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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Sonnabend,
der 14. Dezember 2019






Lübeck - St. Lorenz Nord:

Inklusion: Haus am Tremser Teich erhält Zertifikat

Seit vier Jahren vergibt die Agentur für Arbeit ein Inklusionszertifikat. Damit möchte sie auf die Potenziale von Menschen mit einer Einschränkung aufmerksam machen und Unternehmen auszeichnen, für die Teilhabe am Arbeitsleben eine Selbstverständlichkeit ist. Gewürdigt wurde jetzt das Haus am Tremser Teich des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein e.V. aus Lübeck.

"Unternehmen können heute nur zukunftsfähig sein, wenn sie die Vielfalt der Menschen nutzen. Bei der Personalauswahl sollten sie sich nicht von Defiziten abschrecken lassen und stattdessen die Stärken sehen. Richtig eingesetzt können Menschen mit einer Einschränkung ein Gewinn für das Unternehmen sein und dazu beitragen, den Fachkräftebedarf zu decken. Lassen Sie sich von diesen guten Beispielen motivieren", appelliert Steffi Koppitz, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Lübeck, an Unternehmen.

Gelebte Inklusion ist für das Haus am Tremser Teich des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein e.V. aus Lübeck alltäglich. Die in der Einrichtung lebenden Menschen beziehungsweise ihre Vertreter entscheiden bei den Einstellungen mit. Sie haben oft selber Einschränkungen und achten eher darauf, welche Talente jemand mitbringt und nicht wo die Schwächen liegen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass zum Beispiel autistische und sehbehinderte Menschen oder Mitarbeitende mit Tourette-Syndrom in der Vergangenheit eine Chance bekommen haben.

"Wir haben einen neutralen Blick auf die Bewerberinnen und Bewerber. Jeder kann etwas. Man muss nur gewillt sein, das zu entdecken. Manchmal ist dafür eine längere Einarbeitung und Begleitung erforderlich. Diesen hohen Mehraufwand unterstützen die Arbeitsagentur und das Jobcenter mit einem Zuschuss", berichtet Einrichtungsleiterin Doris Gallinat.

Diese Unterstützung erhält auch Carla Höppner. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie sich mit 56 Jahren neu orientierten. Da sie gerne mit Menschen arbeitet, absolvierte sie eine Weiterbildung zur Betreuungskraft und Alltagsbegleiterin. Fehlende Berufspraxis, Alter und gesundheitliche Einschränkungen machten die Beschäftigungssuche nicht gerade einfach. Beim Haus am Tremser Teich konnte Carla Höppner mit ihrer Arbeitsmotivation punkten und wurde am 1. Juli 2019 eingestellt. "Die Arbeit macht mir Spaß. Ich lese den Bewohnerinnen und Bewohnern vor, mache Kopffitrunden oder Gymnastik mit ihnen. Es ist schön, mit ihnen Gespräche zu führen und auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können", erzählt sie.

Die Vorstandsmitglieder sind selbst blind und sehbehindert und lassen sich somit nicht von Äußerlichkeiten leiten. Wichtig ist das gegenseitige Verständnis für die Individualität des Einzelnen. Wenn es Schwierigkeiten gibt oder jemand etwas nicht kann, werden pragmatische Lösungen gesucht. Die älteste Mitarbeiterin ist 84 Jahre, die sich etwas dazu verdienen muss.

In der Einrichtung sind 80 Mitarbeitende tätig, hierbei wird der gewünschte Anteil der Beschäftigten mit einem Grad der Behinderung weit überschritten. Sie versorgen hilfebedürftige Menschen aller Altersgruppen, aller Pflegestufen und aller Krankheitsbilder; insbesondere auch die Betreuung demenziell erkrankter Menschen sowie von Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit. Das Haus am Tremser Teich ist landesweit die einzige Einrichtung des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein e.V., die die fachliche Betreuung für blinde und sehbehinderte Menschen anbietet.

Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen

In der Hansestadt Lübeck waren davon Ende Oktober 2019 400 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Obwohl ihre Zahl in den letzten fünf Jahren zurückging, profitieren sie nicht so stark vom Rückgang wie alle Arbeitslosen. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen ist von 4,8 Prozent auf 5,0 Prozent gestiegen. Rund 67 Prozent dieser Arbeitslosen werden vom Jobcenter Lübeck und 33 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.

Elisabeth-Ursel Bärthel freut sich, dass Carla Höppner ihr vorliest. Foto: Agentur für Arbeit

Elisabeth-Ursel Bärthel freut sich, dass Carla Höppner ihr vorliest. Foto: Agentur für Arbeit


Text-Nummer: 134690   Autor: Agentur für Arbeit/red.   vom 26.11.2019 19.09

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