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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Sonnabend,
der 15. Juni 2019






Der Brexit und das Alte Testament

Pastorin Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende dem Ausstieg von Großbritannien aus der Europäischen Union. Im Alten Testament haben Propheten die Mächtigen ermahnt, nicht nur an sich selbst zu denken. Die Probleme seien heute ähnlich.

Im Juni 2016 waren mein Mann, unser Hund und ich wie jedes Jahr im Sommer im Urlaub in Großbritannien. Wahrscheinlich haben Sie inzwischen so viel von diesem Monat gehört, dass es kaum noch zu ertragen ist. Juni 2019 war der Monat, in dem in Großbritannien das Brexit-Referendum stattfand.

Wir haben uns damals informiert – wir haben die "Times" gelesen und die Nachrichten im Radio gehört. Wir haben mit Leuten darüber diskutiert und haben sogar ein Parlamentsmitglied getroffen, dass gerade Werbung dafür machte, in der EU zu bleiben.

Uns war schon lange deutlich geworden, dass die Politiker dort nicht unbedingt wahrheitsgemäß, über die EU berichten. Regelungen und Gesetze waren zum Beispiel angeblich von der EU erzwungen wurden, die wir in Deutschland nicht haben, die also nicht an der EU liegen konnten. Der öffentliche Dienst und das Gesundheitswesen sollten 8 Jahre lang keine Gehaltserhöhung bekommen, das lag bestimmt nicht an der EU. Trotzdem wurde die EU für vieles verantwortlich gemacht.

Vor dem Referendum hatten EU-Verantwortliche immer wieder auf Regelungen aufmerksam gemacht, die für Drittstaaten gelten und auf die Tatsache, dass Großbritannien mit einem Brexit ein Drittstaat sein würde. In der britischen Presse wurde das immer wieder als Panikmache und "das meinen die nicht so" abgetan.

Dann kam der 29. März und die Verlängerung bis zum 12. April, also gestern, und wieder gibt es eine Verlängerung, kein Mensch weiß wie lange, vielleicht bis zum 31. Oktober, vielleicht doch früher, vielleicht wird im Oktober dann wieder verlängert.

Ich erzähle Ihnen das alles, weil es für mich live erlebbar werden ließ, wie ein Volk von seinen Regierenden in das Verderben geführt werden kann. Einer dieser Politiker hatte schon vor seiner Politikerkarriere als Journalist die Leser der Zeitung, für die er schrieb, mit falschen Horrormeldungen aus Brüssel "informiert". Es wurde bewusst gelogen. Keiner hatte erwartet, dass das Referendum wirklich mit dem Brexit endet. Am Tag nach der Abstimmung herrschte eine bleierne Schwere im Land, alle hatten das Gefühl, dass es eigentlich nicht wahr sein könnte. Aber es war zu spät.

Wir wissen damit immer noch nicht, wo wir denn unseren nächsten Urlaub verbringen werden. Das ist ärgerlich, aber doch im Vergleich zu den Menschen, deren Leben und deren Lebensunterhalt am Brexit oder am Verbleib in der EU hängt, eher ein kleines Problem.

Seitdem verfolge ich das Drama in Großbritannien, und für jemand aus meiner Generation ist es erstaunlich, wie schnell ein Land durch Lügen, Halbwahrheiten und taktische Winkelzüge an den Rand des Ruins geführt werden kann. Es ist erstaunlich für mich, wie Menschen, denen doch das Wohl aller am Herzen liegen sollte, durch Eitelkeiten, persönliche Feindschaften oder Verletzungen nicht mehr über die Konsequenzen ihres Handelns nachdenken und wie leichtfertig andere ihnen Glauben schenken.

Im Alten Testament haben die Propheten immer wieder die Mächtigen des Landes, die Könige und die Priester, ermahnt, nicht nur an sich selbst und ihre Clique zu denken. Sie haben sie immer wieder daran erinnert, dass sie nicht für sich selbst regieren, sondern für Gott, und dass sie sich deshalb für alle Menschen einsetzen müssen und an sie denken, auch an die Armen, an die, die keine Lobby haben. Sie haben sie ermahnt, auch bei politischen Allianzen nicht nur an sich selbst, sondern an alle zu denken.

Nun ist es heute nicht mehr so einfach, genau zu sagen, was denn nun der Wille Gottes ist. Auch im Alten Testament wurde oft nur im Rückblick erkannt, welcher Prophet denn mit seinen Worten Recht gehabt hat.

Aber sie haben die gleichen Probleme angesprochen, die wir heute noch haben: Allianzen – wie beim Brexit, und wie mit Alleinerziehenden – damals hieß es noch Witwen und Waisen – und Lohnempfängern, also Arbeitnehmern, und Fremden – also Ausländern - umgegangen wird. Gott wollte und will, dass sie gleichberechtigt behandelt und gehört werden. Für ihn ist jeder Mensch gleichwertig und gleich wichtig.

Ich weiß nicht, wie der Brexit ausgehen wird. Mit dem Austritt gestern hat es ja wieder nicht geklappt. Ob es am 31. Oktober klappen wird oder vielleicht doch früher, weiß niemand. Ich habe jedenfalls aus Hoffnung erst einmal eine Fähre dorthin gebucht, obwohl es nach einem Brexit mit einem Hund schwierig wird. Einfluss, wie es weitergeht, habe ich jedenfalls nicht.

Aber ich kann mich hier bei uns zu Hause dafür einsetzen, dass gut regiert wird. Ich kann für die Politiker und Politikerinnen, für alle, die sich an entscheidenden Stellen engagieren, beten.

Ich kann Behauptungen, von denen ich weiß, dass sie falsch sind – Fake News also – nicht unkommentiert stehen lassen, sondern sie widerlegen. Ich kann reden für die, die benachteiligt werden.

Ich kann zur Wahl gehen und meine Stimme abgeben, so zeigen, dass es mir wichtig ist, was in unserem Land – und in Europa - geschieht. Ich kann überlegen, wer sich am besten für Benachteiligte einsetzt, wer am besten die meisten Menschen im Blick hat. Wer mag und sich gerufen fühlt, kann sich engagieren.

Da wir in einer Demokratie leben, können solche Entscheidungen oft unterschiedlich ausfallen. Dass wir einander annehmen und uns nicht gegenseitig verteufeln gehört auch zu dem, was Gott von uns will.

Mich haben die Erfahrungen von 2016 und seither dankbar gemacht für das Land, in dem wir leben. Sicher kann man vieles verbessern, und dafür sollten und müssen wir uns einsetzen, aber dabei immer darauf achten, dass wir es nicht nur für uns selbst und unsere eigene Wichtigkeit tun.

Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende auf die Bedeutung der Propheten im Alten Testament ein.

Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende auf die Bedeutung der Propheten im Alten Testament ein.


Text-Nummer: 129459   Autor: red.   vom 13.04.2019 10.20

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