Please enable JavaScript!
Bitte aktiviere JavaScript!
S'il vous plaît activer JavaScript!
Por favor,activa el JavaScript!
antiblock.org

Diese Seite verwendet Cookies für die Funktionalität und für anonymisierte Statistiken.
Stimmen Sie auch der Verwendung von Cookies durch Drittanbieter auf dieser Website für die Schaltung von personalsierter Werbung zu? Weitere Informationen
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit auf der Seite Impressum / Datenschutz widerrufen.
Dort finden Sie auch weitere Informationen zu Cookies.
HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 10. Dezember 2019






Lübeck:

Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“: Einsame Menschen

"Vor Sonnenaufgang von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann": So lautet der Titel der jüngsten Theaterproduktion in den Lübecker Kammerspielen. Aus Hauptmanns Sozialdrama hat der Österreicher Palmetshofer Personen und Themen ausgewählt und in die Gegenwart transportiert. Mirja Biel inszenierte das neue Stück vom Jahre 2017 in Lübeck. Das Ergebnis wurde nach der Premiere am Sonnabend engagiert diskutiert.



Gerhart Hauptmanns Original gilt als erstes Beispiel des Naturalismus in Deutschland. Die Berliner Uraufführung am 20. Oktober 1889, vom "Verein Freie Bühne" um 12 Uhr mittags als geschlossene Vorstellung organisiert, löste einen Skandal aus. Seinerzeit ging es vor allem um die Probleme von Bergleuten, die für einen Hungerlohn in den Kohlengruben schufteten, während die reich gewordenen Bauern nicht wussten, was sie mit sich und dem Geldsegen anfangen sollten.

Die einstigen Fragen des Proletariats sind bei uns weitgehend gelöst. Es gibt soziale Netze und Sicherungssysteme. Ewald Palmetshofer greift ein Problem auf, das auch bei Hauptmann vorkommt, den ständigen Konsum von Alkohol. Im Kern aber geht es um den Konflikt zwischen zwei ehemaligen Studienfreunden und ihre Entwicklung.

Thomas Hoffmann ist ins bürgerliche Lager gewechselt, hat in eine reiche Fabrikantenfamilie geheiratet. Seine Frau Martha erwartet den Stammhalter. Wie zufällig schaut Studienfreund Alfred Loth vorbei, der als Journalist bei einem linken Wochenblatt den Idealen von einst huldigt. Aber nicht nur die Freunde, alle Menschen in diesem Stück sind auseinander gedriftet.

Glücklich ist niemand, auch wenn Loth mit Helene, der jüngeren Schwester der Schwangeren, eine Liebesnacht verbringt. Ein Ringkampf mit Worten entsteht, in dem die Freunde sich populistische Angepasstheit beziehungsweise verantwortungslose Sozialschwärmerei vorwerfen. Dazu knallen permanent die Sektkorken, und anders als bei Hauptmann saufen Helene und Alfred kräftig mit. Was aus den Beiden wird, bleibt in dieser Fassung unerwähnt. Beim Ehepaar Hoffmann aber naht die Katastrophe.

"Here comes the Sun" singen die Protagonisten in der Inszenierung von Mirja Biel am Anfang und am Ende. Schließlich heißt das Stück "Vor Sonnenaufgang". Dazwischen singt immer wieder Daliah Lavi, und die Musik (Zusammenstellung Stella Sommer) verdichtet manche Szene. Die Regie wendet einen "Trick" an. Selbst wenn die Figuren im Hintergrund agieren, werden einzelne Gesichter auf einer gelegentlich herabfahrenden Leinwand gespiegelt. Intimität gibt es nicht. Alles kommt ans Licht.

Zur Geburt hämmert und pfeift es durchs Gemäuer, und die Niederkunft erfolgt in einem dichten Regen; so wie vorher ein Goldregen über der Familie niederrieselte. Fürs "Healthy Happy Baby" werden Geschenkkisten geliefert. Die schwarzen Luftballons, die daraus hervorquellen, passen zur Totgeburt. "Einsame Menschen" heißt ein weiteres Stück von Gerhart Hauptmann. Auch hier sind alle einsam.

Das Darstellerseptett spricht intensiv, und auch Pausen bekommen ihren Sinn. Jan Byl als Geschäftsmann und Politiker ist zynisch in seiner Analyse. Henning Sembritzki bietet als linker Utopist Paroli. Rachel Behringer kann ihre Launen mit der Schwangerschaft begründen. Lilly Gropper als Helene sehnt sich nach Abenteuer oder Liebe. Sven Simon als Landarzt sahnt ab, weil er einen anderen Sinn nicht findet. Johanna Falckner und Andreas Hutzel sind das Ehepaar, das sich der Resignation oder dem Suff hingibt.

Das Stück nahm, je weiter der Abend fortschritt, an Spannung und Dichte zu, so dass das Publikum die Darstellers und das Team mit herzlichem Beifall verabschiedete. Die nächsten Vorstellungen sind am 3. Dezember (20 Uhr) und am 15. Dezember (16 Uhr).

Die Inszenierung sorgt für Diskussionen. Fotos: Kerstin Schomburg

Die Inszenierung sorgt für Diskussionen. Fotos: Kerstin Schomburg


Text-Nummer: 134798   Autor: TD   vom 01.12.2019 09.05

Text teilen: auf facebook +++ auf Twitter +++ über Kontaktformular

Text ausdrucken. +++ Text ohne Bilder ausdrucken.

Text kommentieren.

HL-live.de Flohmarkt

Nachrichten:
Polizei & Feuerwehr
Stadtgeschehen
Politik
Kultur & Theater
Wirtschaft
Sport
Veranstaltungskalender

Service:
Adventskalender
Flohmarkt
Wetter
Notdienste
Stadtplan
Archiv
RSS und App
Newsletter

Werbung

Kontakt:
Meldung schicken
Veranstaltungs-Tipp
Impressum
Nutzungsbedingungen
Datenschutz








Zur Ansicht für Mobiltelefone wechseln.