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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Donnerstag,
der 2. April 2020






Lübeck:

Wunderland-Alice: Von Grinsekatze und strickendem Schaf

Mit „Alice im Wunderland“ schrieb Lewis Carroll anno 1865 einen Kinderbuchklassiker. Sechs Jahre später gab es die Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“. Der Stoff schaffte es ins Kino und auf die Bühne. 1992 inszenierte Robert Wilson eine Neufassung von Paul Schmidt für das Thalia Theater in Hamburg mit Songs von Tom Waits und Kathleen Brennan. Diese Fassung mit dem Titel „Alice“ ist nun in Lübeck zu sehen. Premiere war am Sonnabend.



Das Lübecker Publikum erlebt nicht etwa eine Übernahme der Hamburger Produktion, die von den berühmten Amerikanern Tom Waits und Robert Wilson geprägt war. Geboten wird eine eigene Inszenierung von Malte C. Lachmann. Er ließ sich von Alexander Münchau, Professor für Neuropsychiatrie am UKSH, beraten.

Aufgeführt wird nämlich kein Musical und kein Kindermärchen. Es geht um das Seelenleben von Alice, dem Mädchen, dem der Autor aus dem Bekanntenkreis der Eltern nicht nur Geschichten erzählt. Er ist ihm auch sonst sehr zugetan. Ob Lewis Carroll, der mit bürgerlichem Namen Charles Dodgson hieß, pädophil war oder das Kind sogar missbrauchte, ist nicht klar. Zur Diskussion gestellt wird es jedenfalls.

Im Zimmer des Autors in Oxford beginnt das wundersame Spiel. Die Wände sind von Gemälden bedeckt; strahlen biedere Bürgerlichkeit aus. An der Wand steht auch ein großes Foto von Alice, denn der Hausherr ist begeisterter Anhänger des neuen Mediums Fotografie. Im Bühnenbild von Luisa Wandschneider verschwinden bald die Wände; die weite Welt der Fantasie tut sich auf.

Alice erlebt skurrile Figuren unter Menschen und Tieren. Die Menschen sind durchgeknallt bis verrückt, Königin, Herzogin, König, Ritter und auch der Hutmacher. Alice begegnet aber vor allem den Tieren, dem weißen Kaninchen, der Grinsekatze, dem Märzhasen, dem Fliegen schnappenden Frosch oder dem Wollröcke strickenden Schaf.

Das wirkt nur auf einen ersten Blick „kindisch“. Dahinter steckt ja Sinn, zum Beispiel die Frage nach der eigenen Identität. Alice weiß in der Fremde nämlich nicht mehr, wie sie heißt oder wer sie ist. Ein kleines Mädchen? Eigentlich ein großes Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Man muss sich auf diese Geschichte einlassen, sie quasi mitfantasieren, um sie zu genießen. Dabei hilft die Musik, die unterschiedlich aus dem Orchestergraben kommt: mal romantisch, mal ruppig, mal orientalisch, mal jazzig angehaucht. Das Sextett von und mit Willy Daum bedient mehr als ein Dutzend Instrumente.

Von den Darstellern hat nur Astrid Färber eine durchgehende Rolle, und zwar als kindlich naive, bohrend fragende, abenteuerlustige Alice. Andreas Hutzel ist hauptsächlich der Autor, tummelt sich aber auch in weiteren Gestalten. Schon beim ersten Song kann Hutzel mit Satchmo-rauer Stimme punkten. Die übrigen Mitwirkenden haben mindestens in ein halbes Dutzend verschiedener Rollen und Kostüme zu schlüpfen.

Lilly Gropper ist die perlenbehängte Herzogin (und anderes), Susanne Höhne die blutrünstige Königin und mehr, Will Workman neben anderem der silberglänzende Fisch und der Mauerwächter-Popanz. Heiner Kock bleibt vor allem als Frosch oder Schachkönig in Erinnerung, Henning Sembritzki als strickendes Schaf an der Ladenkasse. Kostümbildnerin Tanja Liebermann hatte viel zu tun.

Das Publikum ging amüsiert mit, applaudierte nach etlichen der englischen Songs, die aus Urheberrechtsgründen nicht übertitelt werden dürfen. Wie weit man sich auf die Konflikte von Pädophilie oder Kindesmissbrauch einlassen will, bleibt einem selbst überlassen. Es gab freundlichen Schlussapplaus. Die nächste Vorstellung ist am Donnerstag, 13. Februar, Beginn 19.30 Uhr im Großen Haus.

Andreas Hutzel als weißes Kaninchen und Astrid Färber als Alice. Fotos: Kerstin Schomburg

Andreas Hutzel als weißes Kaninchen und Astrid Färber als Alice. Fotos: Kerstin Schomburg


Text-Nummer: 136160   Autor: TD   vom 09.02.2020 09.07

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