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Montag,
der 25. März 2019






Kriegsenkel: Auf Spurensuche in St. Petri

Der zweite Weltkrieg hat Spuren hinterlassen, die bis heute nachwirken. An den Menschen bis in die dritte Generation, in der Gesellschaft, der Politik und den Städten. Am Sonnabend, 16. März 2019 lädt die TelefonSeelsorge Lübeck ein, die Kriegsenkel in den Blick zu nehmen. Beginn der "Spurensuchen" ist um 20 Uhr.

Die Spuren des Zweiten Weltkrieges sind besonders in Lübeck zu sehen. Dass die Sieben Türme die Silhouette der alten Hansestadt immer noch prägen, grenzt an ein Wunder. Vor allem der Dom, St. Marien und St. Petri wurden in der Nacht zu Palmarum 1942 durch einen Bombenangriff zerstört. Die Ruinen ragten Jahrzehnte wie zerborstene Knochen aus dem Skelett der Lübecker Altstadt. Der Innenraum von St. Petri war erst 1987 wiederhergestellt.

Die Kirche aber ist heute eine andere als vor dem Krieg. St Petri ist ein Ort der Kunst, der Kultur und der Wissenschaft. Ein Ort für die Lübecker und die Touristen. Immer wieder anders, zugleich aber immer ein Ort des Gebets und der Gemeinschaft. Der richtige Ort, um auf "Spurensuchen" zu gehen, da ist sich Marion Böhrk-Martin, Leiterin der TelefonSeelsorge Lübeck, sicher. Die Regie an diesem vielschichtigen Themenabend führt Regisseur Knut Winkmann. Gemeinsam mit Pastorin Marion Böhrk-Martin hat er sich den Kriegsenkeln und dem Thema Traumaweitergabe über Generationen genähert.

Aber was zeichnet sie eigentlich aus, die Kriegsenkel – Männer und Frauen, die zwischen 1955 und 1975 in Deutschland geboren sind? Unrast und Ungenügen, Heimatlosigkeit und Existenzangst, Bindungsschwierigkeiten und das ewige Gefühl, etwas wieder gut machen zu müssen: All das sind Splitter eines gemeinsamen Lebensgefühls. Woher kommt das? Hat es damit zu tun, dass die eigenen Eltern und Großeltern im zweiten Weltkrieg Unverdauliches erlebt haben, zum Teil traumatisiert worden sind? Haben Schrecken, Entsetzen, Verletzungen und Verlust, die für sie "nicht zu fassen" waren, noch zwei Generationen später Spuren hinterlassen?

Unterschiedliche Stimmen kommen bei den "Spurensuchen" in St. Petri zu Wort: Marion Böhrk-Martin nähert sich der Traumaweitergabe über Generationen aus psychotraumatologischer und theologischer Sicht. Der Journalist und Autor Matthias Lore berichtet sehr persönlich von sich als Kriegsenkel und die "Nebel seiner Kindheit". Dr. Jürgen Müller-Hohagen vom Dachau-Institut spricht über die seelischen Nachwirkungen der NS-Zeit und die Spätfolgen speziell für Politik und Gesellschaft.

Die Impulsreden werden durch Musik, Prosa und Installationen eingerahmt: Schauspieler Philipp Romann geht mit den Gästen in die Welt der Schneekönigin. Das Orbis Duo (Page Woodworth, Violine und Matthias Krohn, Marimba) erzeugen außergewöhnliche Klangbilder. Sarah Proske (Klavier) und Johanna Bechtel (Violone) lassen scheinbar Bekanntes musikalisch aus den Fugen geraten. Bilder voller gelebter Geschichte und eine Installation mit dem Titel ‚aufeinanderzu‘ wollen Ausblicke geben, wie Begegnungen gelingen können.

Eine Stunde lang geht es so mitten hinein in ein großes Thema. Im Anschluss ist in St. Petri aber nicht Schluss. Alle Besucher*innen sind eingeladen, bei Wasser, Wein und Brot miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt zum Themenabend „Spurensuchen“ ist frei, eine Spende möglich.

Die Kriegsenkel: Marion Böhrk-Martin und Knut Winkmann bereiten den Themenabend

Die Kriegsenkel: Marion Böhrk-Martin und Knut Winkmann bereiten den Themenabend "Spurensuchen" in St. Petri Lübeck vor. Foto: Ines Langhorst


Text-Nummer: 128480   Autor: Ines Langhorst   vom 11.03.2019 11.10

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