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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 17. September 2019






Lübeck - Innenstadt:

Kolumbianerin erhält Internationalen Possehl-Kunstpreis

Eine neue Lübecker Auszeichnung wird am Sonnabend erstmals vergeben, der mit 25.000 Euro dotierte "Possehl-Preis für Internationale Kunst". Preisträgerin ist Doris Salcedo aus Bogota/Kolumbien. Seit drei Wochen lebt die 61-Jährige in Lübeck, um zusammen mit dem Team der Kunsthalle St. Annen die Installationen in den Etagen einzurichten. Die Arbeiten wurden am Donnerstag vorgestellt. "Tabula Rasa" lautet der Titel des Kunstereignisses.



Schon lange vorher hatte sich Doris Salcedo Lübeck und die Räumlichkeiten der Kunsthalle angesehen, denn ihre Arbeiten beziehen sich auch auf den Raum. Die Ausstellungsflächen und die Stadt haben ihr gefallen. So freut sich Museumsleiterin Antje-Britt Mählmann über die Ehre, die erste Einzelausstellung mit den Werken der weltweit anerkannten Kolumbianerin präsentieren zu können.

Kurator Oliver Zybok berichtete, wie die Ausstellung zustande kam. Sechs Kunstdirektoren hätten Namen für den internationalen Preis eingereicht. Zybok: "Wir hatten zwölf Vorschläge aus neun Ländern!" Er selbst sei Arbeiten von Doris Salcedo erstmals 2003 auf der Biennale von Istanbul begegnet und habe "das Grauen als Bestandteil ihrer Kunst" gespürt. Da, wo andere wegschauen, beginne Frau Salcedo mit ihren Recherchen und prangere Gewalt, Folter, Vergewaltigungen an.

Der seit Jahrzehnten Kolumbien erschütternde bürgerkriegsähnliche Konflikt sei Ausgangspunkt zahlreicher Projekte. Kürzlich habe eine Guerillagruppe das ohnehin brüchige Friedensabkommen aufgekündigt. Deshalb werde der Kampf weitergehen, "für einen Frieden, nach dem die Menschen sich sehnen", sagt Doris Salcedo.

Zu den Projekten:

"Tabula Rasa": Mehrere Installationen weisen auf Vergewaltigungen hin, die Frauen während des Bürgerkrieges erlitten. Vergewaltigung werde oft als häusliches Problem hingestellt. Hier sei es Teil eines politischen Verbrechens, betont die Künstlerin. Sie hat Tische, Symbol für das Leben und das Wohnen, zerstört und wieder zusammengeleimt. Dennoch zeigen die Objekte deutlich die Spuren der Vernichtung. Doris Salcedo: "Die Arbeiten leben von der Spannung zwischen Zerstörung und dem Versuch, das Leben irgendwie weiterzuführen."



"A Flor de Piel": Die Arbeit weist auf das Schicksal einer Krankenschwester hin, die zu Tode gefoltert wurde. Hierfür wurden Tausende von behandelten und konservierten Blütenblättern von Rosen zu einem Teppich zusammengenäht, der an die menschliche Haut erinnert: Die Rose als Symbol der Liebe in einer grausamen Realität.



"Plegaria Muda": Die Werkgruppe besteht aus Holztischen, bei denen jeweils ein Tisch umgedreht auf dem anderen liegt. Dazwischen befindet sich eine Schicht Erde, aus der durch die obere Platte Gras sprießt. Findet das Leben einen Weg in die Zukunft, durch alle Schrecken hindurch?



"Disremembered": Die Arbeit zeigt zarte Stoffe aus Rohseide. In der Seide stecken etwa 12.000 polierte, gekürzte, einzeln eingesetzte Sticknadeln. Ausgangspunkt hierfür waren Interviews, die Doris Salcedo mit Müttern aus Chicago führte. Sie haben aufgrund von Waffengewalt Kinder verloren. Ihr Verlust wurde nicht einmal anerkannt. Trauerbewältigung ist nicht möglich. Der Schmerz sitzt wie Nadeln im Körper.

"Thou Less": Die Installation nimmt Bezug auf einen Guerilla-Überfall 1985 auf das Justizgebäude von Bogota. Zahlreiche Menschen, die sich am Gerichtstag im Gebäude befanden, wurden getötet. Weitere Menschen starben, als die Armee mit Panzern das Haus stürmte. Der Justizpalast wurde neu errichtet, die Trauer blieb. Aneinander gebundene, beschädigte, in Stahl nachgeformte Stühle sind zum Sitzen nicht geeignet. Menschenleben wurden ausgelöscht, Abschied war nicht möglich. "Thou Less" ist altenglisch und bedeutet "Ohne Dich".

Die Ausstellung mit Preisverleihung findet am Sonnabend, 7. September, um 19 Uhr in der Kunsthalle St. Annen statt. Die Arbeiten von Doris Salcedo sind bis 3. November in Lübeck zu sehen. Führungen mit Erläuterungen und weitere Rahmenveranstaltungen helfen, sich auf die Werke einzulassen.

Doris Salcedo erhält am Samstag den 1. Internationalen Possehl-Kunstpreis. Fotos: JW

Doris Salcedo erhält am Samstag den 1. Internationalen Possehl-Kunstpreis. Fotos: JW


Text-Nummer: 132706   Autor: TD   vom 05.09.2019 14.43

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