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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Mittwoch,
der 21. August 2019






Lübeck:

Gedanken zum Prinzip Achtsamkeit

Im seinem 21. Jazzgottesdienst am 17. März hielt der frühere Ministerpräsident Björn Engholm seine religiöse Rede als Christ zum aktuellen Thema Achtsamkeit. Mit Hilfe seines Manuskripts hat HL-live.de Pastor Heinz Rußmann den ersten Teil zusammengefasst.

Je älter man wird, desto häufiger richtet sich der Blick zurück. Man ruft sich die Situationen des Leben in Erinnerung- und bemüht sich, die guten, die erfreulichen, schönen lebendig zu halten, die weniger schönen dagegen vergessen zu machen. Alter fördert Nostalgie – und Nostalgie ist, wenn sie nicht zur Idealisierung des Vergangenen führt, etwas Tröstliches. Vor allem aber ist Nostalgie eine der wenigen Privilegien des Alters, welche die in die Jahre Gekommenen den Jungen voraus haben.

Wenn ich mich an meine frühe Schulzeit einnere, 1945/46/47 in der Grundschule am Steinrader Weg, von der elterlichen Wohnung in der Katharinenstraße leicht zu Fuß erreichbar, sehe ich die Mutter vor mir, die allmorgendlich sagte: Gib´auf Dich acht! Paß auf Dich auf! Und, obwohl es bei Weiland außer den Autoren der britischen Besatzung kaum Autoren gab: Schau´mal links und rechts... ! Später kam dann vom Vater die Mahnung: Benimm´Dich. Gib nicht an. Dräng dich nicht vor. Sei rücksichtsvoll...!

Das war der frühe und bis heute unvergessene Rat, achtsam zu sein – mit sich selbst und im Umgang mit anderen. Zu dieser eigentlich ganz normalen, ganz selbstverständlichen menschlichen Tugend der Achtsamkeit einige Anmerkungen – aus drei Gründen:

1. weil diese Tugend in unseren Zeiten nicht eben grassiert;
2. weil man selbst als Kind dieser Zeiten nicht immer achtsam ist;
3. weil es viel mit dem christlichen Glauben zu tun hat.

Zu den Kulturschaffenden, die mir zu allen Zeiten Freude bereiteten und mir großen Respekt abnötigten, gehört Astrid Lindgren. Sie hat uns, wie keine andere, mit Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach, den Bullerbü Kindern, Rasmus und Lotte die Abenteuer, Träume und Geheimniss einer Kindheit in einer noch nicht verregelten, nicht ökonomischen und noch undigitalisierten Welt ins Herz geschrieben.

In ihrer Biographie findet sich ein Brief an ihre Freundin Louise Hartung (die mit Lotte Lenya, der Frau vom Komponisten Kurt Weill befreundet war - und mit dieser dafür sorgte, daß Weill sich dem KZ durch Emigration entziehen konnte). In diesem Brief schreibt Astrid Lindgren, sie finde rückblickend, dass "alles eitel und ein Haschen nach Wind" sei. Damit bezieht sie sich auf das Buch Prediger im Alten Testament in dem die klugen Sprüche des Königs Salomo versammelt sind.

Dieser weise König Salomo, selbst höchst erfolgreich im Städtebau, bei moderner Verwaltung, humanem Recht - und vorbildlich in Toleranz - beklagt die Geschwätzigkeit der Menschen, den Hang zur Unehrlichkeit und Überheblichkeit, die Gier, die Gewalt. Und er schlussfolgert: "Ich sah alles Tun unter der Sonne – und siehe, es war eitel und Haschen nach dem Wind. "Denn, so der König, ende letztlich alles mit dem Tod..." Deshalb rät er den Lesenden unter anderem:

Sei nicht so schnell mit dem Mund;
gelobe nichts, was du nicht hältst;
grab´ keine Grube - du kannst selbst hinein fallen;
nimm dir nicht zu Herzen wenn dich einer flucht, denn du hast oft mehr selbst geflucht...
Bestechung verdirbt dein Herz – und nur das Geld lieben, macht nicht satt...

Und er fordert die Menschen auf, auf ihre guten Ruf zu achten, "denn ein guter Ruf ist besser als gute Salbe", sich in Weisheit zu üben, denn Weisheit macht den Weisen stärker als zehn Gewaltige, und zu begreifen, wie die Armen Unrecht leiden" (besonders wenn Recht und Gerechtigkeit zum Raub werden.)

