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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Mittwoch,
der 8. April 2020






Lübeck:

Einstiegsqualifizierung als Sprungbrett in die Ausbildung

Szymon Bartlomiej Szejbach interessiert sich für Technik. Sein Vater ist Kfz-Mechaniker und er hat ihm bereits als Kind dabei geholfen, Autos zu reparieren. Mit dem Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (früher Hauptschulabschluss) klappte der Einstieg in eine Ausbildung nicht direkt.

„Ich mag es, die Technik in Autos zu verstehen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man zum Beispiel den Motor zerlegt, ein Teil auswechselt und es nach dem Zusammenbauen wieder einwandfrei funktioniert“, erzählt er. Der 17-Jährige gab nicht auf. Über ein Praktikum und eine sich anschließende Einstiegsqualifizierung (EQ) erfüllt sich nun sein Traum: Er wird zum 1. September 2020 in die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei der Senger Holstein GmbH in Lübeck übernommen.

„Ob Jugendliche, die mit ihrem Zeugnis nicht gleich überzeugen können, junge Erwachsene ohne Berufsabschluss, Jugendliche mit gesundheitlichen Einschränkungen, Alleinerziehende oder geflüchtete Menschen – sie alle haben Talente, die es zu entdecken gilt. Wir unterstützen Unternehmen dabei, diese Potenziale zu entwickeln. Dabei kann die Einstiegsqualifizierung eine gute Brücke in die Ausbildung sein“, erklärt Markus Dusch, Chef der Agentur für Arbeit Lübeck.

Die EQ, ein sogenanntes Langzeitpraktikum, orientiert sich an Ausbildungsinhalten anerkannter Ausbildungsberufe. Es handelt sich um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis bei dem zwischen Betrieb und den jungen Menschen ein Vertrag abgeschlossen und eine Vergütung gezahlt wird. Die Unternehmen erhalten von der Agentur für Arbeit beziehungsweise dem Jobcenter einen Zuschuss zur EQ-Vergütung sowie eine Pauschale für Sozialversicherungsabgaben. Eine EQ dauert mindestens sechs bis maximal zwölf Monate und geht meist bis zum Ausbildungsbeginn. Begleitforschungen belegen, dass 60 bis 75 Prozent der Teilnehmenden in eine Ausbildung einmünden. Derzeit befinden sich 54 Teilnehmende in Lübeck und Ostholstein in einer EQ.

„Die Einstiegsqualifizierung ist für uns als Betrieb und die jungen Menschen eine gute Möglichkeit, sich kennenzulernen und zu erproben. Gerade für schulisch schwächere Bewerber und Bewerberinnen bietet sie einen guten Einstieg in die Ausbildung. Wir führen bereits seit 2009 solche Langzeitpraktika durch und hatten in unseren Betrieben in Schleswig-Holstein 15 Teilnehmende. In der Regel werden sie dann in Ausbildung übernommen“, berichtet Birte Schulenburg, die für die Personalsachbearbeitung in der Ulrich Senger Holding GmbH zuständig ist. Die Senger Unternehmensgruppe beschäftigt zirka 3.000 Arbeitnehmende, rund 100 davon im Volkswagen Zentrum Lübeck. Ausgebildet werden Automobilkaufleute, Kaufleute für Büromanagement, Fachkräfte für Lagerlogistik, Kfz‑Mechatroniker, Kfz-Lackierer (nur in Bad Segeberg und Neustadt) und Duale Studierende. Von den 400 Nachwuchskräften befinden sich 13 in Lübeck.

„Während der EQ hat Szymon Szejbach in der Werkstatt mitgearbeitet. Er konnte zum Beispiel beim Wechseln der Bremsen, der Bremsflüssigkeiten und Zündkerzen mitanpacken oder bei Inspektionen mithelfen. Er macht sich sehr gut, ist freundlich und hat Spaß an der Arbeit. Beste Voraussetzungen, um als Azubi bei uns weitermachen zu können. Da er bereits während der EQ am Berufsschulunterricht teilgenommen hat, startet er direkt im 2. Ausbildungsjahr“, erzählt Nico Schümann, Werkstattleiter im Volkswagen und Skoda Zentrum.

„Fachkräfte sind immer schwieriger zu finden, deshalb ist die Ausbildung für uns so immens wichtig. Junge Menschen, die teamfähig sind, Freude am Umgang mit Kunden und großes automobiles Interesse haben, sind bei uns herzlich willkommen“, ergänzt er.

Und wie sieht der Tipp von Szymon Szejbach an andere Jugendliche aus? “Für mich war das schon immer mein Traumjob, aber wer sich nicht sicher ist, ob er sein ganzes Leben in einem bestimmten Beruf arbeiten möchte, sollte das unbedingt im Praktikum ausprobieren. Mir hat die EQ auch dabei geholfen, in meinem Traumbetrieb eine Ausbildungsstelle zu bekommen.“

Selbst wenn die Übernahme nicht im gleichen Betrieb möglich ist, erhalten die Jugendlichen ein betriebliches Zeugnis und ein Zertifikat der Kammer über die erfolgreiche EQ-Teilnahme. Damit können sie bei anderen Unternehmen nachweisen, dass sie Durchhaltevermögen haben und ihre erworbenen Grundkenntnisse einbringen. Teilweise ist auch die Anrechnung der EQ-Zeit auf die Ausbildung möglich.

„Das Angebot an Ausbildungsstellen ist in unserer Region sehr gut. Dennoch gibt es jedes Jahr Bewerberinnen und Bewerber, die diese zweite Chance über EQ brauchen. Deshalb möchten wir mit diesem Beispiel auch anderen Arbeitgebenden Mut machen, Jugendlichen mit schwierigem Vermittlungshintergrund eine Chance zu geben. Jeder junge Mensch, der ohne Ausbildung bleibt, wird später als Fachkraft fehlen“, so Dusch. „An Jugendliche richte ich den dringenden Hinweis, nicht zu lange zu warten. Uns wurden bereits mehr als 3.000 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet. Je früher man sich bei uns meldet, umso größer sind die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Mit der Berufsberatung können dann auch rechtzeitig Berufsalternativen besprochen werden“, empfiehlt Dusch.

Jugendliche sollten gleich in der Lübecker Jugendberufsagentur beziehungsweise der Ostholsteiner Arbeitsagentur vorbeischauen. Einen Termin in der Berufsberatung können sie auch telefonisch unter der kostenfreien Rufnummer 0800/4555500 oder online unter www.arbeitsagentur.de/eservices vereinbaren.

Unter dem Motto #AUSBILDUNGKLARMACHEN werden im Rahmen der bundesweiten Woche der Ausbildung vom 16. bis 20. März zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Auch Lübeck ist dabei, zum Beispiel am 17. März mit dem Thema Ausbildung in Teilzeit oder einer Ausstellung vom 16. bis 27. März zu MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Auf der Internetseite unter dasbringtmichweiter.de klarmachen finden Jugendliche alle Angebote in ihrer Umgebung.

Szymon Szejbach zeigt Nico Schümann (li.), Markus Dusch und Birte Schulenburg einen Ölwechsel im Rahmen einer Inspektion. Foto: Agentur für Arbeit

Szymon Szejbach zeigt Nico Schümann (li.), Markus Dusch und Birte Schulenburg einen Ölwechsel im Rahmen einer Inspektion. Foto: Agentur für Arbeit


Text-Nummer: 136729   Autor: Agentur für Arbeit   vom 04.03.2020 12.31

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