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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Sonntag,
der 22. September 2019






Lübeck:

Prozess Detlef H.: Verwirrende Aussagen

Am Donnerstag wurde der Prozess gegen Detlef H., dem ehemaligen Leiter des Weißen Rings in Lübeck, fortgesetzt. Erneut wurden Zeugen vorgeladen. Von einem Urteil ist das Gericht noch weit entfernt.

Der zeitweilig im Gerichtssaal anwesende ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Wille fragte sich mit leichtem Kopfschütteln in der Sitzungspause, was mit den heutigen Zeugenaussagen eigentlich in der Sache bezweckt werden sollte. Sie waren weit weg vom eigentlichen Tatgeschehen am 12. April 2016 und betrafen Verfahren, die von Staatsanwaltschaft, Landgericht und Oberlandesgericht bereits gesichtet und eingestellt waren. Ein Verhaltensmuster des Angeklagten sollte anhand von Beispielen bewiesen werden. Weitgehend, so Wille, wurde der Angeklagte sogar entlastet, denn selbst wenn es zu den mutmaßlichen Annäherungsversuchen gekommen sein sollte, haben alle Zeuginnen bestätigt, dass das berühmte "Nein heißt nein" eingehalten wurde. Nach mutmaßlichen Vorgängen von Annäherung wurde der Kontakt zu Detlef H. dann auch nicht abgebrochen und zur Anzeige gebracht, sondern es hat danach noch ausgesprochen freundliche Kontakte über elektronische Medien gegeben, die im Gerichtssaal verlesen wurden. Es wurde auch deutlich, dass Detlef H. in den Grundangelegenheiten der Kontaktpersonen auch noch weitere Hilfestellung geleistet hat. Ein Fall war besonders skurril. Die Zeugin Elke E. gab an, mit Verwunderung in der Presse von ihrem Fall gelesen zu haben. "Von mir aus hätte ich mich nicht gemeldet", erklärte sie dem Gericht. Eine Bekannte, die bei der Lübecker Polizei tätig ist, soll einen Vorfall ohne ihr Wissen an die Presse gegeben haben. Daraufhin sollen sich auch Kieler Beamte bei ihr gemeldet haben. Die Zeugin gab an von alldem nichts gewusst zu haben. Sie lag zu der Zeit im Krankenhaus in Köln und hatte mit dem Vorfall abgeschlossen. Sie wollte keine Anzeige erstatten.

Vorzuwerfen hatte sie Detlef H. aber doch etwas. Als ihr Geschäft im Jahre 2011 vollständig ausgeraubt wurde und ihr Mann mit schweren gesundheitlichen Problemen in der Klinik lag, wendete sie sich an den Weißen Ring, und erfuhr besonders von Detlef H. sehr wirksame Soforthilfe. Er hat sich sehr bemüht spontan zu helfen, sie konnte mit Hilfe des Weißen Rings gleich Ware nachkaufen, um ihre Existenz zu retten. Über Detlef H. sagte sie sie sei ihm und dem Weißen Ring dafür "sehr, sehr dankbar", man habe sich "sehr gut verstanden", er sei zuvorkommend und hilfsbereit gewesen und hat sich um sie in ihrer schweren Lage bemüht. Enttäuscht war sie dann, als es zu Annäherungsversuchen gekommen sein soll, die sie sich aber energisch verbeten habe. Das soll sich auf dem Parkplatz Ehrenfriedhof bei Haffkrug und auch später in ihrem Geschäft zugetragen haben, durch eindeutige Bemerkungen, aber nicht durch Übergriffe. Die Mitarbeiterin der Lübecker Polizei, eine regelmäßige Kundin in ihrem Geschäft, soll ihr dabei geholfen haben, dass Detlef H. die Besuche im Geschäft schließlich einstellte.

Auch die folgende Zeugin Gabriele K. musste die Geschehnisse auf Geheiß der Staatsanwaltschaft noch einmal durchleben, was ihr erkennbar schwer fiel. Hier geht es zurück in das Jahr 2016, als Detlef H. ihren Fall häuslicher Gewalt betreute und ihr zunächst einmal wieder wirksam half. Nach sehr freundschaftlichen und lockeren Kontakten, ging es nach einem Essen nach ihren Angaben noch einmal ins Gewerkschaftshaus, um noch Unterlagen zu kopieren. In diesem Zusammenhang soll es zu Annäherungsversuchen und zu dem aus zahlreichen Vorberichterstattungen bereits bekannten "versuchten Zungenkuss" gekommen sein. Die Zeugin hat dann erklärt, dass nach ihrer Weigerung sofort abgebrochen wurde. Danach wurde sie nach Hause gefahren, es gab einen netten Briefwechsel und weitere Beratung und Hilfsangebote von Detlef H. Die Justiz war mit allem bereits befasst, eine Tatbestandlichkeit wurde nicht zuerkannt.

Die dritte Zeugin des Tages war noch weiter weg vom Kerngeschehen. Sie ist eine Bekannte des Zeugen Imre B., der vom Gericht in der Sache Detlef H. bereits vernommen wurde. Imre B. soll ihr fast täglich Begebenheiten von der Hauptbelastungszeugin Dora M. berichtet haben. "Das hat ihn ständig beschäftigt", erklärte sie. Aus den fast täglichen Erzählungen über das ihrer Meinung nach chaotische Leben von Dora M. mit Wohnungsauflösungen, ausbleibenden Zahlungen und rechtlichen Problemen kam sie zu rein persönlichen Bewertungen. "Ob diese Frau die Wahrheit sagt, da bin ich mir nicht sicher", hieß es und auch sie habe gehört, dass Dora M. "aus der Sache Kohle machen wollte." Das freundschaftliche Verhältnis zu Imre B. sei über die Prozessangelegenheit zerbrochen. Ihren Angaben nach wollte Imre B. sie überreden, nicht vor Gericht auszusagen. Sie hatte aber das Gefühl, entscheidend zur Wahrheitsfindung beitragen zu können und hielt es für ihre Pflicht auszusagen. Und noch ein wichtiges Detail. Auf mehrfache Nachfrage unterstrich sie stets, dass Imre B. ihr gegenüber "nicht einen Ton über Exhibitionismus" erwähnt habe. Ihr gegenüber war immer nur von Detlef H.'s angeblicher Anregung, doch eine Tätigkeit als Escort-Dame in Erwägung zu ziehen die Rede, nicht aber von der angeblichen Tat, über die das Gericht zu befinden hat. Dora M. selbst ist die Zeugin nie begegnet.

Der Prozess wird am 9. September mit weiteren Zeugenvernehmungen weitergeführt. Da im bisherigen Verlauf immer wieder Zeugen durch Vorlage von Attesten ferngeblieben sind und nachgeladen werden mussten, wird nicht vor Mitte bis Ende September mit einem abschließenden Urteil gerechnet.

Detlef H. mit seinem Anwalt Oliver Dedow vor dem Gericht. Foto: Harald Denckmann

Detlef H. mit seinem Anwalt Oliver Dedow vor dem Gericht. Foto: Harald Denckmann


Text-Nummer: 132550   Autor: Harald Denckmann   vom 29.08.2019 14.41

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