Wenn wir Salomos Klagen wie seine Ratschläge und Wegweisungen auf ihren Kern reduzieren, stoßen wir auf den Begriff, die Tugend Achtsamkeit. Und das in dreierlei Bezug: Achtsam sein mit sich selbst; achtsam sein im Mitmenshlichen / Gesellschaftlichen; achtsam umgehen mit den natürlichen Einstellungen, Haltungen und Handlungsmaximen: Behutsamkeit, Besonnenheit, Rücksicht, Anteilnahme, Hingabe, Nächstenliebe, Einsicht, Respekt, Sorgfalt, auch Verzicht gehört dazu.

Natürlich gibt es diese Haltungen auch heute noch, denn ohne sie leben wir im Wilden Westen. Nur scheinen sie mehr auf dem Rückmarsch als auf em Vormarsch zu sein. In einer Zeit, in der nahezu alles nach Zweck und Nutzen und Vermarktbarkeit bewertet wird; in der gefordert, gefördert und belohnt wird, was schnell verwertbar und profitabel ist; in der die Sucht nach Karriere, Erfolg, Macht, Reichtum den harten Egoismus schürt und Rücksichtslosigkeit gebiert; in der viele Mernschen auf dem Weg vom homo sapiens zum homo oeconomicus und digitalis sind: da vergessen so manche, achtsam mit sich selbst zu sein, Rücksicht auf die Sorgen, Nöte ihrer Mitmenschen zu nehmen und die natürlichen Grundlagen der Schöpfung zu bewahren.

Warum ist es wichtig, ja unverzichtbar, zunächst sorgsam auf das eigene Leben acht zu geben? Wenn ich zurückblicke auf über 30 Jahre in der Politik – und andere können aus andern Berufsfeldern ganz Ähnliches erinnern - muss ich selbstkritisch fragen: wie oft habe ich mir selbst ein Tempo aufzwingen lassen, eine Flut von Terminen, von denen ich wissen mußte, dass sie mit Anstand und Sorgfalt nicht zu bewältigen waren? Wie oft habe ich mich Leistungszwängen unterworfen, obschon ich ausgepowert war? Habe ich nicht gelegentlich den moralischen Zeigefinger ausgestreckt, ignorierend, dass der Daumen dabei auf mich wies? Habe ich wirklich immer der Versuchung widerstanden, das durch schönen Schein zu ersetzen? Auf des Kaisers neue Kleider zu verzichten? Bin ich nicht manchmal unter der Fahne der puren Gesinnung marschiert, ohne nach der Verantwortung für ihre Folgen zu fragen? Und war nicht auch Besserwisserei, Eitelkeit, Hochmut im Spiel im Umgang mit unliebsamen Konkurrenten?

Der verstorbene Schweizer Philosoph Hans Saner, Nachlassverwalter des großen Karl Jaspers, hat uns gelehrt auf unsere vitale Identität zu achten, das heißt: immer wieder, trotz aller Anforderungen, Sorgen, Nöte, Bedrückungen, Anfechtungen, das Vertrauen in uns selbst, in unsere Gestalt, unser Geschlecht, unseren Verstand, die Psyche zu wahren und zu stärken; sich nicht zu überbieten in Statusschieberei; in Besserwisserei; aus eigenen Überzeugungen / Glaubenssätzen keine Totalwahrheiten zu konstruieren, keine Dogmen zu machen; auf Schmerzen, Krisen, Niederlagen nicht mit Zweifel an sich selbst zu reagieren, nie sich selbst aufgeben.

Kurz gesagt: In jeder Lage des Lebens man / frau selbst bleiben. Auf sich achten.

Der zweite und letzte Teil der Rede folgt hier in einer Woche. Am Sonntag, 7. April, überträgt der Offene Kanal Lübeck auf UKW 98,8 MHz den ganzen erfreulichen Gottesdienst mit Jazzband und OzD Chor und Bekenntnis von Mareile Höppner und Pastoren um 14 Uhr.

Eine frohe Woche wünscht Euch

Ihr HL-live.de Pastor Heinz Rußmann

HL-live.de Pastor Heinz Rußmann fasst die Rede von Björn Engholm bei Jazz-Gottesdienst zusammen.

HL-live.de Pastor Heinz Rußmann fasst die Rede von Björn Engholm bei Jazz-Gottesdienst zusammen.


Text-Nummer: 129102   Autor: red.   vom 30.03.2019 12.27

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