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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 20. August 2019






Lübeck:

Heiner Müllers Quartett: Zwei plus zwei gleich zwei

Unter einem Quartett versteht man beim Kartenspiel oder Musizieren eine Sache mit vier Personen. "Quartett" nannte der frühere DDR-Autor Heiner Müller, der in den Westen wechselte, wo er aufgeführt werden durfte, 1982 seinen sprachmächtigen Text. Heiner Müller ist erstmals in Lübeck zu erleben. Im Studio der Kammerspiele hatte "Quartett" am Mittwoch in einer Inszenierung von Friederike Harmstorf Premiere. Das Publikum war sehr angetan und applaudierte lange.



Natürlich wird im Programmheft darauf hingewiesen, dass Heiner Müller die Idee zu diesem Stück dem 200 Jahre zuvor erschienenen Briefroman "Die gefährlichen Liebschaften" (Les Liaisons Dangereuses) von Choderlos de Laclos entnommen hat. Der Autor schilderte damals in 175 Briefen die Verdorbenheit des französischen Adels kurz vor der Revolution. Er tat es anonym, weil heftige Reaktionen erwartet werden mussten. Erst später ging er damit in die Weltliteratur ein.

Heiner Müller setzt einen drauf. Sein Quartett sieht nur zwei Personen vor. Erst nach und nach wird dem Zuschauer klar, dass die Marquise von Merteuil und ihr früherer Geliebter, der Graf Valmont, die Rollen tauschen, dass auch weitere, ins geschilderte Geschehen einbezogene Figuren geschlechtervertauscht dargestellt werden. Sein Hauptimpuls sei es, die Zerstörung darzustellen, sagte Müller vor der Uraufführung 1982 in Bochum. Er wolle zeigen, dass in der Geschlechterbeziehung der Mensch den Menschen zerstöre.

Bei diesem Stück gibt es eine Schwierigkeit: Kaum ein Theaterbesucher dürfte den Briefroman kennen und auch nicht den sehr kompakten und komplexen Text Heiner Müllers. So wurde bei anderen Aufführungen ein munteres Spiel mit Zoten, enthüllten Genitalien oder blutverschmiertem Fleisch daraus. Vor solchen effektheischenden Verdeutlichungen hütet sich die Regisseurin der Lübecker Aufführung. Sie hat den Text in eine 60-Minuten-Fassung gebracht, in der die beiden Darsteller ihre weißen Gewänder bis zum Schluss anbehalten dürfen.

Ausstatter Sammy Van den Heuvel stellt einen Kasten mit drei weißen Seiten ins Studio. Hineingebaut sind Glaswände. Auch dazwischen kann gespielt werden. Leise Musik, zu einigen Szenen von der Elektro-Orgel, sonst eher leises Trommeln, Puls- oder Beckenschläge steuerte Carolina Bigge bei. In betont elegantem Sprachduktus beginnt Susanne Höhne ihren ersten Monolog. Genau wie sie entsteigt Valmont (Michael Fuchs) symbolträchtig dem Untergrund.

Dann beginnt der Geschlechterkampf, der weder etwas mit der Welt von Ingmar Bergman noch der modernen Gender-Diskussion zu tun hat. Die gelungene Textauswahl von Friederike Harmstorf bringt vieles auf den Punkt. Die Verführung der kleinen Klosterschülerin oder der Präsidentengattin wird mit perfider Genüsslichkeit zelebriert. Die beiden Darsteller müssen nicht nur die Rollen, natürlich auch die Stimmfarben wechseln.

Aus der eleganten Dame wird bei Susanne Höhne schnell eine Person, die aggressiv oder zynisch sein kann. Michael Fuchs bleibt etwas auf Distanz, spielt den Überlegenen, der sich seiner Verführungskunst offenbar doch nicht mehr so sicher ist. Ob Heiner Müller, der gesagt haben soll, er kenne noch keine Aufführung des Stückes, die ihn begeistert hätte, mit dieser fast keuschen Version zufrieden wäre?

Übrigens: Im Briefroman bringt die krebskranke Marquise vor ihrem Sterben den einstigen Geliebten um: Das dem Tod Geweihte tötet das (noch) Lebensfähige. Sind so die Menschen? Es darf gedacht werden. Weitere Vorstellungen in dieser Spielzeit: 7. und 14. Juni, Beginn jeweils 20 Uhr.

Bei der Premiere am Mittwochabend gab es viel Beifall für die Inszenierung. Fotos: Falk von Traubenberg

Bei der Premiere am Mittwochabend gab es viel Beifall für die Inszenierung. Fotos: Falk von Traubenberg


Text-Nummer: 130523   Autor: TD   vom 30.05.2019 08.59

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