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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 22. Oktober 2019






Ostholstein:

Grömitz: Mysteriöse Erkrankungswelle in Jugendcamp

Es sind Szenen wie in einem schlechten Film. Sanitäter mit Schutzanzügen, Handschuhen an und der Mundschutz fest ans Gesicht gedrückt. Sie alle kümmern sich am Mittwochabend um etwa 200 Jugendliche und deren Betreuer. In dem Jugendcamp Grömitz im Blankwasserweg mussten sich anfangs 15 Jugendliche immer wieder erbrechen. Im späteren Verlauf steigt die Anzahl der Erkrankten auf insgesamt 49 Betroffene. Am Donnerstagmittag mussten nur noch vier Personen behandelt werden.

Die Schulklassen kommen aus dem Großraum Hannover. Der Rettungsdienst ist mit einem Großaufgebot vor Ort und hat eine mobile Zeltstadt aufgebaut, um die Patienten zu isolieren. Was der Auslöser für die Erkrankungswelle mit Erbrechen war, bleibt abzuwarten. Eine Probe wurde vor Ort umgehend dem Gesundheitsamt zugeführt. "Die Ursache dieser Beschwerden ist noch nicht bekannt", so der Kreis am Donnerstagmittag. Der Rettungsdienst und die Feuerwehr sind mit mehr als 100 Einsatzkräften vor Ort.

"Auf dem Gelände vom Jugendcamp wurden die betroffenen Personen getrennt", erklärte der leitende Notarzt Dr. Philip Sauter vom Kreis Ostholstein. Dafür haben die Sanitäter aus Eutin, Süsel, Göhl, Neustadt und sogar Lübeck ein mobiles Krankenhaus auf dem Gelände vom Jugendcamp Grömitz aufgebaut. Nur mit Schutzmaßnahmen darf das Gelände betreten werden. Wer ganz nah am Patienten arbeitet, der muss sich in einen blauen Ganzkörperschutzanzug begeben - mit Mundschutz und Maske. "Wir versuchen das hier abzuarbeiten, damit wir nicht unnötig die Kliniken im Kreis Ostholstein gefährden", sagt Dr. Sauter. Die Jugendlichen sind im Alter zwischen 12 und 17 Jahren.

Auch zwei Lehrkräfte klagen über die gleichen Symptome. Die Erkrankten werden nun durch den Rettungsdienst in den beheizten Zelten versorgt. "Durch das Erbrechen verlieren die Patienten viel Flüssigkeit, deshalb führen wir natürlich hauptsächlich dies zu", erklärt Dr. Philip Sauter. Ein Nachtdienst soll sich nun weiter um die erkrankten Jugendlichen und Lehrkräfte kümmern. Auch Bürgermeister Mark Burmeister macht sich ein Bild vor Ort. "Ich wurde aus einer Sitzung heraus alarmiert und bin sofort hierher geeilt", sagt Burmeister. Die Gemeinde hätte kurzfristig Räumlichkeiten gestellt für mögliche weitere Krankenstationen.

Kurz vor Mitternacht wird den Einsatzkräften dann ein neuer Fall gemeldet. Im Weißenhäuser Strand zeigten ebenfalls sechs Jugendliche die gleichen Symptome wie die Patienten im Jugendcamp. "Diese beiden Schulklassen hatten heute Kontakt miteinander", sagt der leitende Notarzt Dr. Philip Sauter. Die Lehrkräfte wurden angewiesen die Schüler zu isolieren. "Sollte es dort noch mehr Fälle geben, dann werden wir weitere Kräfte alarmieren müssen", erklärt Sauter. Das Gesundheitsamt reiste noch in der Nacht zum neuen Einsatzort und machte sich vor Ort ein Bild der Lage.

Sachstand am Donnerstag gegen 14 Uhr

Die Beschwerden der Betroffenen vor Ort haben sich stabilisiert, keiner der Betroffenen ist schwer erkrankt. Einige der betroffenen Kinder wurden bereits von ihren Eltern abgeholt. Der Fachdienst Gesundheit des Kreises Ostholstein betreibt vor Ort weiterhin das Hygienemanagement und hat die Eltern entsprechend unterrichtet und eingewiesen. Zurzeit sind noch vier Personen von den Beschwerden betroffen, diese werden weiterhin vor Ort durch den Rettungsdienst betreut. Die Rückfahrt in ihre Heimat wird aktuell geplant und organisiert. Die weiteren genesenen Personen werden in Kürze mit Bussen abreisen können.

Der Fachdienst Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit hat Proben genommen, diese werden im Labor ausgewertet. Ein Ergebnis über die Proben ist ab kommenden Montag zu erwarten.

Auch Sanitäter aus Lübeck  sollen vor Ort sein.    Foto: Arne Jappe/Digitalfotografie Nyfeler

Auch Sanitäter aus Lübeck sollen vor Ort sein. Foto: Arne Jappe/Digitalfotografie Nyfeler


Text-Nummer: 133044   Autor: Arne Jappe/DF Nyfeler   vom 19.09.2019 09.35

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