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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 22. Oktober 2019






Lübeck:

Gedanken zum Erntedank

Am Sonntag wird in den Kirchen - und um 12 Uhr auf dem Lübecker Markt - das Erntedankfest gefeiert. Pastorin i.R. Ellen Naß erklärt in ihren Gedanken zum Wochenende die Bedeutung des Festes.

Im Sommer besuchten wir in Südengland Laycock Village. Es ist ein Museumsdorf, das aber von ganz normalen Menschen bewohnt wird. Wenn Sie einmal einen britischen historischen Film gesehen haben, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Laycock Village irgendwo als Kulisse in dem Film benutzt wurde.

In der Kirche des Ortes hatte kurz vorher eine Trauerfeier stattgefunden. Die Ordnung dieser Trauerfeier war noch da, und aus beruflichem Interesse sah ich mir sie an. Anscheinend war ein fast 90-jähriger ehemaliger Landwirt bestattet worden.

Auch die Lieder waren abgedruckt, mit ihrem gesamten Text. Ein Lied hatte in der ersten Zeile irgendetwas mit "plough and scatter". Als ich weiter las, stellte ich fest, dass es zwar ein englischer Text war, aber dass ich es trotzdem kannte. Es war eine Übersetzung eines Liedes nach Matthias Claudius. In meiner Zeit als Pastorin in einem Dorf habe ich es häufig zu dem gleichen Anlass singen lassen. An Erntedank wird es in vielen Gottesdiensten gesungen.

Dass uns dieses Erntedanklied so mit anderen Völkern verbindet hat mich tief berührt. Deshalb möchte ich jetzt den ganzen Text wiedergeben.

1) Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Refr.: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!
2) Er sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein,
er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot:
es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.
3) Was nah ist und was ferne, von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne, der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm.
4) Er lässt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf;
er lässt die Winde wehen und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude, er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide und unsern Kindern Brot.

Heute können viele Menschen das so nicht glauben. Wir wissen zu viel über die Entstehung von Wetter und über Landwirtschaft. Der Klimawandel macht uns Angst, wir fragen uns, was wird, wenn es allgemein wärmer wird. Meistens können wir erklären, warum eine Ernte gut oder schlecht oder mittelmäßig ausgefallen ist. Gott kommt in dieser Erklärung nicht vor.

Aber trotz allen Wissens erleben wir immer wieder, dass wir das Wachstum der Pflanzen, den Ertrag der Ernte, nicht berechnen können. Landwirte bemühen sich nach den besten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu säen, zu düngen – oder nicht zu düngen – zu pflegen und zu ernten. Doch es gibt trotzdem dieses Quäntchen Unsicherheit und Ungewissheit – Hitze wie 2018, Nässe oder Kälte oder ein Hagelschauer zur falschen Zeit, die alles Bemühen unsicher sein lassen.

Die Menschen haben immer gewusst, dass trotz aller Bemühungen gute Ernten nicht selbstverständlich sind. Wir sehen es ja manchmal als unser gutes Recht an, genug zu essen zu haben und alles zu jeder Zeit verfügbar zu haben. In England während unseres Urlaubs wurde in den Nachrichten gefragt: "Wenn wir am 31.10. aus der EU mit einem harten Brexit austreten – woher bekommen wir unsere Erdbeeren zu Weihnachten?", als wäre es unser gutes gutes Recht, Ende Dezember ausgerechnet frische Erdbeeren zu essen. Trotzdem ist das genau die Haltung, mit der wir im Moment auch hier in Deutschland leben.

Erntedank und dieses Lied erinnern uns daran, dass nichts selbstverständlich ist, auch mit unseren technischen, chemischen und biologischen Fähigkeiten. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir nicht hungern müssen, und dafür sollten wir dankbar sein. Dafür sollten wir Gott dankbar sein, der seinen Segen für uns auch durch seine Gaben spürbar werden lässt.

Natürlich gibt es in unserer Welt viele Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns. Doch nicht dankbar zu sein für das, was wir haben, ist kein Zeichen von Nächstenliebe, sondern von Undankbarkeit. Menschen, die hungern, sollen wir helfen, und trotzdem dankbar für das sein, was wir haben. Wenn wir sehen, dass es Gott ist, der uns beschenkt, dann öffnet es uns die Augen dafür, dass und wo wir helfen sollen. Deshalb wird in den Gottesdiensten am Erntedanktag immer für "Brot für die Welt" gesammelt, weil beides zusammen gehört, danken und helfen.

Und dann können wir – in Deutschland und in vielen Ländern der Erde – in vielen Sprachen aus vollem Herzen singen: Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

Ellen Naß erinnert an die Bedeutung des Erntedankfestes.

Ellen Naß erinnert an die Bedeutung des Erntedankfestes.


Text-Nummer: 133425   Autor: red.   vom 05.10.2019 10.21

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