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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Dienstag,
der 7. April 2020






Lübeck:

Die Gretchen-Frage deutsch und islamisch: Afzals Töchter

Auf der Bühne steht nur ein Sofa. Nicht das rote vom NDR-Fernsehen, sondern ganz in Weiß. Grüne durchsichtige Stoffbahnen, gestaffelt gehängt, teilen den Raum. Grün ist die Farbe des Propheten. „Afzals Töchter“ heißt das neue Stück im Theater Combinale. Es geht um Glauben und Toleranz, vor allem im Islam. Vier Gäste aus Hamburg stehen auf der Bühne. Sie erhielten bei der Premiere am Freitag große Zustimmung.

„Afzals Töchter“ ist ein Stück des mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichneten Autors Ayad Akhtar. Er wurde 1970 im Staat New York geboren, wohin seine pakistanischen Vorfahren auswanderten. Auch Herr Afzal aus dem Stücktitel hat pakistanische Wurzeln. Er ist seit 35 Jahren Taxiunternehmer, hat es zu Wohlstand gebracht. Seine Frau ist ihm vom Krebs genommen worden. Nun will er seine beiden Töchter an den richtigen Mann bringen, an den in seinen Augen richtigen, denn die Afzal hält auf Tradition. Einen Freund, den die ältere Tochter Zarina mitbrachte, hat er vertrieben. Der wollte nicht zum Islam übertreten. Nun stellt er ohne Wissen Zarinas ein Profil von ihr ins Netz, bei einer Dating-Agentur für Muslime.

Seine Wahl fällt auf Elias, einen Deutschen, der konvertiert ist, sogar Imam wurde, der sich in seiner Moschee-Gemeinde sozial stark engagiert. Das erste Date findet also zwischen Vater und Schwiegersohn in spe statt. Natürlich hat das schon urkomische Momente, genauso wie das erste Zusammentreffen der beiden „Zukünftigen“. Afzals Töchter sind westlich erzogen. Man merkt es gleich an den eng sitzenden Hosen (Kostüme Katia Diegmann). Zarina hat sich auch innerlich von strengen Überlieferungen gelöst. Sie ist dabei, ein Buch zu schreiben, das den Propheten sehr menschlich zeigt, mit Lüsten und Begierden. Als Vater Afzal das Manuskript in die Hand bekommt, ist es völlig aus. Die Fetzen fliegen, und die Familie braucht zwei Jahre, ehe erneut ein Gespräch stattfinden kann.

Ein hochbrisantes Thema um Emanzipation, religiöse Bevormundung, um Toleranz, interkulturellen und interreligiösen Dialog, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. Dafür sorgen in der Inszenierung von Vincenz Türpe die unterschiedlichen Temperamente, die sich immer wieder entladen. Türpe lässt die kurzen Szenen in raschem Wechsel folgen, die Dialoge aufeinander prasseln.

Zu Höhepunkten werden die vulkanartigen Ausbrüche von Ramin Yazdani als Vater. Er hat seine Töchter zwar nicht zum Schleier gezwungen. Nun aber kommen die ländlichen Traditionen seiner Vorfahnen wieder hoch.

Bei den Töchtern hat Alice Hanimyan als Zarina den Hauptanteil am Spiel. Mit modernem Bubikopf macht sie klar, dass die Zeiten sich ändern, fordert Frauenrechte ein und will verstaubte Zöpfe abschneiden.

Sinem Süle als jüngere Tochter Mawish hat ebenfalls ihre Probleme, wahrt aber über weite Strecken den Schein. Erst gegen Ende bekommt die Fassade Risse. Lennart Lemster als Elias gibt die ehrliche Haut, wächst langsam in eine neue Rolle hinein.

Ein intelligentes Stück in einer guten Inszenierung. Es setzt die Reihe der Produktionen des Combinale mit religiösen Themen fort („Götterdämmerung“, „Die Herde“). Auch dieses Mal wird bewiesen, dass man sich auf amüsante Weise mit Fragen von Glaube und Leben auseinander setzen kann. Das Quartett der Darsteller und das gesamte Team wurden stürmisch gefeiert.

Am Samstagabend, 20 Uhr, ist die erste Wiederholung. Danach steht das Stück bis April immer wieder auf dem Spielplan, in diesem Monat an folgenden Tagen: 21.2. (20 Uhr), 23.2. (18 Uhr), 27.2. (19.30 Uhr), 28.2. (20 Uhr), 29.2. (20 Uhr).

Alice Hanimyan als Zarina und Lennart Lemster als Elias in der Tragik-Komödie Afzals Töchter. Foto: Michael Eichholz, Theater Combinale

Alice Hanimyan als Zarina und Lennart Lemster als Elias in der Tragik-Komödie Afzals Töchter. Foto: Michael Eichholz, Theater Combinale


Text-Nummer: 136301   Autor: TD   vom 15.02.2020 09.14

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