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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Donnerstag,
der 2. Juli 2020






Lübeck:

Vorsicht: Falsches Gold auf Lübecks Straßen

Archiv - 17.03.2020, 11.33 Uhr: "Sie sind immer da, aber zurzeit, während der Krise, sind wieder verstärkte Aktivitäten von Gold-Betrügern auf Lübecks Straßen zu beobachten," weiß Dennis Suitner, Goldexperte und Inhaber von 'Edelmetall-Lübeck' in der Breiten Straße. Er spricht in diesem Zusammenhang von "Autobahngold" und erläutert diesen Begriff auch gleich.

Oft wurden Touristen auf der Balkan-Route von Einheimischen mit angeblicher Autopanne angehalten. Man brauchte 100 Euro um den Wagen wieder flott zu bekommen, hatte aber nur ein wenig Schmuck dabei, den man zur Sicherheit den arglosen Touristen gab. "Dann kommt die Gier ins Spiel," lächelt Suitner. Der Tourist glaubt, wertvollen Goldschmuck erhalten zu haben, in Wirklichkeit ist es aber nur wertloser Plunder.

Auf den Straßen Lübecks funktioniert der Trick anders. Da "findet" ein Betrüger in der Nähe von Touristen plötzlich einen "goldenen" Ring, und erbittet Geld vom Touristen, dem er eine alberne Geschichte auftischt. Der holt auch - teils aus Mitleid, teils aus Geschäftssinn, Geld aus der Tasche, weil er die Zahl "585" eingestempelt sieht und glaubt, jetzt im Gegenzug einen wertvollen Ring zu besitzen.

Fachmann Dennis Suitner weiß, dass man sich jeden Messingring im Internet mit einem sogenannten Goldstempel versehen lassen kann für etwa 20 Euro. "Das macht den Ring natürlich in der Substanz keinesfalls wertvoller," grinst er und berichtet von seinen langjährigen Erfahrungen im Schmuckhandel. "Wer mit Schmuck handelt, muss immer auch damit rechnen, dass ihm Fälschungen angeboten werden," und die Tricks der Branche werden immer raffinierter.


Links ein polierter Kupferring. Fotos: Harald Denckmann

Auf einem Tablett breitet er einige Fälschungen aus, die er für seine Mitarbeiter zu Schulungszwecken gesammelt hat. Man sieht deutlich einen glänzenden Ring, der sich gegenüber drei eher matten Ringen hervorhebt. "Einfach eine Sache des Polierens," erklärt der Fachmann. "Die matten Ringe bekommt man genauso wieder hin, die haben nur jetzt länger gelegen." Der glänzende Ring wird zur Analyse in ein Spezial-Röntgengerät für Edelmetalle gelegt, das in Sekunden genaue Erkenntnisse liefert. Nicht überraschend das Ergebnis: 75 Prozent Kupfer, 16 Prozent Zink und sogar 6 Prozent Blei. Das empört sogar den Fachmann. "Wer den aufsteckt, bekommt obendrauf sogar noch gesundheitliche Probleme."

Man sollte sich daher keinesfalls auf solche Straßendeals mit undurchsichtigen Zeitgenossen einlassen. Wenn man die Anbieter auffordert, einen doch kurz einmal zum nächsten Juwelier zu begleiten für eine schnelle Echtheitsprüfung, werden sie sehr beherzt das Weite suchen.


Das Röntgengerät bringt Gewissheit.

Dennis Suitner zeigt eine weitere Fälschung, bei der er fast ein wenig ins Schwärmen gerät. "Echt gut gemacht," sagt er anerkennend, denn die Gliederkette, die vor ihm liegt, besteht aufgrund ihrer Echtgoldauflage sogar den Säuretest. Nur am Röntgengerät scheitert sie, denn der Kern besteht aus billigem Metall. Suitner legt sie noch einmal auf die Waage. "Der Fachmann merkt schon am Gewicht, dass da irgend etwas nicht stimmt," erklärt er. "Wer drauf reinfällt, zahlt schon gern einmal circa 1200 Euro für eine Kette, die sehr gekonnt für 50 Euro in China hergestellt wurde." Und was lernt der Laie daraus ? Vermeintliche Schnäppchen auf Urlaubsreisen in Mittelmeerländern lieber am Wegesrand liegen lassen. "Wer angeschmiert wird", weiß Suitner, "hat lange ein ganz dummes Gefühl und kann sich dann an dem Schmuckstück überhaupt nicht mehr freuen.

Gold wird bei ihm auf der Grundlage des Tageskurses abgerechnet. Der bereitet ihm allerdings momentan reichlich Kopfzerbrechen. Das Coronavirus bringt auch hier die Märkte schwer durcheinander. 40 Prozent minus beim Dax, 15 bis 20 Prozent Verlust beim Gold, 30 Prozent minus bei Silber und Palladium hat etwa 40 Prozent nachgegeben. Er klingt besorgt : "So eine Situation hatten wir noch nicht." Normalerweise steigt die Nachfrage nach Gold in internationalen Krisensituationen. Bei diesem Einbruch der Kurse haben sich aber auch die Großanleger verspekuliert. Rücklagen müssen aufgelöst werden um Positionen wieder glattzustellen.

Dadurch kommt massiv Gold auf den Markt und der Kurs sinkt. "Sehr bitter für alle, die letzte Woche noch zu Höchstpreisen eingestiegen sind, um sich gegen den durch Corona bedingten Wertverfall abzusichern," resümiert er, denn sie können zurzeit minütlich zusehen, wie ihr Geld verbrennt. Großmutters Weisheit, dass man mit Gold immer auf der sicheren Seite ist, hat seine Bedeutung verloren. Der Wert jeglichen Materials wird eben auch beim Gold über den aktuellen Marktpreis geregelt. Dennis Suitner weiß aber auch, dass sich die Märkte wieder beruhigen werden und Gold dann auch in jedem Portfolio wieder seinen Platz haben wird. "Hellsehen kann ich nicht," bedauert er, "aber ich hab so das Gefühl, dass wir darauf noch ein paar Monate warten müssen."

Goldexperte Dennis Suitner erkennt die Fälschung bereits am Gewicht. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Goldexperte Dennis Suitner erkennt die Fälschung bereits am Gewicht. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann



Hier hören Sie den Originalton:  

Text-Nummer: 137020   Autor: Harald Denckmann   vom 17.03.2020 11.33

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