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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Mittwoch,
der 23. Oktober 2019






Lübeck:

Telemedizin-Projekt: Hausarztpraxis aus Travemünde mit dabei

Ein gemeinsames Projekt von der Techniker Krankenkasse (TK) und ihren Vertragspartnern GIO, der Ärztegenossenschaft Nord, dem Hausärzteverband Schleswig-Holstein sowie dem Institut für Allgemeinmedizin am UKSH in Lübeck soll durch telemedizinische Anwendungen die medizinische Versorgung im Norden weiter verbessern. Aus dem Versorgungssicherungsfonds des Landes erhält das Projekt jetzt Fördermittel vom Land in Höhe von 230.000 Euro.

Gesundheitsminister Heiner Garg betont: "Das Projekt ist so einfach wie gut: Wenn Patientinnen und Patienten nicht zum Facharzt kommen können, kommt dieser per Video-Telefonie zu ihnen. Wir verbinden damit spezielle fachärztliche Angebote mit der Hausarztpraxis auf dem Land. Mit einem weiteren Baustein des Projekts werden die Daten von Patientinnen und Patienten von zu Hause in die Praxen übertragen. Beides erspart weite Wege und hilft, wertvolle medizinische Leistungen mehr Menschen zugänglich zu machen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des steigenden Fachkräftebedarfs leistet das Pilotprojekt damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Gesundheitsversorgung. Mit Mitteln aus dem Versorgungssicherungsfonds unterstützt das Land dies maßgeblich."

Die Mittel aus dem Fonds stehen seit Herbst 2018 bereit, um die medizinische Versorgung insbesondere in der Fläche zu optimieren. Insgesamt kommen zunächst fünf Videotelefonie-Systeme in Schleswig-Holstein im Rahmen des Projektes zum Einsatz. Dieses werden in folgenden Hausarztpraxen verwendet: Hausärztegemeinschaft Großhansdorf, Hausarztzentrum Leck, Medizinisches Versorgungszentrum Pellworm, Ärztezentrum Büsum, Hausarztpraxis im Hafenhaus Travemünde. Der Tele-Arzt-Rucksack wird zum Projektstart auch in der Hausarztpraxis im Hafenhaus Travemünde verfügbar sein.

So funktioniert das Projekt "Telemedizin im ländlichen Raum": Auf Pellworm sitzt ein Patient in seiner Hausarztpraxis. Der Weg zum Augenarzt von der Insel zum Festland ist für den älteren Patienten zu beschwerlich. Doch auch beim Allgemeinmediziner kann er mit den Spezialisten des Augenarztzentrums in Rendsburg sprechen. Denn per Videotelefonie ist der Experte zugeschaltet und unterstützt den Patienten im Beisein des Hausarztes aus der Ferne. Diese Art der Behandlung ist zunächst in fünf, im Laufe des Projektes dann in zehn teilnehmenden Hausarztpraxen möglich.

"Besonders in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein spielt die Versorgung im ländlichen Raum eine entscheidende Rolle. Telemedizinische Angebote wie dieses Projekt helfen dabei, die Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein noch weiter zu verbessern. Diese müssen wir so nutzen, dass sie sowohl eine Entlastung für Ärzte sowie eine Bereicherung für Patienten sind", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK in Schleswig-Holstein.

Das Institut für Allgemeinmedizin am UKSH in Lübeck wird das Projekt "Telemedizin im ländlichen Raum" wissenschaftlich begleiten. Prof. Dr. Jost Steinhäuser, Leiter des Instituts und stellvertretender Sprecher des interdisziplinären Forschungszentrums COPICOH an der Universität zu Lübeck, ergänzt: "In der Vergangenheit sind telemedizinische Projekte, die nicht wissenschaftlich begleitet wurden, häufig nicht über ein Pilotstadium herausgekommen. Der Blick muss daher auf dem Mehrwert für die Versorgung liegen."

In der am Projekt teilnehmenden Augenarztpraxis in Rendsburg ist Telemedizin bereits seit drei Jahren fest integriert. Die GIO unterstützt ihre augenärztlichen Mitglieder bei der Umsetzung von telemedizinischen Behandlungen in den Praxen. Mitarbeiterschulungen sowie Info-Veranstaltungen werden seitens des Qualitätsverbundes organisiert. Der GIO-Vorstand Dr. Jon-Marten Heisler: "Einen Schwerpunkt der Telemedizin bildet die Nachsorge unserer operierten Patienten, aber auch die der Betreuung der chronisch erkrankten Patienten - zum Beispiel bei Makuladegeneration. Besonders bewährt hat sich die telemedizinische Konsultation im ländlichen Raum bei akuten Erkrankungen, wenn die Patienten nicht in die Praxis kommen können, da sie zum Beispiel in ländlichen Regionen wohnen. Für uns ist die Telemedizin eine Bereicherung und Ergänzung der augenärztlichen Grundversorgung."

Der Einsatz des Tele-Arzt-Rucksacks ist ebenfalls Teil des geförderten Projektes. Speziell ausgebildete Medizinische Fachangestellte - zum Beispiel Nicht-ärztliche Praxisassistentinnen (NäPas) oder Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAHs) - verwenden den Rucksack zur Übermittlung von Vitaldaten, die sonst in den teilnehmenden Hausarztpraxen erhoben werden müssten. Hausbesuche können die Fachangestellten selbst übernehmen und beispielsweise ein EKG durchführen oder den Blutdruck messen. Diese Daten werden dann in die Praxis übermittelt. Bei Bedarf ist auch ein Videokontakt zu dem behandelnden Arzt über ein Tablet möglich, welches ebenfalls Teil des Rucksacks ist.

Das Institut für Allgemeinmedizin am UKSH in Lübeck wird das Projekt wissenschaftlich begleiten.

Das Institut für Allgemeinmedizin am UKSH in Lübeck wird das Projekt wissenschaftlich begleiten.


Text-Nummer: 131628   Autor: Ministerium für Soziale   vom 17.07.2019 10.22

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