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HL-live.de

Dienstag,
der 23. April 2019






SHMF im Sommer 2019: Bach aus allen Fugen

Es war eine Überraschung! Der Komponist des Sommers 2019 beim Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) heißt Johann Sebastian Bach. Hören wir also nur Kirchenmusik? Beileibe nicht. Bach hat sich auf vielen Gebieten hervorgetan. Bis heute bekennen Komponisten, ganz moderne, dass Bach ihr Schaffen beeinflusse. Die Musikwelt feierte gerade seinen 334. Geburtstag, und auch dazu gibt es eine besondere Geschichte.

Wir verbinden den Namen Johann Sebastian Bach fast automatisch mit dem Amt des Thomaskantors in Leipzig. Aber Bach war dort während der letzten 27 Jahre seines Lebens nicht nur Kirchenmusiker, sondern auch Lehrer an der Thomasschule. Nicht nur für Musik zuständig, sondern auch für Latein eingeteilt. Seine musikalische Arbeit beschränkte sich nicht auf St. Thomas, sondern auf weitere Kirchen in der aufblühenden Musik- und Messestadt.

In vier Kantoreien hatte er seine Schüler eingeteilt, um die Jungen nicht zu überfordern. Es gab fast täglich Wochengottesdienste, und sonntags begannen die Frühpredigten um 7 Uhr. Jede Kantorei bestand aus einem Dutzend Sängerknaben. Bachs Urteil war ernüchternd: Die erste Kantorei konnte vom Blatt singen, die zweite brachte ohne große Proben einen vierstimmigen Choral zustande. Aber dann wurde es dünner, denn die Schule nahm nicht nur musikalisch Begabte auf.

Die Geschichte seiner Berufung nach Leipzig erscheint uns heute als Treppenwitz. Im Protokoll, in dem die Berufung Bachs festgehalten ist, steht der Satz: "Da man nun die Besten nicht bekommen kann, musste man einen Mittleren nehmen". Bach ein "mittlerer", sprich ein mittelmäßiger Musiker? Man schüttelt ungläubig den Kopf.

Vier Bewerbungen waren 1723 angenommen und auf einer Wunschliste notiert worden. Nummer Eins war der in Leipzig gut bekannte Georg Philipp Telemann, gefolgt von Johann Friedrich Fasch und Christoph Graupner. Erst als Nummer Vier rangierte Johann Sebastian Bach. Wunschkandidat Telemann sagte ab. Er ging nach Hamburg. Beim zweiten und dritten Bewerber gab es einen Paukenschlag. Die Höfe von Zerbst und Darmstadt, wo Fasch beziehungsweise Graupner tätig waren, gaben die Musiker nicht frei. So blieb Bach übrig, der "Mittlere".

Bach hatte Ähnliches erlebt. Er bewarb sich vom Hof in Weimar nach Köthen, hatte dort unterschrieben. In Weimar saß er zwischen zwei Stühlen, genauer zwischen zwei gemeinsam regierenden Fürsten. Es waren Onkel und Neffe, die sich nicht ausstehen konnten. Für die "Unbotmäßigkeit", sich ohne Erlaubnis anderenorts beworben zu haben, erhielt Bach einen Monat Haft, wurde anschließend "in Ungnade" entlassen.

Bekannt sind seine Wanderungen nach Norddeutschland. Mit 15 Jahren pilgerte der Vollwaise nach Lüneburg, wo er als Sänger und Musiker an der Michaelisschule lernte und arbeitete. Von hier aus unternahm er Abstecher nach Hamburg und Celle. Natürlich kennt hierzulande jeder Musikfreund die Novelle "Die Pilgerfahrt nach Lübeck" von Hans Franck. Diese Wanderung führte den Zwanzigjährigen anno 1705 zu Dietrich Buxtehude an die Marienkirche. Zum Bachjahr 2000 (250. Todestag) gab es entsprechende Programme. In Lübeck zum Beispiel unter dem Motto "Bach und Backstein" oder beim SHMF im Dom "Bach aus allen Fugen".

Schier unauslotbar ist sein Gesamtwerk; und längst nicht alles ist erhalten. Nach alten Aufzeichnungen hat Bach drei vollständige Jahrgänge an Kirchenkantaten für jeden Sonn- und Feiertag geschrieben. Vielleicht gab es sogar einen vierten Jahrgang, weil ein fünfter erwähnt wird. Dazu die Passionen, das Weihnachtsoratorium, die h-Moll-Messe, Instrumentalmusik, die Solosuiten, das gewaltige Orgelwerk. Gerade ist ein Musiker aus dem Jazzbereich gestorben, Jacques Loussier, der in den sechziger Jahren mit "Play Bach" den Altmeister zum Swingen brachte.

Ach ja, sein Geburtstag, der 21. März 1685. In manchen Quellen wird der 31. März genannt. Das ist kein Druckfehler. Bis zum Jahr 1700 galt in einigen protestantischen Fürstentümern Deutschlands noch der julianische Kalender. Bewusst evangelische Herrscher hatten die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. nicht übernommen. Die Differenz zwischen den beiden Zeitrechnungen betrug damals zehn Tage. Noch heute zeugt der "doppelte Ostertermin" zwischen West- und Ostkirche von dieser Differenz, die inzwischen auf 13 Tage gewachsen ist. Ostersonntag ist bei uns in diesem Jahr am 21. April, in den orthodoxen Kirchen Russlands, Griechenlands und anderswo erst am 28. April.

Ein Steinrelief in St. Marien erinnert an den Besuch von Bach. Foto: TD

Ein Steinrelief in St. Marien erinnert an den Besuch von Bach. Foto: TD


Text-Nummer: 129120   Autor: TD   vom 31.03.2019 17.26

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