Please enable JavaScript!
Bitte aktiviere JavaScript!
S'il vous plaît activer JavaScript!
Por favor,activa el JavaScript!
antiblock.org

Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.
HL-live.de

Montag,
der 18. März 2019






Bernsteins Oper: Seelen-Striptease an Mutters Sarg

In der Bühnenmitte steht ein Sarg. Daneben sitzt, stumm trauernd, der Witwer. Rundherum Harmonium, Rednerpult, Stehtischchen für den Leichenschmaus. Das Ganze spielt vor einem Hintergrund mit grellroten und rosafarbenen Blüten. "A Quiet Place" heißt die kaum bekannte Oper von Leonard Bernstein, die am Freitag ihre Lübecker Erstaufführung am Stadttheater erlebte und mit großem Beifall aufgenommen wurde.



Der Amerikaner Leonard Bernstein, in den 1980er Jahren Mitbegründer des Schleswig-Holstein Musik Festivals, hat sich neben seinen zahlreichen Verpflichtungen als Dirigent, Pädagoge, Komponist unterschiedlicher Werke – vom Musical bis zur Sinfonie – ein Leben lang mit der Idee einer amerikanischen Oper befasst. Schon in den 1950er Jahren gab es Versuche mit Werken, die sich nicht lange hielten. Die bewegteste Vergangenheit hat die jetzt in Lübeck gespielte Oper. Uraufgeführt wurde "A Quiet Place" 1983 in Houston/Texas; nicht besonders erfolgreich. Mehrere Male wurde sie umgearbeitet. 1988 gab es sogar eine deutsche Fassung mit dem Titel "Ruh und Frieden". Sie wurde in Bielefeld auf die Bühne gebracht und damals von SHMF-Intendant Justus Frantz zum Festival ins Kieler Opernhaus geholt. Alles war sehr lang, durch Rückblenden fast ein intellektuelles Puzzle. Zuletzt gab Dirigent Kent Nagano die Anregung zu einer kürzeren Kammerfassung. Sie erblickte 2013 in Berlin erstes Bühnenlicht und ist nun in Lübeck zu sehen; in einer dichten, seriösen und doch sehr unterhaltsamen Inszenierung von Effi Méndez.

Der Sarg zeigt es deutlich: Es geht um eine Beerdigung. Dinah, Hausfrau und Mutter irgendwo in den USA, kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ihre Familie hat sich auseinandergelebt, ist heillos zerstritten. Aus gegebenem Anlass treffen sie sich im alten Haus. Die Kinder verspäten sich, weil sie in Kanada oder sonstwo leben. Nachbarn, Freunde, sogenannte gute Bekannte bevölkern die Szene, sind am Geschehen innerlich nicht beteiligt. Offenbar hält nur der Respekt vor der Toten sie von Prügeleien ab.

Bernstein benennt nicht nur einzelne Personen. Er fügt einen Chor hinzu, den Ilona Holdorf-Schimanke in grellbunte Kostüme steckt. Und bunt geht es im ersten Bild zu, von der Regie geschickt austariert, so dass man es nicht als Klamauk empfindet. Schließlich bleibt Witwer Sam allein mit dem Sarg zurück. Requisiten und auch die Farben sind verschwunden.



Nach der Pause hätte es "Auftrittsapplaus" für das zweite Bühnenbild geben müssen. Stefan Heinrichs stellt in leichter Schräge das alte Haus auf die Szene, das in drei Etagen bespielbar ist. Unten liest Vater die Tagebücher seiner verstorbenen Frau, darüber das Zimmer des verlorenen, weil schwulen Sohnes, und auf dem Dachboden stöbert Tochter Dede auf der Suche nach der Jugend in alten Kisten. Streiten sie weiter oder finden sie, zum Quartett ergänzt durch den Schwiegersohn, zueinander? Das bleibt die Frage des Abends.

Großartig, wie sich zum Zwischenspiel vor dem dritten Bild bei offener Szene das Haus auflöst und zum alten Garten wird, in dem schließlich ein Loch für den Sarg geschaufelt werden muss. Effi Méndez bringt das Geschehen spannend und schlüssig auf die Bühne. Die Verlorenheit der Figuren, ihre geplatzten Träume werden ebenso deutlich wie zarte oder robuste Versuche einer Annäherung.

Große Stimmen sind zu erleben: Huub Claessens (Old Sam), besonders intensiv Evmorfia Metaxaki (Tochter Dede), Johan Hyunbong Choi (Sohn), Christopher Diffey (Schwiegersohn). Aus der zweiten Reihe (des Programmheftes) Julia Grote (Arztfrau), Tim Stolte (Bruder der Toten), Iuliia Tarasova (Freundin Dinahs), Hojong Song (Bestatter). Den Chor betreute Jan-Michael Krüger mit Sorgfalt.

Das Philharmonische Orchester spielte unter Leitung von Manfred Hermann Lehner präzise, arbeitete die unterschiedlichen Facetten der Musik gut heraus. Und die Musik zeigt Bernsteins Handschrift deutlich, mit Anklängen an die West Side Story, mit modernen Akkorden, Rhythmen aus der Neuen Welt. Das alles saß und kam gut an. Die aufwendige Lübecker Inszenierung kann durchaus zur Ehrenrettung des Werkes beitragen.

Gesungen wird in englischer beziehungsweise amerikanischer Sprache mit deutschen Übertiteln, so dass man der Handlung gut folgen kann. Die nächsten Aufführungen sind am 14. und 29. März, Beginn jeweils 19.30 Uhr.

Die Lübecker Inszenierung des Stückes ist gelungen. Fotos: Olaf Malzahn

Die Lübecker Inszenierung des Stückes ist gelungen. Fotos: Olaf Malzahn


Text-Nummer: 128591   Autor: TD   vom 09.03.2019 09.10

Text teilen: auf facebook +++ Über Kontaktformular

Text ausdrucken. +++ Text ohne Bilder ausdrucken.

Text kommentieren.

HL-live.de Flohmarkt

Nachrichten:
Polizei & Feuerwehr
Stadtgeschehen
Politik
Kultur & Theater
Wirtschaft
Sport
Veranstaltungskalender

Service:
Flohmarkt
Wetter
Notdienste
Stadtplan
Archiv
RSS und App
Newsletter

Werbung

Kontakt:
Meldung schicken
Veranstaltungs-Tipp
Impressum
Nutzungsbedingungen
Datenschutz








Zur Ansicht für Mobiltelefone wechseln.