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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 11. August 2019






Lübeck:

Engel in Amerika: Glamourwelt und Todesangst am Theater

Archiv - 15.11.2019, 08.52 Uhr: Die USA in den 1980er Jahren. Der republikanische Präsident Ronald Reagan ist wiedergewählt worden. Erzkonservative Juristen haben die Mehrheit in den obersten Gerichten. Da taucht ein neues Stichwort auf und verändert die Gesellschaft: Aids! Der amerikanische Autor Tony Kushner, Jahrgang 1956, hat Anfang der neunziger Jahre darüber ein Stück geschrieben: "Engel in Amerika". Das Lübecker Theater setzte die Gesellschaftsanalyse von damals jetzt auf den Spielplan.



Aids: Der Wissenschaftsredakteur einer holsteinischen Zeitung lachte damals – eine Erfindung für das nachrichtenarme Sommerloch. Erst als von Toten und der Hilflosigkeit der Medizin berichtet werden musste, war klar, dass es sich nicht um ein Thema für die Saure-Gurken-Zeit im Sommer handelte. Tony Kushner rückte die Problematik auf den Leib, als 1985 ein Freund an der Krankheit starb.

Regisseur Marco Storman sieht den Text natürlich heute im Abstand von fast drei Jahrzehnten. Aids galt als Krankheit, die nur Homosexuelle treffen könne. Die rechtliche Lage der Schwulen hat sich in etlichen Ländern geändert. Aber sind die Menschen wirklich toleranter geworden? Sind Ausgrenzung und Vorurteile ausgerottet? Das sind Fragen, die die Inszenierung heute stellt.

Anspielungen auf die gegenwärtige Lage der USA sind kaum zufällig. Eine Figur des Stückes, der gerissene Rechtsanwalt Roy, ist als Person zu identifizieren. Rechtsanwalt Roy Cohn war Donald Trumps Anwalt fürs Grobe. Trump zog mit ihm durch die Clubs. Als sich herausstellte, dass Cohn Aids hatte, ließ er ihn fallen. Cohn sagte seiner Umgebung, er leide an Lungenkrebs. Robert Brandt spielt diesen Anwalt in Lübeck mit vielen Facetten, oft im Fummel (Kostüme: Sara Kittelmann).

Regisseur Storman erweitert das Thema, untersucht menschliche Beziehungen generell, analysiert das Verhalten gegenüber "Anderen". In einem kurzweiligen Monolog schildert der schwule Louis zu Beginn des zweiten Teils Unterschiede zwischen Rassismus und Hass in den USA und in Europa. Heiner Kock ist als Louis ein Beispiel der Zerrissenheit schwuler Männer. Seinen aidskranken Freund Prior hat er verlassen, nähert sich mit schlechtem Gewissen einem anderen Mann.

Stormans Lübecker Show beginnt in einer glitzernden Zirkuswelt. Bühnenbildner Michael Köpke setzt einen drehbaren Glaskasten auf die Szene. Als Zirkusdirektor, Kommentator und Sängerin im Glitzeranzug setzt Astrid Färber die Glamourwelt in Gang. Im zweiten Teil wird sie zum Todesengel, in dessen Armen Rechtsanwalt Roy sein Leben aushaucht. "Herr Lüg" ist ihr Bühnenname.

Als schwules Paar werden Prior (Will Workman) und Louis in den Mittelpunkt gerückt. Will Workman, von seinem nahen Tod überzeugt, pendelt zwischen Sarkasmus und Galgenhumor. Als angeblich normales Paar treten Harper (Stephanie Schadeweg) und Joe (Peter Elter) auf. Sie sind Mormonen, wodurch religiöse Aspekte hinzukommen. Ehefrau Harper ist tablettensüchtig. Joe entdeckt unter Gewissensbissen seinen Hang zum Mann. Beide Darsteller spielen das von grell bis zart.

Die Glasbox der ersten Hälfte ist ein "Traumraum", sagte der Regisseur in einem Interview. Für unvorbereitete Zuschauer ist das Personenkarussell möglicherweise am Anfang verwirrend. Nach der Pause auf offener Bühne wird es sehr dicht, weil die Zusammenhänge klar sind. Will Workman schwebt dann als geflügeltes Wesen über der Bühne. Schon im Himmel oder doch ein Hinweis auf Erlösung?

Großen Anteil am Erfolg hat der Musiker Thomas Seher, der das Spiel mit elektronischen Klängen unterlegt und die Songs von Astrid Färber begleitet. Bei der Vorstellung am Donnerstag (14. November) spendete das Publikum starken Beifall. Die nächste Aufführung ist Freitag, 22. November, um 20 Uhr.

Die aktuelle Produktion am Theater analysiert die Gesellschaft in den 1990er Jahren. Fotos: Falk von Traubenberg

Die aktuelle Produktion am Theater analysiert die Gesellschaft in den 1990er Jahren. Fotos: Falk von Traubenberg


Text-Nummer: 134410   Autor: TD   vom 15.11.2019 08.52

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