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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Mittwoch,
der 18. September 2019






Lübeck:

Schuld und Whataboutism

Pastorin i.R. Ellen Naß nimmt die Erinnerung zum 80. Jahrestag des Beginns des 2. Weltkrieges zum Anlass, in ihren Gedanken zum Wochenende über "Schuld" zu schreiben. Oft wird dieses Thema mit dem Modewort "Whataboutism" beendet.

Letzten Sonntag, am 1. September, haben viele Gedenkveranstaltungen stattgefunden, weil am 1. September vor 80 Jahren Deutschland den 2. Weltkrieg begonnen hat. Bundespräsident Steinmeier hat die Polen um Verzeihung gebeten, und es gab viele andere ähnliche Veranstaltungen.

Wenn es aber 80 Jahre her ist, dann ist es klar, dass die Mehrheit der Deutschen diese Zeit nicht erlebt hat und diejenigen, die sie erlebt haben, noch Kinder waren und damit auch eher Opfer als Täter.

Trotzdem hat diese Zeit uns alle geprägt, im Guten wie im Bösen. "Nie wieder Krieg, von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen", mit diesem Motto sind wir alle aufgewachsen, Bundeswehreinsätze sind umstritten, 80 Jahre nach Beginn und 74 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges noch immer.

Einige in Deutschland meinen, nun sei es endgültig genug mit der Erinnerung, wir sollten aufhören, uns mit einer Schuld auseinanderzusetzen, die wir persönlich gar nicht auf uns geladen haben. Andere Länder, so wird dann argumentiert, würden auch nicht ständig über die dunklen Seiten ihrer Geschichte nachdenken, sondern stolz sein auf das, was gut und erfolgreich war.

Es stimmt ja, auch andere Völker haben im Lauf der Jahrhunderte Schuld auf sich geladen, Japan zum Beispiel im 2. Weltkrieg, Großbritannien im Burenkrieg und in den Kolonien. Viele haben am Sklavenhandel verdient, die USA haben im 2. Weltkrieg alle Japanischstämmigen interniert, Russland hat unter Stalin Millionen Menschen getötet, und und und. Die Liste ist endlos.

Man kann in der Geschichte jedes Landes etwas finden, wenn man nur sucht und oft auch, wenn man nicht sucht. So, wie wir alle als Mensch nicht nur gut sind, sondern immer auch dunkle Seiten haben. "Whataboutism" ist das Modewort dafür. Wenn man auf Fehler hingewiesen wird, dann antwortet man: "What about.. was ist denn mit?" und benennt einen ähnlichen Fehler von jemand anderem. Viele Diskussionen verlaufen so.

Auf andere zu zeigen, die auch nicht besser sind als wir, löst das Problem aber auch nicht. Unsere Schuld wird ja nicht kleiner dadurch, dass andere das Gleiche oder Ähnliches getan haben.

Jesus sagt einmal, wir würden gerne immer den Splitter im Auge eines anderen sehen und ihm anbieten, den zu entfernen. Wir kennen das, wie lästig das ist, einen Fremdkörper im Auge zu haben und wie dankbar man ist, wenn jemand einem hilft, den zu entfernen. Deshalb sollte Jesus es eigentlich als positiv beurteilen, wenn wir so handeln.

Jesus geht es bei dem Wort aber um nicht medizinische Hilfe in Notfällen. Er meint, dass wir gerne den Splitter im Auge eines anderen sehen, während in unserem eigenem Auge ein ganzer Balken steckt, von dem wir tun, als würden wir ihn nicht bemerken.

Damit meint Jesus genau das, dass man auf das Fehlverhalten eines anderen hinweist, in der Hoffnung, die eigene Schuld zu verkleinern. Dabei will man nicht wahrhaben, dass es schmerzt, etwas im Auge zu haben. Das Auge entzündet sich, teilweise mit schlimmen Konsequenzen. So geht es auch mit Schuld, die man nicht zugibt, sondern verdrängt - im Verborgenen eitert sie weiter, belastet, zieht neue Schuld nach sich.

Im Urlaub habe ich in einer englischen Zeitung gelesen, dass sie uns Deutsche bewundern, weil wir uns unserer Vergangenheit gestellt haben, weil wir deshalb offen und ohne Lügen über alles reden können, weil wir den Balken sehen und ihn größtenteils entfernt haben.

Deshalb habe ich als Pastorin immer gerne am Gedenken am Volkstrauertag teilgenommen. Für mich war es Trauer über die vielen zerstörten Leben bei allen beteiligten Völkern, das Eingestehen unserer Schuld – und das Wissen, dass Gott vergibt, Splitter oder Balken entfernt, und so Versöhnung und Neuanfang möglich macht.

In den nächsten Jahren werden viele solcher Gedenktage kommen. Auch wenn wir persönlich an den Ereignissen nicht beteiligt waren, ist es richtig, sich zu erinnern, damit wir uns für ein Leben in Freiheit und Würde einsetzen – für alle Menschen.

Richtigstellung: In meiner letzten Betrachtung ist mir ein gravierender Fehler unterlaufen. Da ich im Ausland im Urlaub war, konnte ich mich nicht informieren, und als Neu-Lübeckerin wusste ich es nicht besser. In der Petrikirche finden kirchliche Veranstaltungen statt, Gottesdienste, Andachten, Vortragsreihen, Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Ich entschuldige mich für die Falschaussage.

Ellen Naß betont die Wichtigkeit der Erinnerung an den 2. Weltkrieg.

Ellen Naß betont die Wichtigkeit der Erinnerung an den 2. Weltkrieg.


Text-Nummer: 132745   Autor: red.   vom 07.09.2019 08.51

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