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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Mittwoch,
der 29. Januar 2019






Lübeck - Innenstadt:

HL historisch: 60 Jahre St. Marien – Auferstanden aus Ruinen

Das Datum wird in der Stadt nicht groß gefeiert. Da jedoch ältere Mitbürger es erlebt haben können, sei daran erinnert. Am 4. Advent 1959, vor 60 Jahren also, wurde die Marienkirche und insbesondere der neu gestaltete Chorbereich wieder in Dienst genommen und von Lübecks Bischof Heinrich Meyer geweiht. Allerdings fiel damals der 4. Advent nicht auf den 22., sondern auf den 20. Dezember.


Vor zwei Jahren erinnerte eine Ausstellung an die Zerstörung und den anschließenden Aufbau von St. Marien. Foto: JW/Archiv

Der Bischof predigte über einen Text aus dem Propheten Jesaja vom Wiederaufbau Jerusalems nach der Zerstörung durch die Babylonier und verglich das mit Lübeck. Natürlich war die Freude groß, denn ob die ausgebrannte und stark beschädigte gotische Kirche zu retten sein würde, war gegen Ende des Krieges durchaus fraglich.

Später Geborene können sich kein Bild vom Grad der Zerstörung machen. Zeitweise durften nur Freiwillige und Ledige auf die Gerüste in St. Marien. Auch einen Architekten zu finden, der die komplizierte Wiederaufbauarbeit organisieren und leiten würde, war nicht einfach. Die Aufgabe war zu groß, der Ausgang ungewiss.

Die Erinnerung an die Bombennacht vom 28. auf den 29. März 1942 wird hochgehalten. Aber kaum jemand kennt die Einzelheiten, die danach folgten. St. Marien, St. Petri und der Dom waren Ruinen, und nicht nur St. Petri wäre um ein Haar abgerissen worden. Die freistehenden Mauern drohten, sich flachzulegen. Bei heftigem Wintersturm hätten sie Passanten erschlagen können.

Dass es um die Marienkirche keinen Deut besser stand, ist in Vergessenheit geraten. Fünf Jahre nach der Brandkatastrophe, Anfang 1947, ergaben Messungen, dass die Wände ohne den Halt von Gewölben und Dächern bereits 70 bis 80 Zentimeter auseinander gedrückt worden waren. Größte Eile war geboten.

Obwohl damals durch die große Zahl ostdeutscher Flüchtlinge überall Wohnungsnot herrschte, fand sich kaum jemand, der dagegen gewesen wäre, St. Marien vor dem Verfall zu retten. So heißt es jedenfalls in einem Bericht. Die Schwierigkeiten sind heute unvorstellbar.

Man konnte nicht einfach in einen Baumarkt gehen, um Material zu kaufen. Überall herrschten Mangel und Zwangsbewirtschaftung. Zuständig für Sondergenehmigungen war die Militärregierung. Vieles musste "kompensiert", das heißt, durch Tausch besorgt werden. Nach der Währungsreform von 1948 änderte sich zwar manches. Aber die Probleme lagen in jedem Detail.

Das Mittelschiff von St. Marien sollte durch starke Zuganker stabilisiert werden, die in den Mauerresten befestigt werden mussten. 18 solcher Anker, so sagten die Bauleiter, würden benötigt, und zwar in einer Stärke von 50 Millimeter. Durch die Demontage der deutschen Industrie konnte man in Deutschland aber nur Stahlanker bis 30 Millimeter Stärke fertigen.

Es gab ein einziges Werk, das mit Sondergenehmigung helfen konnte, in Peine in Niedersachsen. Als mit Sonderzuteilung von Stahl die 40 Meter langen Anker gegossen waren, gab es keine Eisenbahnwaggons, die sie transportieren konnten. Auch hier waren Verhandlungen und die Hilfe von einflussreichen Freunden nötig. Die Bahnverwaltung hatte geantwortet, der Transport von Kartoffeln und Kohlen sei wichtiger.

Für Gerüste und Arbeitstribünen wurde Holz benötigt, viel Holz. Die Genehmigungen lagen irgendwann vor. Aber in den zugewiesenen Wäldern bei Lübeck gab es keine Bäume mehr. Sie waren im Krieg und in den kalten Nachkriegswintern verheizt worden. Hoch oben, unter Resten von Gewölben und an Strebepfeilern wurden Schäden entdeckt, die vorher nicht bekannt waren.

Es grenzt ans Wunderbare, dass St. Marien dennoch gerettet werden konnte. Erste Gottesdienste im Langhaus hatte man schon 1951 zur 700-Jahrfeier des Baubeginns der gotischen Kirche gefeiert, inmitten von Gerüsten und bei Zugluft, da Fenster noch fehlten. Die Gottesdienste waren verlegt worden, unter anderem in die Katharinenkirche. Nach heftigen Diskussionen einigten sich die Gremien über die Gestaltung des Chores, des Ostteils der Kirche. Umgesetzt wurde das Konzept von Professor Denis Boniver aus Düsseldorf, an das sich die Lübecker Öffentlichkeit inzwischen gewöhnt hat. Fertig aber sind Bauwerke wie St. Marien oder der Dom im Grunde nie, und auch jetzt sind wieder Teile eingerüstet.

St. Marien mit dem Gründerviertel im Jahr 1942. Foto: Archiv

St. Marien mit dem Gründerviertel im Jahr 1942. Foto: Archiv


Text-Nummer: 135231   Autor: TD   vom 20.12.2019 15.28

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