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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Freitag,
der 6. Dezember 2019






Lübeck:

Prozess Detlef H.: Urteil am Donnerstag

Eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, ausgesetzt zwei Jahre zur Bewährung forderte die Staatsanwaltschaft in ihrem abschließenden Plädoyer im Prozess gegen Detlef H., den ehemaligen Leiter des Weißen Rings in Lübeck. Ihm wird eine exhibitionistische Handlung vorgeworfen.

Verteidiger Oliver Dedow plädierte erwartungsgemäß für Freispruch vor dem Hintergrund einer dünnen Beweislage für das Kerngeschehen und die gutachterlich gestützten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussage der Hauptbelastungszeugin Dora M.

Es war 12.08 Uhr, als die Vorsitzende Richterin Andrea Schulz die Beweisaufnahme in diesem komplexen Verfahren abschließen konnte. Vorher hatte sie allerdings noch juristische Schwerstarbeit zu leisten, denn Rechtsanwalt Robert Nieporte aus Trier, der Anwalt der Hauptbelastungszeugin und Nebenklägerin Dora M., hatte noch einen umfangreichen Beweisantrag eingereicht, in dem er die psychiatrische Begutachtung von Detlef H. einforderte. "Er ist psychisch krank", befand Robert Nieporte kategorisch und ließ in seiner Begründung die Einlassungen der Zeuginnen aus den vergangenen Verhandlungstagen noch einmal ausführlich aufleben. Sexsucht und Persönlichkeitsstörung wurden von ihm wahrgenommen, die Erkrankung bestehe nach wie vor, seine Ehefrau, seine Ärzte und sein Urologe müssten vernommen werden und eine eventuelle Medikamentenabhängigkeit und frühkindliche Störungen müssten ebenfalls einer ausführlichen Begutachtung unterzogen werden. Gezieltes Vorgehen gegenüber Opfern, die eigentlich besondere Rücksichtnahme und Empathie erfordert hätten, wurde ihm von der Nebenklage vorgeworfen. Mangelnde Stressbewältigung habe sich in einem Kreislauf aus Verlangen nach Wärme, oberflächlicher Befriedigung und Enttäuschung und Leere in immer intensivere Handlungen gesteigert, über die der Angeklagte am Ende die Kontrolle verloren habe.

Staatsanwältin Magdalena Salska schloss sich dieser Darstellung an, bevor sich die Vorsitzende Richterin zwecks juristischer Bewertung zurückzog. Die Beweisanträge wurden am Ende in ihrer Gesamtheit abgelehnt. Vom Charakter her, wurde befunden, handelt es sich um Beweisermittlungsanträge. Die könnten vom Gericht allenfalls kritisch reflektiert werden, aber nicht entscheidend sein für die Frage von Schuld oder Rechtsfolgenfrage. Mit anderen Worten, noch so tiefe Erörterungen der psychischen Disposition des Angeklagten können letztlich nicht die Frage klären, was in den Abendstunden des 12. April 2016 tatsächlich im Gewerkschaftshaus vorgegangen ist.

Hier können Sie Interview mit Dr. Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, hören:

Und hier mit Verteidiger Oliver Dedow:


Die Nebenklage gab daraufhin eine Beschwerde zu Protokoll, die von der Vorsitzenden Andrea Schulz auf der Grundlage von § 305 StPO ebenfalls zurückgewiesen wurde. Der Prozess konnte danach fortgesetzt werden, denn diese Entscheidung ist nur mit dem noch zu ergehenden Urteil anfechtbar.

Die Verteidigung führte eine weitere Ungereimtheit bezüglich des Auftretens der Hauptbelastungszeugin an. Es wurden seitenweise Kopien von Artikeln aus der Zeitung 'Flensburg Avis' vorgelegt, in denen Dora M. Details ihrer persönlichen Biografie freimütig in der Presse ausgebreitet hatte. Dort hatte sie offensichtlich ihr Familienschicksal mit ihrem Auftritt im Lübecker Prozess in Verbindung gebracht. Im Prozess selbst wurde ihr allerdings wegen besonderer Schutzwürdigkeit ihrer persönlichen Verhältnisse teilweise zugestanden, ihre Aussage unter Ausschluss der Öffentlichkeit abzuleisten. Das fiel auch der Vorsitzenden auf. Vertiefen konnte man die Aspekte allerdings nicht, da die Artikel dem Gericht nur in dänischer Sprache vorlagen.

Wegen der besonderen Schutzwürdigkeit genau dieser und weiterer Sachverhalte wurde die Öffentlichkeit von den Plädoyers dann aber doch wieder ausgeschlossen.

Die Vorsitzende Richterin Andrea Schulz hat nun nach neun Verhandlungstagen die Aufgabe, ein gerechtes Urteil zu finden. Der Prozess hatte viele Aspekte. Was war unangemessen? Was war vorwerfbar? Was war strafrechtlich relevant und so stichhaltig, dass es zur Begründung einer eventuellen Verurteilung reicht? Darum wird es gehen.

Das Urteil im Fall Detlef H., hier mit seinem Anwalt Oliver Dedow, soll am Donnerstag gesprochen werden. Foto, O-Töne Harald Denckmann

Das Urteil im Fall Detlef H., hier mit seinem Anwalt Oliver Dedow, soll am Donnerstag gesprochen werden. Foto, O-Töne Harald Denckmann



Hier hören Sie den Originalton:  

Text-Nummer: 133149   Autor: Harald Denckmann   vom 23.09.2019 17.24

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