deutschland an dieses unglaublich unmenschliche Verbrechen gedacht, dass sechs millionen Juden größtenteils durch deutsche Staatsbürger mit Giftgas getötet worden sind. Sie waren nicht Feinde im Krieg oder Verbrecher, sondern nur, weil sie eine andere Abstammung hatten.

Sie waren alle doch lange schon ganz normale Lübecker Mitbürger und Nachbarn. Sie waren auch zum Beispiel gute Kollegen, fähige Ärzte, ehrbare Kaufleute, beliebte Mitschüler und Mitschülerinnen!

Viele waren deutsche Patrioten im Ersten Weltkrieg. Sie traf einer der größten Massenmorde in der Weltgeschichte.

Sind wir als Christen oder Deutsche die nächsten Opfer?

Der Lübecker Journalist Rolf Winter hat in seinem Buch "Hitler kam aus der Dankwartsgrube" sehr anrührend beschrieben, wie elend und beleidigend es den armen Lübeckern nach dem Ersten Weltkrieg erging. Als Hitler ein neues deutsches Selbstbewusstsein und Hoffnung verkündete, waren ihm fast alle auf den Leim gegangen. Das kann man zum Teil verstehen mit Rolf Winter. Ein anderes Thema ist aber der millionenfache Mord an Juden und Sinti aus reinem, unmenschlichen, teuflischen, damals atheistischem Rassenhass. Erklärlich zum Teil auch durch Neid. Auf Grund ihres jahrhundertelangen Überlebenskampfs sind Juden im Durchschnitt weltweit zwei Prozent intelligenter als wir und die Weltbevölkerung und haben prozentual mehr Nobelpreisträger.

Entsetzlich ist, dass es jetzt schon wieder überall mehr Antisemitismus gibt. Davon berichtet die Presse. Manche deutsche Juden planen deswegen, unser sonst schönes, freiheitlich–demokratisches Land zu verlassen.

Was können wir als Mitmenschen mit Herz und Verstand nur gegen den Hass tun? Als erstes empfehle ich mehr guten Kontakt zu jüdischen Mitbürgern.

Durch eine besondere Fügung sind meine beiden Geschwister und ich als Juden-Sympathisanten groß geworden. In der hungrigen Nachkriegszeit bekam die jüdische Gemeinde in der Lübecker St. Annen-Straße Mehl in Säcken aus den USA geschenkt. Damit hatte sie noch kein Brot. Meine Eltern mit ihrer Bäckerei in der Wahmstraße ließen daraus viele Brote backen. Die jüdischen Frauen und Männer, die sie abholten, waren sehr nett zu meinem Bruder und Cousin und meiner großen Schwester und mir, fast wie Onkel und Tanten. Zu Bejamin Gruszka, den wir Bollek nennen durften, hatten wir noch Jahrzehte später herzlichen Kontakt.

Bei meinem Theologie-Studium hatte für mich als Jesus-Fan das hebräische Alte Testament einen besonderen Schwerpunkt. Mehrfach habe ich später an der Lübecker Volkshochschule Kurse gegeben: biblisches Hebräisch für Anfänger. Mit einzelnen jüdischen und muslimischen Schülern und Schülerinnen in meinem Oberstufen-Religionsunterricht am Johanneum haben wir als ganzer Kursus oft die Synagoge in der St. Annen-Straße besucht. Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig!

Unsere Kirche sollte für mehr Verständnis und Verständigung sorgen. Zuerst haben in der Geschichte Juden die Christen verfolgt. Im Mittelalter gab es große Auseinadersetzungen mit den Juden um die Bedeutung von Jesus für den wahren Glauben. Leider gab es Verfolgungen der Juden durch Christen. Dabei ging es aber nie um Rassismus, sondern um geistige Glaubensstreitigkeiten. Beim letzten Kirchentag wurden Mitbürger jüdischen Glaubens zur Teilnahme eingeladen.

Sehr wichtig ist der Einsatz unserer Politik mit Grundgesetz und Recht gegen den Rassenhass. Wir brauchen eine große Öffentlichkeit dagegen überall. Beim Gedenktag der Befreiung aus Ausschwitz vor 74 Jahren haben Bundespräsident Steinmeier und Politiker Schäuble und andere das auch gefordert. Der Lübecker Lokalpolitiker Karl-Heinz Haase hat sich schon lange dafür eingesetzt, Nazis wie Hindenburg aus den Straßennamen zu entfernen. Jetzt hat er damit Erfolg gehabt in der Bürgerschaft. Ich und wir sollten ihm gratulieren. Besonders wichtig ist die Information im Religionsunterricht und auch Geschichtsunterricht, damit unsere Jugend nicht ahnungslos neu verführt werden kann vom Rassismus. Sehr informativ und anrührend ist das Buch "Erzählt es euren Kindern. Der Holocaust" von Stephane Bruchfeld und Paul Levine.

Die wichtigste Hilfe gegen Antisemitismus ist der heutige Glaube an Jesus, der Nächsten-Liebe und Fremden-Liebe uns vorgelebt hat wie beim Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10). Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus!

Euer HL-live.de-Pastor und christlicher Juden-Sympathisant Heinz Rußmann

Heinz Rußmann betont die Bedeutung des persönlichen Kontaktes.

Heinz Rußmann betont die Bedeutung des persönlichen Kontaktes.


Text-Nummer: 127768   Autor: red.   vom 02.02.2019 11.27

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