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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 15. Oktober 2019






Lübeck:

Schillers Räuber sind am Lübecker Theater weiblich

Friedrich Schillers Jugenddrama "Die Räuber" gehört zum deutschen Bildungsgut. Ungefähr zumindest weiß man, worum es geht: um zwei ungleiche Brüder, um Intrigen in der Familie und die Ungerechtigkeit in der Welt. Im Großen Haus des Lübecker Theaters hat Regisseur Andreas Nathusius dem Stück einen neuen Aspekt angedichtet, die Frage nach weiblicher und männlicher Gewalt. "Euphorie klingt anders", sagte jemand zum Schlussapplaus bei der Premiere am Freitag.



Die Umstände, unter denen der Student Schiller sein Sturm und Drang-Stück schrieb, sind bekannt. Sein Landesherr, Herzog Karl Eugen von Württemberg, hatte seine Karlsschule zu einer Zwangsanstalt ausgebaut, Militärakademie und Uni in einem. Unter dem Drill leidend, schrieb der Zwanzigjährige sich den Zorn von der Seele. Mit allen Mitteln der Jugend: Schwarzweiß-Zeichnung bei den Charakteren, ungestüme Leidenschaft, Suche nach Sein und Sinn.

Schillers 1782 in Mannheim uraufgeführtes Stück, für das er schließlich aus Stuttgart fliehen musste, erregte damals Aufsehen. Inzwischen sind mehr als zwei Jahrhunderte vergangen. Wortwörtlich hat man Schillers Parabel wohl nie genommen. aber sich doch von Schillers Sprache berauschen oder mitreißen lassen. Das passiert in der neuen Einstudierung in Lübeck bis zur Pause nur bedingt. In den Schlussmonologen, wo Pathos einziehen darf, ändert es sich, gibt es fesselnde Momente.

Andreas Nathusius bringt das Stück mit sechs Frauen auf die Bühne. Dafür musste er Schillers Personal verschlanken, den Text ausdünnen. Vielleicht ist die Idee, das Stück nur weiblich zu besetzen, dem Umstand geschuldet, dass alle Männer in dem Shakespeare-Projekt beschäftigt sind, das vor einigen Tagen in den Kammerspielen Premiere hatte.

Von Zeit zu Zeit schwebt in der neuen Einstudierung eine Art weißer Vollmond vom Bühnenhimmel. In Video-Einspielungen erhält das Publikum Einblicke in die Entstehung der Inszenierung. Die Damen diskutieren über ihre Rollen und die Frage, wie man als Frau einen Mann oder gleich mehrere Männerrollen spielt. Der Schnurrbart tut es nur bedingt, und der betonte Seemannsgang auch nicht. Mit dem Stück hat dieses Problem nichts zu tun. Es wird herangetragen, genauso wie am Schluss der Versuch einer Aktualisierung durch das Einblenden von Machthabern unserer Tage.

Natürlich werden die Konflikte deutlich. Der alte Graf Moor braucht Krücken. Ausstatterin Annette Breuer stellt ihn in eine Art sechseckiger Krone, deren Zacken, zahlreiche Holzstäbe, zum Gitter werden. Die unterschiedlich stark verteilte Liebe zu den Söhnen Karl und Franz bleibt das zentrale Thema. Der edle Karl führt als Student in Leipzig ein liederliches Leben. Die Kanaille Franz entmachtet durch Intrigen Vater und Bruder, reißt die Herrschaft an sich. Karl verzweifelt am vermeintlichen Fluch des Vaters, wird zum Räuberhauptmann.

Die sechs Damen auf der Bühne legen sich mächtig ins Zeug. Astrid Färber ist nicht nur der gramgebeugte Greis. Sie reiht sich mutig und munter auch unter die Räuber. Feurig stürmt Agnes Mann als Karl auf die Bühne, der edle Bruder von Robin Hood. Rachel Behringer hat neben mehreren Aufgaben unter Räubern und Banditen die Bürde des bösen Franz zu tragen. Ironisch, spöttisch, manchmal auch zynisch, ja, das ist sie. Teuflisch böse allerdings nicht. Sie gleicht eher einem verzogenen Kind als dem Schurken durch und durch.

Katharina Uhland muss sich ebenfalls in mehreren Rollen beweisen: als tapferer Räuber Roller, vor allem aber als Amalia, die bei ihr sehr herb, fast spröde daherkommt. Susanne Höhne ist gradlinig als Spiegelberg, des Hauptmanns Neider und Konkurrent. Großartig waren ihre Passagen als Bastard Hermann. Esther Schwartz füllt die Rollen von Bösewichtern ebenfalls gut aus.

Die Bühne ist von einem glitzernden, in Streifen herabfallenden Rundhorizont umgeben. Mehr braucht es nicht. Am Schluss wird heftig geballert, auch ein bisschen modernisiert. Statt ihrem Feind Franz den Degen zu entreißen, greift die kämpfende Amalia zu Benzinkanister und Feuerzeug. Aus diesem Kanister bedient sich Franz bei seinem Selbstmord. Karl ballert gleich vier Schüsse auf seine unglückliche Geliebte, ehe er sich selbst die Kugel gibt. Der Beifall war freundlich. Wie gesagt: Euphorie klingt anders. Die nächsten Aufführungen sind am Sonntag sowie am 22. September, Beginn jeweils 18 Uhr.

Alle Rollen sind mit Frauen besetzt. Fotos: Marlène Meyer-Dunker

Alle Rollen sind mit Frauen besetzt. Fotos: Marlène Meyer-Dunker


Text-Nummer: 132903   Autor: TD   vom 14.09.2019 09.18

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