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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 23. Juli 2019






Jonathan Meese lässt es bei Gollan krachen

Volle zweieinhalb Stunden lang stand am Dienstagabend Jonathan Meese im Zentrum seiner Performance auf der Kulturwerft Gollan, betitelt "Kind/Schlaf". Der Künstler verausgabte sich völlig, und das Publikum hatte auch Mühe die ganze Strecke durchzuhalten.



Von denjenigen, die um 19.30 angetreten waren, zog am Ende gegen 22 Uhr noch etwa ein Drittel mit an die Trave, als Meese zusammen mit Mutter Brigitte den abschließenden Würfel durch das "Tor der Zukunft" schob.



Angefangen hatte alles ganz Lübsch-traditionell. Für die Hauptsponsoren dieses einzigartigen Projektes zeitgenössischer Kunst sprach Max Schön von der Possehl-Stiftung die Eröffnungsworte. Immerhin hat Jonathan Meese von allen Initiatoren freie Hand dafür erhalten, Lübeck mit einer groß dimensionierten Mischung aus Ausstellung, Agitation und Performance etliche Monate in Atem zu halten. Dabei ging er immer seinen Weg, "immer vor - niemals zurück!! Nee, nee, nee", wie er auch im Verlauf der Gollan-Performance immer wieder betonte. In der Rückschau hat er dabei natürlich alle Reaktionen hervorgerufen, die ein solch umstrittenes Projekt nun einmal mit sich bringt: von kritikloser Zustimmung über nachdenkliche und nüchterne Bewertung bis zu Verärgerung, offener Empörung und sogar Hass. Die Dame und die Herren der Lübecker Ausstellungsorte haben während der Meese-Tage einen reichlichen Fundus von Zuschauer-Eindrücken auf die Ohren bekommen.



Nun also der große Abschluss in der Werft, mit ihren skelettartigen Strukturen der Industriegeschichte natürlich ein passender Ort für einen großen Meese-Auftritt. Frei nach Heidi Klum ließ der erst einmal einen Catwalk errichten, auf dem er den ersten Teil seiner Performance ableistete. In freier, assoziativer Rede beschwor er sein Konzept der "Diktatur der Kunst" und sein permanentes Streben nach absoluter Ideologiefreiheit.

Dabei ließ er alles aufscheinen, was wir nach einigen Monaten Dauer-Meese in Lübeck von seinem Kosmos bereits kennengelernt haben; John Sinclair, Jason Dark, Richard Wagner, Caligula, Nero und die Kapitäne William Bligh und Ahab und auch Mad Max, der Held der Donnerkuppel, tauchten im Verlauf seines verbalen Bewusstseinsstroms immer mal wieder auf.



Als er sich aus einer Bratpfanne am Catwalk-Treppchen dann eine Gummimaske besorgte und überzog, wurde die Stimmung doch etwas nachdenklicher bei den Besuchern, denn die Maske ähnelte zumindest dem Führer. Sagen wir mal so. Es wurde erkennbar, dass Meese sich mit Führerkult und begleitenden Gesten künstlerisch auseinandersetzt. Das wurde ihm schließlich auch gerichtlich so bescheinigt. Nicht jeder im Raum hat das allerdings so verstanden und etliche waren von der Darbietung dieser Gesten auch irritiert. Standarten der K.U.N.S.T und Standarten mit aufgenagelten Werken von John Sinclair wurden zu all dem in Beziehung gebracht.



In der großen Halle des Volkes bei Gollan gab es dann ein Kontrastprogramm. Dort fühlte man sich plötzlich in die Experimentalmusik-Szene eines Berliner Bunkerkonzerts versetzt. Jonathan Meese, nun mit Darth Vader Maske spielte mit luftgefüllten Plastikpuppen herum und sang dazu "Oh, lovely girl - oh mountain girl ... march to China." Hier hätte man sich gewünscht, dass Leute wie Nick Cave oder Iggy Pop nochmal dazukommen, um in die Hymne einzustimmen. Dafür hat Meese aber Darth Vaders legendäre High-Tech Atmung in Blockflöten Töne umgesetzt; dazu hatte er eine gelbe Puppe mit der Aufschrift "NULL" parat. Das war schon was.



Letzter Vorhang der Lübecker Meese-Festspiele am Fluss bei Gollan. Hier hatte der Meister direkt am Wasser ein "Tor der Zukunft" errichtet und einen Würfel hineingestellt, der von allen Seiten beschriftet war. "Kunst ist die Staatsform von Morgen" konnte man lesen. Dann erblickte er unter den Zuschauern plötzlich Mutter Brigitte. Eins muss man wissen über Jonathan Meese. Bei aller Diktatur der K.U.N.S.T ist Mami immer noch der Boss. Hand in Hand gingen sie beide zum Würfel, um ihn gemeinsam in die Trave zu stürzen. Wie sie an der Kante standen dachten viele an den Anfang der Performance: "Es reicht doch, einen Schritt nach vorne zu gehen." Ausnahmsweise zog Mami ihn dann doch lieber zur Seite. Ein letzter Blick auf den Würfel. Jonathan strahlt. Der Würfel hat sich so gedreht, dass oben "MUMIN" steht. "Kunst ist MUMIN", das hat er doch schon immer gewusst, und wir haben es jetzt auch gelernt.

Ein Video der Performance sehen Sie unter youtu.be/z3TDbHOLfL8

Zweieinhalb Stunden lang gab Jonathan Meese Einblicke in seine Welt. Fotos/O-Ton: Harald Denckmann

Zweieinhalb Stunden lang gab Jonathan Meese Einblicke in seine Welt. Fotos/O-Ton: Harald Denckmann



Hier hören Sie den Originalton:  

Text-Nummer: 129976   Autor: Harald Denckmann   vom 08.05.2019 11.48

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