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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Donnerstag,
der 23. Januar 2019






Lübeck:

HL persönlich: Schauspieler Erich Ponto zum 135. Geburtstag

Im Mittelrangfoyer des Stadttheaters steht eine Büste von Schauspieler, Generalintendant und Filmstar Erich Ponto. Viele Besucher wissen nicht, warum hier an ihn erinnert wird. Er war Lübecker, wurde vor 135 Jahren, am 14. Dezember 1884 geboren. "Ponto am Markt" hieß das Geschäft seiner Eltern und Großeltern, eine Manufakturwarenhandlung, die mit Aufkommen von Kaufhäusern schließen musste.

Spuren Erich Pontos in Lübeck findet man kaum. Trotzdem haben viele Menschen Erinnerungen an ihn, denn er hat in 78 Filmen mitgewirkt, zum Beispiel als Professo Schnauz in der "Feuerzangenbowle" mit Heinz Rühmann. An Erich Ponto erinnerte 1987, zum 30. Todestag, das Lübecker Theater. Pontos Tochter Eva und sein Enkel Manoel waren Ehrengäste.

Die Eltern waren nach dem Verlust des Geschäftes nach Hamburg gezogen, lebten in Eimsbüttel. Wenn Erich zur Schule ging, musste er eine Landesgrenze überschreiten. Eimsbüttel gehörte zur Hansestadt Hamburg. Die Schule war im preußischen Altona. Der Grund für den täglichen Grenzgang: In Preußen war das Schulgeld niedriger als in Hamburg.

Als Erich zehn Jahre alt war, starb der Vater. Die Mutter und ein bestellter Vormund beschlossen, dass der Junge Apotheker werden sollte. Die Lehre und ein Pharmazie-Studium absolvierte er. Sein Wunsch aber war, Schauspieler zu werden. Dass er dazu ungeeignet schien, störte seine Träume nicht.

Erich Ponto war das Gegenteil eines jugendlichen Helden oder Naturburschen, wie entsprechende Theaterfächer hießen. Er war zierlich, der Kopf viel zu groß für den kleinen Körper, die langen Arme schlenkerten am Leib. „Du hast alles in der Stimme“, sagte einer seiner Lehrer. Handwerkliches Rüstzeug holte er sich bei kleinen Bühnen: „Es kommt nicht darauf an, wo du anfängst, sondern wo du aufhörst!“

Die Wende brachte eine Einladung nach Dresden. 33 Jahre war er Star des Staatsschauspiels, schaffte es sogar zum Generalintendanten. Auch der Film kam. Da meistens in Berlin gedreht wurde, kannte er den D-Zug-Fahrplan Berlin – Dresden auswendig. Nie fiel in Dresden eine Vorstellung mit ihm aus. In Berlin wurden ihm auch Rollen am Theater angeboten. Ponto blieb seinem Elb-Florenz treu.

Eine Ausnahme gab es. Erich Ponto spielte eine Hauptrolle in der Uraufführung von Bert Brechts „Dreigroschenoper“. Da von dieser Aufführung aus dem Herbst 1928 Tonbandaufnahmen existieren, kann man ihn die Songs des Bettlerkönigs Peachum singen hören. In Dresden erlebte er den Bombenangriff vom 13. Februar 1945. Sein Haus wurde getroffen. Ponto stieg aufs Dach, um zu löschen, konnte nicht mehr zurück, weil das Treppenhaus in Flammen stand. An der Dachrinne hangelte er sich auf die Straße, halb ohnmächtig, mit brennender Kleidung.

Im Laufe seiner Karriere hat Ponto in 300 Stücken auf der Bühne gestanden. Die Zahl der Rollen ist weitaus höher, weil er mit den Stücken älter wurde. In Goethes „Faust“ war er zunächst Handwerksbursche, stieg zum Famulus Wagner, schließlich zum gefeierten Mephisto auf. Natürlich wollte die DDR ihn übernehmen. Ponto mochte sich den Bedingungen nicht unterwerfen. Er ging nach Stuttgart.

Ruhestand kannte er nicht. Er wollte an seinem letzten Tag noch eine schöne Rolle spielen und dann zufrieden von der Weltbühne abtreten. Fast wäre es so gekommen, obwohl ihn im Alter eine schreckliche Arthritis plagte. Die Schmerzen waren oft so stark, dass er kaum die Straßenbahn erklimmen konnte. Mit Schmerzmitteln machte er sich für den Auftritt fit.

Die Beweglichkeit war dahin. Aber er hatte ja alles in der Stimme. Jede Silbe, jeder Buchstabe bekam Bedeutung. Zuletzt spielte er abwechselnd den Nathan und den Shylock aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“; fast bis zum Todestag. Enkel Manoel ist Schauspieler geworden. Er seufzt unter dem Erbe: „Bist du gut, sagen die Leute: Kein Wunder, bei dem Großvater! Bist du schlecht, sagen sie: Das wundert mich aber, bei dem Großvater!“ 1977 war der Name Ponto tagelang in den Schlagzeilen. Der von der RAF ermordete Bankier Jürgen Ponto war Erichs Neffe.

Die Büste im Stadttheater erinnert an den gebürtigen Lübecker Erich Ponto. Foto: TD

Die Büste im Stadttheater erinnert an den gebürtigen Lübecker Erich Ponto. Foto: TD


Text-Nummer: 135108   Autor: TD   vom 14.12.2019 14.02

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