Please enable JavaScript!
Bitte aktiviere JavaScript!
S'il vous plaît activer JavaScript!
Por favor,activa el JavaScript!
antiblock.org

Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.
HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Montag,
der 9. Dezember 2019






Lübeck:

Große Oper: Christoph Kolumbus als Held und Heiliger

Gewaltiger Aufwand für ein Opernprojekt. Das Schicksal des Amerika-Entdeckers Christoph Kolumbus wollten der Komponist Darius Milhaud und sein Librettist Paul Claudel auf die Bühne bringen. Unter dem französischen Titel "Christophe Colomb" fand die Uraufführung 1930 in Berlin statt. Seither wurde das komplexe Werk selten einstudiert. Lübeck ging unter der Regie von Milo Pablo Momm das Wagnis ein. Bei der Premiere am Sonnabend gab es lang anhaltenden Schlussapplaus.



Milhaud und Claudel machen es weder den Mitwirkenden noch dem Publikum leicht: der fromme Katholik Claudel wegen seiner eigenen Theologie, Milhaud wegen der sehr anspruchsvollen Musik. Gesungen und gesprochen wird Deutsch. Trotzdem braucht man zum Verstehen die Übertitel, die oft durch einen schwarzen Zwischenvorhang schwer zu lesen sind. Aber der Reihe nach.

Faszinierend ist der Beginn. Zum Orchestervorspiel sieht man einen Film in Schwarzweiß. Da öffnen sich die Türen des Lübecker Theaters, führt ein Spaziergang an Unter- und Obertrave entlang zur Völkerkundesammlung. Dass diese reich ausgestattet ist, verdankt sie den Schätzen aus anderen Welten und Kontinenten. Danach wird das erste von 26 Kapiteln aufgeschlagen.

Die Stimme des Erzählers (Mertin Schroedter) klingt deutlich aus den Lautsprechern. Die Geschichte des Abenteurers wird vom Ende her aufgezäumt. Kolumbus sitzt im Gefängnis von Valladolid. Seine Gönnerin, Königin Isabella, ist gestorben. Von ihr hätte er Belohnung erwarten dürfen. König Ferdinand sieht das anders. Er war ohnehin dagegen, dem Habenichts aus Genua Schiffe und Mannschaft zur Verfügung zu stellen.

Fakten mischen sich mit frommer Fantasie. Fakt ist, dass am 2. Januar 1492 der letzte Maurenfürst, der Emir von Granada, den "katholischen Majestäten" Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien die Schlüssel der Alhambra übergeben musste. Fakt ist, dass Kolumbus nach langem Zögern des portugiesischen Königs aus dessen Land nach Spanien floh und sich im Sommer 1492 erfolgreich an die Majestäten wandte, wobei Isabella die treibende Kraft war, um ihm drei Schiffe zur Verfügung zu stellen. Was später geschah, ist kein Ruhmesblatt, weder für Spanien noch für die katholische Kirche.

Beeindruckend und gut ausgedacht ist das Bühnenbild von Erika Hoppe. Auf der Drehscheibe steht ein weißer Kubus, der sich aufklappen lässt. Stufen führen zum Thron in Spanien oder zu karibischen Herrschern. Isabellas Gebetskammer wird herausgefahren. Vom Himmel schwebt der Globus. Die Geschehnisse in der Neuen Welt werden immer wieder als gezeichnetes schwarzweißes Figurentheater auf die hellen Flächen des Kastens projiziert.

Der große Chor, von Jan-Michael Krüger einstudiert, agiert als schemenhaft handelnde Masse im Halbdunkel. Symbolträchtig die Einfälle von Regisseur und Choreograph Milo Pablo Momm, etwa wenn Porträts der Darsteller in Großaufnahme zu sehen sind, und aus ihren Augen das Blut der Gemordeten rinnt. Immer wieder fliegt die Taube als religiöses Symbol heran. Zum Schluss wird Kolumbus ans Kreuz geschlagen, nachdem er vorher, auf einem Esel reitend, zum Kerker aufbrach. Bei Claudel wird er zum Heiligen hochstilisiert.

Großes mussten die Solisten leisten. Johan Hyunbong Choi ist ein kraftvoller Titelheld, Gerard Quinn sein alt gewordenes Spiegelbild. Evmorfia Metaxaki als Königin wird in höchste Höhen geführt. Daniel Jenz schlägt sich hervorragend in mehreren Rollen. Andreas Wolf entfacht mit den Philharmonikern immer wieder mitreißende Klangbilder.

Wie gesagt: Rauschender Schlussapplaus, auch wenn man nicht mit jedem Detail der Interpretation einverstanden sein muss. Zu Beginn war Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein vor den Vorhang getreten. Sie erinnerte an die Geschehnisse von Halle, mit dessen Theater Lübeck zusammenarbeitet. Sie bat um einen Moment gedenkenden Schweigens, bevor das große Welttheater begann. Die nächste Aufführung ist am 18. Oktober, Beginn 19.30 Uhr.

Bei der Premiere am Samstagabend gab es für die Inszenierung viel Beifall. Fotos: Jochen Quast

Bei der Premiere am Samstagabend gab es für die Inszenierung viel Beifall. Fotos: Jochen Quast


Text-Nummer: 133604   Autor: TD   vom 13.10.2019 08.59

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über Kontaktformular

Text ausdrucken. +++ Text ohne Bilder ausdrucken.


HL-live.de Flohmarkt

Nachrichten:
Polizei & Feuerwehr
Stadtgeschehen
Politik
Kultur & Theater
Wirtschaft
Sport
Veranstaltungskalender

Service:
Adventskalender
Flohmarkt
Wetter
Notdienste
Stadtplan
Archiv
RSS und App
Newsletter

Werbung

Kontakt:
Meldung schicken
Veranstaltungs-Tipp
Impressum
Nutzungsbedingungen
Datenschutz








Zur Ansicht für Mobiltelefone wechseln.