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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Sonnabend,
der 7. Dezember 2019






Lübeck:

Diskussion um Atomschutt und Deponie Niemark

Großer Auflauf am Donnerstagabend bei der Fraktionssitzung der Lübecker Grünen im Mittelsaal des Rathauses. Mit Professor Dr. Dr. Jan Backmann hatte die Landesregierung gleich ihren obersten Fachmann für radioaktive Stoffe im Lande aufgeboten.



Backmann ist Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit und Strahlenschutz im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung. Es ging um eine in Lübeck zurzeit heiß diskutierte Frage. Ist die Einlagerung von sehr gering radioaktiv belasteten Bauschutt aus dem Rückbau von Atomkraftwerken auf der Lübecker Deponie Niemark verantwortbar?

Hintergrund der politischen Aktivitäten ist ein Antrag in der kommenden Bürgerschaftssitzung, der eine Verbringung derartiger Stoffe auf die Lübecker Deponie abwenden will. Da die großen Fraktionen das unterstützen, ist eine Mehrheit für diesen Antrag wahrscheinlich. Das würde die Regierung in Bedrängnis bringen, denn irgendwo müssen die Materialen fachgerecht gelagert werden, und Bürgerproteste würde es überall geben.

"Es sind weder hoch, mittel und auch nicht leicht radioaktive Stoffe, die hier zur Debatte stehen, sondern rechtlich nicht radioaktive Abfälle", warb Prof. Backmann für ein Einlenken der Lübecker in dieser Frage. "Rechtlich nicht radioativ", begründet sich dabei aus der Tatsache, dass man einen Schwellenwert von 10 Mikrosievert als tolerierbaren Grenzwert für derartiges Atomgut festgelegt hat. "Rein willkürliche Festlegung", hieß es dazu von Ole Eggers, Landesgeschäftsführer des BUND, der ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten wurde. Ob auch diese geringe Dosis unter Umständen gefährlich für die Bevölkerung ist, ist auch unter Ärzten, die sich mit Auswirkungen auch geringer Strahlung auf den menschlichen Organismus befassen, höchst umstritten. Eggers riet daher zu höchster Vorsicht mit dem strahlenden Material.

Aufmerksame Zuhörer waren Jan Dirk Verwey und sein führender Mitarbeiter Manfred Rehberg von den Lübecker Entsorgungsbetrieben. Ihre Mitarbeiter müssten schließlich im Ernstfall die fachgerechte Entsorgung des Baumaterials organisieren und dabei dem Schutz ihrer eigenen Mitarbeiter höchste Priorität einräumen. Von den Anwesenden besonders kritisch hinterfragt wurde die Zusammensetzung des anzuliefernden Materials. Zahlreiche anwesende Aktivisten, die schon seit den Tagen der DDR-Deponie Schönberg dabei waren, waren in der Vergangenheit immer damit befasst, dass kritisches Material unter harmloses gemischt wurde und durch dieses sogenannte 'Verschneiden' der Grenzwert für die Gesamtmenge gehalten werden konnte. "Absolut ungesetzlich", nahm Prof. Backmann gleich Stellung. "Das hat kriminelle Abfallunternehmer bisher nie abgehalten", wurde am Rande geraunt, denn man war schließlich schon dabei als vor Jahren erfolgreich verhindert wurde, dass Abfälle aus Neapel von Lübeck angenommen wurden.

Erstaunlich waren Ruhe und das Bemühen um Sachlichkeit bei der Debatte an diesem Abend. Irgendwann brachte Thorsten Fürter auf den Punkt was alle dachten. Viele hatten in den 80er Jahren den berühmten "Atomkraft - Nein Danke" Aufkleber auf ihren Fahrzeugen. Dafür wurden sie beschimpft, haben sich auf Demonstrationen verprügeln lassen und von den Atomkraft Befürwortern wurden sie als Totengräber der modernen Industriegesellschaft bezeichnet.

Jetzt bemühen sich die Grünen um staatspolitische Verantwortung. Ihr Minister ist mit dem verstrahlten Müll konfrontiert, den diejenigen produziert haben, die die Atomkraft immer für "verantwortbar" gehalten und befürwortet haben. Diese Parteien rufen aber jetzt "Kein Strahlenmüll nach Lübeck", am besten noch "Hände weg von Niemark". Das Ganze wirkt auf den unbefangenen Betrachter wie Satire, wenn es nicht so ernst wäre. Irgendwo muss der Müll schließlich hin.

Im O-Ton unterhalb des Bildes hören Sie Interviews von Harald Denckmann mit Professor Dr. Dr. Jan Backmann, Ole Eggers, Landesgeschäftsführer des BUND, und Dr. Jan Dirk Verwey, Leiter der Entsorgungsbetriebe Lübeck.

Professor Dr. Dr. Jan Backmann, zuständiger Abteilungsleiter im Umweltministerium, erläuterte die Sicht der Landesregierung. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Professor Dr. Dr. Jan Backmann, zuständiger Abteilungsleiter im Umweltministerium, erläuterte die Sicht der Landesregierung. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann



Hier hören Sie den Originalton:  

Text-Nummer: 134426   Autor: Harald Denckmann   vom 15.11.2019 14.38

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