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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Sonntag,
der 22. September 2019






Lübeck:

Was brauchen wir wirklich?

Im Laufe eines Lebens sammeln sich viele materielle Dinge an. Brauchen wir die wirklich? Dieser Frage geht Pastorin Ellen Naß in ihren Gedanken zum Wochenende nach.

Meine Schwiegermutter ist ganz überraschend ins Pflegeheim gekommen. Sie wird bald 90, und es ging einfach nicht mehr alleine. Nun sind wir dabei, ihre Wohnung aufzulösen.

Eigentlich hatte sie nicht viel. Die Familie – mit immerhin zwei Kindern – lebte seit 1961/2 in der gleichen Drei Zimmer Wohnung in Hamburg, mit einer für heutige Verhältnisse kleinen Küche und einem noch kleineren Bad. Die letzten 2 ½ Jahre lebte sie dort allein und hatte nach dem Tod ihres Mannes schon viele Dinge weggeworfen und weggegeben, die sie nicht brauchte.

Trotzdem ist es viel Arbeit, die Wohnung leerzuräumen. An einigen Dingen hängen Erinnerungen für meinen Mann, andere hat meine Schwiegermutter aufbewahrt, weil für sie Erinnerungen daran hängen. Viele Menschen auf ihren Fotos erkennen wir nicht einmal mehr. Ob wir in dem Heim – obwohl sie inzwischen ein Einzelzimmer hat – Platz dafür finden, ist fraglich.

Und dann die vielen Küchengeräte! Meine Schwiegermutter hat immer gerne gekocht und gebacken, und so gibt es Töpfe, Pfannen, Geschirr, Elektrogeräte, Messer, Schüsseln, und und und. Wir sind vollständig eingerichtet mit allem, was wir brauchen, unsere Kinder auch, also versuchen wir, es zu verschenken, aber so eine uralte Kaffeemühle will dann doch keiner haben.

Schnürsenkel, Pflaster, Plastiktüten, Souvenire, Kugelschreiber, Schmuck – echter und Modeschmuck, aber was ist was? - Fitnessgerät, es scheint kein Ende zu nehmen.

Seitdem sehe ich unseren Haushalt mit anderen Augen an. Ich frage mich zunehmend, ob wir das denn alles brauchen. Dabei haben wir uns schon von vielem getrennt, als ich in den Ruhestand ging und wir aus dem Pastorat ausziehen mussten, aber in der Zeit seitdem hat sich schon wieder einiges angesammelt, und zum Beispiel bei den Büchern ist es mir so schwergefallen, mich davon zu trennen – und Bücher wirft man ja auch eigentlich nicht weg! - dass ich viel zu viele behalten habe.

Andererseits gibt es viele Dinge, die man plötzlich dann doch braucht. Waffeln zum Beispiel kann ich nur backen, wenn ich ein Waffeleisen besitze, ohne Nähmaschine kann man schlecht nähen. Als ich vor einigen Jahren am Heiligen Abend einen Gottesdienst für Kinder gestalten sollte, da waren plötzlich die Bücher mit Krippenspielen wieder aktuell, ich hatte mich schon geärgert, dass ich sie behalten hatte. Reduzieren ist ja modern, es gibt viele Ratgeber, wie man es schafft, nicht so viele Dinge anzuhäufen oder sich von dem, was man hat zu trennen. Eine Ratgeberin hat gesagt, man solle Dinge in die Hand nehmen und sich fragen: macht mich das glücklich? Dabei sind die Ratschläge, sich nicht auf die Besitztümer zu verlassen, schon viel älter.

Jesus hat gesagt: "Ihr sollt nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen. Denn wo dein Schatz ist, da ist dein Herz."

Diese Worte Jesu sind drastisch und eindeutig. Wenn wir etwas besitzen, dann ist es bedroht. Wir sorgen uns darum, schützen uns vor Einbruch – gerade auch ein großes Thema bei uns in Deutschland - , pflegen es, kümmern uns um den Besitz, damit es nicht verdirbt. Es beschäftigt uns.

Aber selbst dann wird es irgendwann unmodern – viele Dinge bei meiner Schwiegermutter sind für unsere Augen nicht besonders schön, obwohl sie zum Zeitpunkt der Anschaffung bestimmt hochmodern waren. Besitz sichert nicht nur, ermöglicht nicht nur Dinge, sondern er belastet auch und frisst Zeit.

Aber – und das unterscheidet Jesus von den Ratgebern unserer Zeit – er rät vom Besitz ab, nicht weil es uns unglücklich macht und belastet. Das sicher auch, aber für ihn ist wichtig, dass zu viel Besitz und das Streben nach Reichtum uns den Blick verstellt: den Blick auf Gott und auf andere Menschen. Unser Herz soll nicht am Besitz hängen, nicht an viel Besitz und nicht an wenig.

"Schätze sammeln im Himmel" bedeutet nicht, dass wir sozusagen durch moralisches Verhalten ein Plus bei Gott anhäufen können. "Schätze sammeln im Himmel" bedeutet für mich, dass ich meinen Blick anders ausrichte, nicht auf mich, sondern auf andere. Wenn ich nur behalte, was mich glücklich macht, dann interessiere ich mich nur für mich selbst. Gerade das will Jesus nicht. Er will keine Egoisten, er möchte, dass wir füreinander da sind, einander helfen und Zeit dazu haben. Er möchte, dass wir ein erfülltes Leben haben.

Jedenfalls hoffe ich, dass ich nun weiterhin Dinge um mich herum mit anderen Augen betrachte, dass ich mich frage: Brauche ich das wirklich oder wird das irgendwann nur von einer Entrümpelungsfirma weggeräumt? Denn dann muss ich es gar nicht erst kaufen und pflegen, sondern kann frei bleiben in einem Leben mit Blick nach draußen – und auf Gott.

Pastorin Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende dem materiellen Besitz.

Pastorin Ellen Naß widmet ihre Gedanken zum Wochenende dem materiellen Besitz.


Text-Nummer: 129844   Autor: red.   vom 04.05.2019 12.39

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