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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Montag,
der 17. Juni 2019






Politik der Peinlichkeit

Forscher der Universität zu Lübeck untersuchten Tweets und stellten fest: Nach der Amtseinführung von Donald Trump wurde in den USA sehr viel häufiger über Peinlichkeit geschrieben. Professor Frieder Paulus arbeitet als Psychologe am Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) der Universität zu Lübeck. Was er untersucht hat, erklärt er im Interview.

Sie haben sich mit Tweets beschäftigt – worum geht es in der Studie genau?

Paulus: Dass Trump möglicherweise Peinlichkeit hervorruft, ist nichts Neues. Es gibt Umfragen in den USA, die sich schon damit beschäftigt haben. Sören Krach, Laura Müller-Pinzler und mich hat jetzt interessiert: Kann man auch an Teilen der öffentlich zugänglichen Kommunikation erkennen, dass Peinlichkeit dort an Bedeutung gewonnen hat? In der Studie, die wir gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Michigan State University und der Goethe-Universität Frankfurt am Main veröffentlicht haben, untersuchten wir deshalb Tweets, die in den USA im Zeitraum von Juni 2015 bis Ende 2017 veröffentlicht wurden und irgendwie das Wort "Embarrassment" (deutsch: Peinlichkeit; Anm. der Redaktion) enthielten.

Das muss eine unglaublich große Menge an Tweets sein – wie viele haben Sie angeschaut?

Paulus: Wir fanden 24.981.600 Tweets und Retweets bei Twitter, die irgendetwas mit „Peinlichkeit“ beinhalteten. Von diesen hatten 2.721.200 einen direkten Bezug zu Trump. Zum Glück konnten wir eine Datenbank nutzen, die uns das Arbeiten mit den vielen Nachrichten erleichtert hat. Etwa 130.000 Tweets von drei ausgewählten Tagen haben wir uns dann genauer angeschaut. Sie liegen sowohl in der Amtszeit von Barack Obama als auch in der Zeit von Trump.

Was haben Sie herausgefunden?

Paulus: Nachdem Donald Trump im Januar 2017 gewählt wurde, gab es insgesamt einen deutlichen Anstieg an Tweets, die das Wort „Peinlichkeit“ beinhalteten. Im Vergleich zu der Amtszeit von Barack Obama gibt es 40 bis 50 Prozent mehr Tweets pro Tag, in denen diese Emotion vorkommt. Dann haben wir herausstechende Zeitpunkte näher untersucht, an denen "Peinlichkeit" besonders häufig erwähnt wurde: Trumps Wahl, sein TV-Duell mit Hillary Clinton, der Besuch von Angela Merkel, wo Trump ihr den Handschlag verweigerte, und dann das Nato-Treffen, bei dem Trump den montenegrinischen Premierminister Dusko Markovic zur Seite schiebt und sich nach vorne drängelt. Es scheint in dem sozialen Netzwerk so zu sein, dass wichtige Momente oder Entscheidungen von Trump mit dem Ausdruck von Peinlichkeit assoziiert sind.

Was könnten die Gründe dafür sein?

Paulus: Darum geht es in dem eher theoretischen Teil unseres Manuskriptes. Trump begeht Normverletzungen, unter anderem auch, wenn er bestimmte Gruppen von Menschen abwertet und bei ihm wirkt das, als würde er es bewusst und absichtlich tun. Dass man mal in ein Fettnäpfchen tritt, ist selbstverständlich, das ist auch schon anderen Präsidenten passiert. Aber was jetzt anders ist, ist dass sich dafür nicht entschuldigt wird und wenig Gesten der Beschwichtigung erkennbar sind – das macht alles den Eindruck, dass das sehr absichtlich passiert. Das lässt die Menschen auf den Charakter der Person schließen. Wir wissen aus vielen sozialpsychologischen Studien, dass solche Beschwichtigungsgesten, wie den Blick zu senken, rot zu werden, die Hand vor das Gesicht zu halten, mit denen man signalisiert, dass man erkannt hat, gegen eine Norm verstoßen zu haben, dass das die Sympathie beim Publikum wieder herstellt. Es ist bei Trump auch besonders, dass er kaum Zeichen zeigt, für etwas um Entschuldigung zu bitten.

Was macht dieses Gefühl der Fremdscham oder der "stellvertretenden Peinlichkeit", wie Sie es nennen, mit den US-Bürgern?

Paulus: Also es geht hier ja nicht nur um Peinlichkeit, auch Begriffe wie Ärger, Scham oder Ekel fallen häufig in dem Zusammenhang. Wir überlegen, ob das nicht auch motivierend wirken kann und sich auf das eigene politische Handeln auswirkt. Das kann sich in der nächsten Wahl zeigen, die anders ausfallen wird, oder auch im Wahlkampf, der anders geführt wird. Es kann sein, dass die Menschen vermehrt auf die Straße gehen und sich politisch engagieren oder aber, dass auch jenseits der politischen Kanäle stärker politisch gehandelt wird. Innerhalb der Partei Demokraten könnte eine stärkere Bewegung zu linken Themen stattfinden, oder bestimmte Zeitungen könnten mehr Unterstützung finden - denken Sie beispielsweise an die gestiegenen Abonnementzahlen der New York Times. Ständige Integritätsverletzungen können dazu führen, dass ich das angekratzte Image korrigieren möchte, dass ich als US-Bürger habe und mich deshalb mehr engagiere und andere Gruppen in Schutz nehme.

Mir ist aber auch wichtig zu sagen: Normverletzungen aktiv einzusetzen, kann auch ein politisches Instrument sein und braucht nicht auf Trump beschränkt zu werden. Das Phänomen, affektive Reaktionen in der Bevölkerung hervorzurufen und Peinlichkeiten, Scham und Ärger Anderer in Kauf zu nehmen, sehen wir in Deutschland und in vielen anderen europäischen Ländern auch. Das scheint gerade das politische Klima zu sein.

Ein Link zu der vollständigen Studie "The Politics of Embarrassment: Considerations on How Norm-Transgressions of Political Representatives Shape Nation-Wide Communication of Emotions on Social Media".

Professor Frieder Paulus arbeitet als Psychologe am Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) der Universität zu Lübeck. Foto: Uni/Archiv

Professor Frieder Paulus arbeitet als Psychologe am Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) der Universität zu Lübeck. Foto: Uni/Archiv


Text-Nummer: 129046   Autor: Universität zu Lübeck   vom 28.03.2019 09.40

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