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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 23. Juli 2019






Jesus urteilt nicht nach der Vergangenheit

In ihren Gedanken zum Wochenende geht Pastorin i.R. Ellen Naß auf den Umgang mit dem Schauspieler Liam Neeson ein. Der steht heftig in der Kritik, weil er zugegeben hat, vor Jahrzehnten rassistische Gedanken gehabt zu haben.

In den letzten Tagen war der Schauspieler Liam Neeson immer wieder in den Schlagzeilen. Er ist ein britisch-amerikanischer Schauspieler, wurde durch "Schindlers Liste" berühmt und hat in vielen anderen Filmen und Produktionen mitgespielt.

Dienstag sollte sein neuer Film "Hard Power" Premiere feiern. In den letzten Tagen gab es immer wieder Spekulationen, seine Karriere wäre nun am Ende.

Warum? Als er gefragt wurde, ob er sich in die Rachegelüste einer Figur, die er spielen sollte, hineindenken könnte, da antwortete er mit: "Ja". Er erzählte, dass er selber schon ähnliches verspürt hätte. Eine gute Freundin von ihm wäre vergewaltigt worden und hätte es ihm erzählt. Den Mann hatte sie nicht erkannt, nur, dass es ein Farbiger gewesen wäre, das hätte sie gesehen.

Daraufhin hatte er sich mit einem Stock / Totschläger/ Baseballschläger bewaffnet. Er ging bewusst los und hoffte, ihn würde ein Farbiger angreifen. Dann wäre er bewaffnet und könnte seine Freundin rächen.

Nach etwa einer Woche ging ihm dann auf, dass die Menschen, denen er dort begegnete, nichts mit der Vergewaltigung seiner Freundin zu tun hatten, dass es nicht in Ordnung ist, ALLE für die Taten EINES verantwortlich zu machen.

Eigentlich kennen wir alle solche Situationen. Natürlich haben wir uns nicht in dieser Art bewaffnet, aber dass wir Menschen hassen, ihnen alles Schlechte wünschen, das kennen wir. Es gibt ja auch Situationen, wo man einfach nur wütend ist, weil einem etwas angetan wird. Und wenn man dann noch hilflos ist, wie es Liam Neeson in diesem Fall war, dann kann man schon auf böse Gedanken kommen. Denn da die Freundin den Angreifer nicht erkannte, konnte er sich nicht direkt rächen, konnte auch die Polizei nichts machen.

Ich glaube, jede und jeder von uns hat solche Ecken im Bewusstsein und im Gedächtnis, auf die man nicht stolz ist, von denen man weiß, dass es falsch war, was man getan und gedacht hat, wo man sich freut, dass es keine/r weiß.

Und auch, dass man eine ganze Gruppe von Menschen verantwortlich dafür macht, wenn eine/ einer etwas falsch macht, kommt häufig vor. Wenn eine Frau einen Unfall hat, dann heißt es schnell: "Ach ja, Frau am Steuer!", bei einem Mann geschieht das eher selten. Wenn eine Frau im Beruf einen Fehler macht, dann sind Frauen für den Beruf nicht geeignet. Und Menschen mit Migrationshintergrund – wie bei Liam Neeson – machen ähnliche Erfahrungen.

Was mich wirklich erschüttert hat, sind die Konsequenzen, die diese Erzählung für Liam Neeson hat. Er ist 66, da wird das nicht gerade eben passiert sein, und tatsächlich ist es 40 Jahre her. Er hat niemandem etwas getan, und selbst dass er solche Gedanken hegte, tut ihm inzwischen leid.

Trotzdem wird er als Rassist beschimpft, es wird spekuliert, ob seine Karriere am Ende ist, er darf bei der Premierenfeier seines Films nicht auftreten, und das alles wegen Gedanken – nicht wegen Taten! - die 40 Jahre zurückliegen. Ich verstehe die Menschen nicht, die so etwas tun, nach dieser langen Zeit mit Fingern auf ihn zeigen und am "Shitstorm" teilnehmen.

Jesus hat Menschen nie auf ihre Vergangenheit festgelegt.

Im Johannesevangelium wird berichtet, dass er eines Tages im Tempel lehrte, als eine Frau gebracht wurde, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie sollte gesteinigt werden, so, wie das heute in einigen Ländern ja auch noch manchmal praktiziert wird. Wahrscheinlich wissen die Menschen da schon, dass Jesus relativ nachsichtig mit Menschen mit Verfehlungen umgeht, denn sie hoffen, dass er etwas sagt und tut, was gegen das Gesetz verstößt.

Jesus reagiert erst einmal gar nicht, er malt im Sand, vielleicht, um sich zu konzentrieren. Erst auf Drängen sagt er: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."

Da gehen sie, einer nach dem anderen. Sie wissen um ihre dunklen Ecken und Nischen ihres Lebens, vielleicht sogar auch um die bösen Gedanken gegenüber Jesus, anders als die Menschen, die mit Fingern auf jemandem zeigen und ihn beschimpfen wegen etwas, was er vor 40 Jahren gedacht hat.

Jesus sagt dann nur zu der Frau: "Wenn dich keiner verurteilt hat, tue ich es auch nicht. Aber sündige nicht mehr."

Er legt uns nicht auf die Vergangenheit fest und eröffnet uns damit Möglichkeiten, neu zu beginnen. Wir müssen nicht auf die Schlechtigkeiten anderer hinweisen, um von unseren eigenen Fehlern abzulenken. Jesus weiß um unsere dunklen Seiten, und er verurteilt uns nicht.

Ich bin immer wieder dankbar, dass ich an einen Gott glauben und ihm vertrauen darf, der so zu uns Menschen ist: der uns kennt, auch die dunklen Seiten, und uns trotzdem liebt und uns immer wieder die Chance gibt, neu zu beginnen, neu zu versuchen.

Das gibt mir Mut, auch andere nicht zu verurteilen, sondern ihnen neue Chancen zu geben – und auch mich selbst nach Versagen immer wieder neu anzunehmen.(")

Ellen Naß veröffentlich im Wechsel mit Heinz Rußmann die Gedanken zum Wochenende.

Ellen Naß veröffentlich im Wechsel mit Heinz Rußmann die Gedanken zum Wochenende.


Text-Nummer: 127925   Autor: red.   vom 09.02.2019 10.49

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