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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Donnerstag,
der 17. Oktober 2019






Lübeck:

Tschechows „Drei Schwestern“: Das Leben als Generalprobe?

Anton Tschechow nannte seine Theaterstücke "Komödien". Gespielt wurden sie in den vergangenen hundert Jahren eher als Tragödien, als Dramen über die Unzulänglichkeiten der Welt, über die Unmöglichkeit ehrlicher Beziehungen von Menschen. "Drei Schwestern", das Stück aus dem Jahr 1900, das Ende der vorigen Spielzeit am Theater Lübeck herauskam, ist wieder in den Spielplan aufgenommen. Das Publikum am Sonnabend (5. Oktober) war tief beeindruckt.



Tschechow stellt in seinen Dramen Menschen aus dem Großbürgertum seiner Zeit auf die Bühne. Sie haben eigentlich keine Verantwortung im Leben, könnten bis mittags im Bett liegen, zwei Stunden zum Ankleiden verwenden und dann zum Frühstück gehen. Die Aufgaben, die die drei Schwestern übernommen haben – Lehrerin, Postangestellte – bieten keine Erfüllung.

So philosophieren sie über das Leben: Ist das vielleicht erst die Generalprobe? Kommt das wahre Leben später? Werden in hundert Jahren alle glücklich sein? Ihre Gedanken drehen sich im Kreise. Heute nach mehr als hundert Jahren sind die Fragen nach dem Sinn, nach Erfüllung, nach Liebe womöglich genauso dringend. Deshalb regt das Stück durchaus zum Nachdenken an.

Tschechows Schwestern leben seit zehn Jahren auf dem Land, weit weg von der Hauptstadt, wo sie ihre Jugend verbrachten. Moskau wird zum Sehnsuchtsort, zum Ziel aller Wünsche und Träume. Der Vater wurde zehn Jahre zuvor als Brigadekommandeur in die Provinz versetzt. Er ist gestorben. Die Schwestern und ihr Bruder Andrej sitzen in der Fremde fest.

Die Frauen hoffen auf den Bruder. Er hat Medizin studiert, soll eine Professur bekommen und würde sie mit nach Moskau nehmen. Aber Andrej bekommt die Stellung nicht, verspielt Haus und Hof, heiratet unter seinem Stand. Seine bäuerlich-vitale Braut reißt die Herrschaft an sich. Dazu gibt es weitere Schicksalsschläge. Niemand ist glücklich, allenfalls verliebt, aber nicht in den eigenen Ehepartner. Symbolisch bekommt Irina, die Jüngste, einen Brummkreisel zum 20. Geburtstag, der sich auf der Drehbühne munter weiter im Kreise dreht.

"Wie inszeniert man Langeweile, ohne dass es langweilig wird?" fragte ein Regisseur mit Blick auf Tschechow. Aber dessen "Drei Schwestern" kommen gar nicht langweilig daher. Das hat die aus England stammende Regisseurin der Einstudierung in den Kammerspielen, Lily Sykes, richtig erkannt. Auch bei ihr gibt es wunderbar ausschwingende ruhige Szenen. Aber da tropft nicht dauernd Todessehnsucht aus den Birken, die die Szene in der Ausstattung von Lena Schmid umgeben. "Action" ist angesagt. Man entdeckt fast erstaunt, wieviel Handlung in dem Text steckt. Sehr gut kommen die unterschiedlichen Charaktere der Schwestern heraus. Olga, die Älteste (Astrid Färber), lässt sich zwar von der Pflicht leiten, würde aber schließlich jeden heiraten, um nicht in Einsamkeit zu verblühen. Mascha, die Mittlere (Agnes Mann), wird zwar heiß geliebt, ist dieser Liebe überdrüssig und lässt sich auf einen Seitensprung ein. Irina, das Geburtstagskind (Sophie Pfennigstorf), willigt in eine Ehe ein, "aber Liebe, Liebe ist nicht da!"

Auch Andrej (Vincenz Türpe) wird mit seiner herrschsüchtigen Frau (Rachel Behringer) nicht glücklich. Jan Byl gibt sehr stimmig den eingefleischten Gymnasiallehrer, Matthias Hermann den umtriebigen Oberstleutnant. Will Workman wirft die militärische Karriere weg, meint, als Arbeiter glücklich werden zu können. Jan Schöwer sitzt als Gitarrist in der Ecke. Gesungen wird auch einmal von zwei Darstellern, eine traurige Weise aus Tschaikowskys tragischer Oper "Eugen Onegin".

Und dann sind da noch drei Mädchen als Verkörperung der Jugend. Oder als Symbol: Alles auf Anfang? Nicht zu vergessen die beiden über 80jährigen Dienstboten. Sie waren der Familie lebenslang treu ergeben. Nun will die neue Herrin sie aus dem Haus werfen. Karin Nennemann und Sven Simon statten die Figuren mit Pflichtbewusstsein und Tragik aus.

Es gab herzlichen Applaus. Die nächsten Vorstellungen sind am 18. Oktober sowie am 1. und 17. November.

Das Stück steht seit Samstag wieder auf dem Spielplan des Theaters. Fotos: Kerstin Schomburg

Das Stück steht seit Samstag wieder auf dem Spielplan des Theaters. Fotos: Kerstin Schomburg


Text-Nummer: 133429   Autor: TD   vom 06.10.2019 10.58

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