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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 17. September 2019






Lübeck:

Shakespeare-Projekt als Tanz um die goldene Krone

Nicht mit einem einzigen Schauspiel von William Shakespeare begann die Saison 2019/20 in den Kammerspielen. Schauspieldirektor Pit Holzwarth fasste gleich vier sogenannte Königsdramen zusammen. "Game of Crowns", Spiel der Kronen oder besser Spiel um die Krone heißt der Abend mit der Lancaster-Tetralogie. Das Ergebnis ist ein eindrucksvolles Spiel um die Macht, das am Freitag bei der Uraufführung großen Beifall erhielt.



Die erste Shakespeare-Gesamtausgabe von 1623 enthält 36 Bühnenwerke. Zehn von ihnen firmieren als Königs- oder Historiendramen. Sie beschreiben nach Überlieferungen das Leben von Herrschern Englands in Zeiten häufiger, wenn nicht gar ständiger Kriege. In "Game of Crowns I" – ein zweiter Teil folgt ab 2. April 2020 – sind es Herrscher aus dem Hause Lancaster.

Verändert Macht den Charakter? Mit welchen Mitteln wird sie erlangt und wie verteidigt? Die Tetralogie setzt im Jahre 1398 mit Richard II. ein. Er hält daran fest, König von Gottes Gnaden und deshalb unantastbar zu sein. Um das Staatswohl kümmert er sich kaum. Er verprasst das Geld der Untertanen mit seinen Hofschranzen in einem Spiel der Eitelkeiten. Einen Streit zwischen zwei Adeligen entscheiden zu müssen, trägt ihm die Feindschaft der Verbannten ein.

Mit der erschmeichelten Macht des Volkes im Rücken putscht sich Heinrich IV. nach oben. Shakespeare hat aus offenbar reichlich vorhandenem Stoff gleich zwei Stücke über den Usurpator geschrieben. Seine Achillesferse ist das schlechte Gewissen, woraus Brutalität resultiert. Der "missratene" Sohn, der als Playboy mit zweifelhaften Kumpanen durch die Lande zieht, ist ein weiteres Ärgernis. Als Heinrich V. aber zeigt der Playboy ganz andere Seiten.

Symbolträchtig ist Werner Brenners Bühnenbild. Im Mittelpunkt steht eine umgekippte Krone. Auf ihrem Deckel der Thron Richards. Als der wankt, verändern sich die Zacken der Krone, werden aufgeklappt. Umgeben ist die Szene von hellen Wandelementen, durch Lichtstreifen in Segmente geteilt. Weiße Leuchtbänder deuten Aufstieg und Niederlage an, blutig rote die Kriegszeiten. Auf die Rückwände lassen sich Krieger oder Schlachtrösser projizieren.

In der Fassung und Inszenierung von Pit Holzwarth spielt niemand nur eine Rolle. Trotzdem sind natürlich die drei Könige herausgehobene Gestalten. Andreas Hutzel als Richard tanzt und scherzt mit seinen Gespielen, hat für das Volk nur Spott und Verachtung übrig. Als er den Thron abgeben muss, wird er zum Philosophen.

Von ganz anderem Kaliber ist Michael Fuchs als Heinrich IV. Er tobt und schreit, wird zum wütenden Diktator, vom schlechten Gewissen getrieben wie Kollege Macbeth. Lilly Gropper als einzige Frau im Männerensemble wandelt sich vom lotterhaften Buben zum Herrscher, der weiß, dass es besser ist, den Krieg nach Frankreich zu tragen als die Menschen des eigenen Volkes aufeinander zu hetzen.

Großartig hält Sven Simon die Gestalt des Herzogs von York durch, ein Vertreter der alten Zeit, in der das Recht über allem stand. Matthias Hermann gibt ebenso charakterfest den Grafen Northumberland. Robert Brandt ist ergreifend als alter Herzog Gaunt, muss später ganz gegen seine Figur den Trunkenbold Falstaff geben. Ein umgehängter Bauch tut's auch. Ungemein wandlungsfähig sind Johannes Merz, Heiner Kock und Johann David Talinski in ihren unterschiedlichsten Rollen.

Pit Holzwarth fallen immer wieder großartige Bilder ein, mal in unruhiger Bewegung, dann wieder in fast lähmender Stille. Kleine Symbole haben große Wirkung, regen die Fantasie an, zum Beispiel eine blutrote statt der goldenen Krone. Derb wird der Zirkusakt von Prinz Harry und Sir John Falstaff mit Hundeballett. Die Spannung blieb gut drei Stunden lang erhalten.

Pit Holzwarth wählte nicht nur moderne Übersetzungen, sondern übertrug auch selber aus dem englischen Original. Das transportiert den Stoff in die Gegenwart. Parallelen sind leicht zu finden. "Ihr Deutschen habt es gut", sagte ein englischer Theaterfreund, "ihr könnt Shakespeare neu übersetzen. Bei uns geht das nicht. Wir quälen uns mit dem alten Text ab, selbst wenn Schüler den schwer verstehen." Die nächsten Vorstellungen sind am 14. September sowie am 20., 27. und 31. Oktober.

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall für die Inszenierung. Fotos: Marlène Meyer-Dunker

Bei der Premiere am Freitagabend gab es viel Beifall für die Inszenierung. Fotos: Marlène Meyer-Dunker


Text-Nummer: 132746   Autor: TD   vom 07.09.2019 10.18

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