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HL-live.de

Sonnabend,
der 23. Februar 2019






Brechts Dreigroschenoper – leicht entstaubt und bunt

Wie inszeniert man heute Bert Brechts Erfolgsstück "Die Dreigroschenoper"? In den 90 Jahren, die seit der Uraufführung in Berlin vergangen sind, hat die Parabel Staub angesetzt. Die bissige Sozialkritik Brechts am Vorabend von Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit läuft heute weitgehend ins Leere. Regisseur Malte C. Lachmann bietet das Stück als bunte Revue, die sich vor allem um die Musik von Kurt Weill dreht. Die Premiere am Sonnabend im Großen Haus kam beim Publikum gut an.



Da ist zunächst die Musik, sind rund 20 Songs. Vom Vorspiel an behielt die Musik unter Leitung von Willy Daum ihren Biss. Die vorgeschriebenen neun Musiker sitzen im Orchestergraben, werden auch mal hochgefahren, spielen an die 20 Instrumente, lassen weitgehend die Dissonanzen bestehen.

Als Moritatensänger tritt am Anfang Andreas Hutzel vor den historischen Vorhang. In langem Zaubermantel (Kostüme: Tanja Liebermann) führt er durchs Programm, spricht Zwischentexte und schlüpft dann schnell in die Rolle des Polizeichefs von London. Das ist ja eine der Spitzen des auf John Gays "Bettleroper" von 1728 beruhenden Librettos, dass Behördenchefs und Betrüger gemeinsam die Bedürftigen ausbeuten.

Kommunisten haben Brecht 1928, nach der Uraufführung im Theater am Schiffbauerdamm, übelgenommen, dass nicht ein Bankier, sondern der Bettlerkönig Peachum das Lumpenproletariat ausnutzt. Aber das unterstrich Brechts These, dass alle Menschen egoistische Blutsauger seien. Bei der Uraufführung spielte übrigens ein Lübecker die Rolle von Jonathan Jeremiah Peachum, Erich Ponto, der kurzfristig eingesprungen war, weil der vorgesehene Kollege die Rolle hingeworfen hatte.

In der neuen Einstudierung, bei Henning Sembritzki, ist der Bettlerkönig noch gut beieinander, zielstrebig, durchsetzungsfähig. Seine Frau Celia (Astrid Färber) darf ständig voll aufdrehen, ihre Wut und ihren Frust nüchtern oder besoffen hinausschreien. Tochter Polly (Sybille Lambrich) ist eine Kindsfrau, die sich willig vom Schwerenöter Macheath einfangen lässt. Diesen Herrn, genannt Macki Messer, spielt Michael Fuchs als Kraftprotz, der die Muskeln spielen lässt, mit einem Schuss Unverfrorenheit dazu.

Regisseur Lachmann gibt überwiegend Vollgas. Bis in die Tempi der Songs hinein geht es quasi im Sturmschritt voran. Die Gangster (Will Workman, Johann David Talinski, Heiner Kock), die Huren und Bettler übernehmen viele Rollen. Große Spielanteile haben mehrere Frauen. Da ist Pollys Konkurrentin Lucy, die Sheriffstochter (Rachel Behringer), die ebenfalls Ansprüche auf die Hand Mackis anmeldet. Beim Eifersuchtsduett drehen die beiden Damen die Zelle, in der Macheath einsitzt, im Kreis, dass ihnen und ihm schwindlig werden könnte.

Bleibt die Spelunken-Jenny von Susanne Höhne: derb, direkt, irgendwo aber auch menschlich. Johannes Merz steigt vom verfressenen Pastor zum diensteifrigen Polizisten um. Brecht und Weill schrieben ihre "Dreigroschenoper" ausdrücklich für Schauspieler, die singen müssen. Aber eben nicht glatt und geschliffen wie in der Oper, sondern rau und ehrlich. Hier treiben Regisseur und musikalischer Leiter gerade die Damen zu grellen Ausbrüchen, die bei voller Lautstärke bisweilen arg überdrehen.

Nach der Pause gab es Szenen, die sehr dicht wurden und berührten, etwa wenn das gesamte Ensemble als Chor auftritt. So wurde denn die noch immer gültige "Moral von der Geschicht" wirksam vorgetragen: "Denn die einen steh'n im Dunkeln, und die andern steh'n im Licht. Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht!"

Bühnenbildnerin Ramona Rauchbach fügt Betonteile und Buden aus Soho zusammen, ein System von Kästen einer tristen Welt. Gelegentlich kommen Versatzstücke aus dem Bühnenhimmel, wird die Hebebühne eingesetzt. Es geht jedenfalls flott und munter zu. Zum Schluss Riesenbeifall, und natürlich die Wiederholung eines Songs als Zugabe.

Die nächsten Vorstellungen sind 13. und 21. Februar, Beginn jeweils um 19.30 Uhr.

Bei der Premiere gab es viel Beifall für die Inszenierung. Fotos: Jörg Landsberg

Bei der Premiere gab es viel Beifall für die Inszenierung. Fotos: Jörg Landsberg


Text-Nummer: 127934   Autor: TD   vom 10.02.2019 08.59

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