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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 18. Februar 2020






Lübeck:

Montezuma: Lübecker Opern-Erstaufführung nach 265 Jahren

Montezuma, Oper von Friedrich II, König von Preußen, Musik von Carl Heinrich Graun. Selbst Opernfreunde geben zu: Nie gehört. Denn nach der Uraufführung vom Januar 1755 am preußischen Hoftheater wurde das Werk kaum je gespielt. Zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen wurde die Oper 2012 in Berlin und Potsdam wieder auf die Bühne gebracht. Jetzt kann man sie in Lübeck kennenlernen.

Das putzt doch ungemein: Ein König schreibt ein Operntextbuch. Friedrich war musikalisch, blies die Flöte. Er holte Carl Heinrich Graun als Komponisten und Kapellmeister an seinen Hof. Graun, Zeitgenosse Händels und Bachs, wurde sogar nach Italien geschickt, um dort die neueste Entwicklung auf dem Gebiet der Oper zu studieren.



Friedrich hat eine Geschichte um Montezuma geschrieben, den Kaiser der Azteken in Mexiko, der den spanischen Eroberern unter Hérnan Cortés vertraut und betrogen wird. Cortés in seiner Macht- und Goldgier lässt Montezuma und sein Volk brutal abschlachten. Angeblich wollte Friedrich warnen, etwa nach dem Motto: Vertrauen ist gut, aufrüsten besser. Ein Jahr nach der Uraufführung der Oper schlug er los, um Schlesien zu erobern.

Regisseur Ingo Kerkhof wollte nicht nur die Ereignisse in Mexiko auf die Bühne bringen. Er lässt Friedrich II mitspielen, und zwar dreifach, als Kind, als Prinz und als Herrscher. Er fügt zusätzlich Texte von Heiner Müller, von Voltaire und auch vom Preußenkönig ein. Die Handlung wird der Einfachheit halber von Lateinamerika nach Preußen verlegt. Offenbar in die Nähe eines Sees, denn Bühnenbildnerin Anne Neuser hat eine üppige Schilflandschaft auf die Szene gestellt. Wer die Geschichte Preußens kennt, versteht manche Züge der zusätzlichen Handlung auf Anhieb. Aber das gilt nicht für jeden im Saal. So gab es intensive Fragespiele in der Pause: Wer war der Soldatenkönig? Und was hat es mit Leutnant Katte auf sich? Der Freund des Prinzen wird vom König zum Exempel vor den Augen des Sohnes hingerichtet.



Dass die preußischen Einschübe mit Rückblenden versehen sind, dass aus dem König wieder der Prinz wird, erschwert das Verstehen auf den ersten Blick. Aber trotz allem: Es bleibt eine spannende Auseinandersetzung um die Fragen von Macht und Gier und um den Charakter des Preußenkönigs. Dass das Poster, das im Musiktheater an die Stelle des Programmhefts getreten ist, keine Inhaltsangabe enthält, empfanden viele Besucher als Mangel. Musikalisch ging der Abend voll auf. Warum Graun die Männerrollen weiblich besetzt hat, bleibt allerdings ein Rätsel. Die Damen des Hauses müssen mehrere Partien singen und spielen. Sie tun das großartig, denn diese Musik mit ihren vielen barocken Verzierungen ist – pardon – sauschwer zu singen. Da waren die Bravorufe am Schluss angebracht.

Zum Beispiel für die hinreißend gesungene, höllisch schwere Arie von Emma McNairy als Vertraute der Braut Montezumas. Den Kaiser von Mexiko gab Julie-Marie Sundal sehr überzeugend, auch im Spiel. Evmorfia Metaxaki glänzte als Montezumas Braut, Andrea Stadel als brutaler und zynischer Hérnan Cortés. Das Orchester verdient ein Sonderlob. Was da unter Leitung von Kapellmeister Takahiro Nagasaki aus dem Graben kam, klang so, als wären die Lübecker Philharmoniker Spezialisten für Alte Musik. Zupackend, fetzig in schnellen Partien, bis zum Pianissimo zurückgenommen bei der Begleitung der Sänger. Hut ab auch vor der Leistung des Chores.

Der singt zum Schluss acappella einen Jesaja-Text "Fürwahr, er trug unsere Krankheit...". Damit war weder der Kaiser von Mexiko, noch waren die katholischen Majestäten Spaniens gemeint. Sollte die Oper zum Erlösungsdrama überhöht werden? Das wäre vielleicht zuviel des Guten. Jedenfalls gab es nach diesem Schluss neben dem Jubel für Sänger und Musiker auch freundlichen Beifall für die Regie. Da hätten, den Pausengesprächen nach, auch Buhrufe kommen können. Sie kamen aber nicht. Im Februar steht "Montezuma" zweimal auf dem Spielplan, und zwar Sonnabend, 1. 2. und Freitag, 21. 2. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

Ingo Kerkhof inszeniert mit

Ingo Kerkhof inszeniert mit "Montezuma"erstmals am Theater Lübeck. Fotos: Jochen Quast


Text-Nummer: 135849   Autor: TD   vom 27.01.2020 09.48

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