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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Sonntag,
der 31. Mai 2020






Lübeck:

Das ist Lübecks neuer Chef für die Gesundheit

Am 1. April 2020 wird Privat-Dozent (PD) Dr. med. Dipl.-Kfm. Alexander Mischnik offiziell die Leitung des Lübecker Gesundheitsamtes übernehmen. Er hat schon zwei Wochen früher seine Tätigkeit aufgenommen, die jetzt besonders gefragt ist. Er gibt Tipps zur aktuellen Epedemie.

Bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt verstärkt Privat-Dozent (PD) Dr. med. Dipl.-Kfm. Alexander Mischnik das "Corona-Team" der Stadtverwaltung. Der 41-jährige Mediziner ist Facharzt für Innere Medizin, Mikrobiologie und Infektiologe. "Gerade in der aktuellen Lage mit den großen medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, vor die uns die Coronavirus-Krise stellt, freuen wir uns sehr, dass wir mit Dr. Mischnik einen Experten für Infektionskrankheiten und Infektionsepidemiologie für die Leitung des Bereichs Gesundheitsamt gewinnen konnten", so Sozialsenator Sven Schindler.

Alexander Mischnik beantwortet die häufigsten Fragen zu medizinischen Themen:

Wie hoch ist die Gefahr, die von einer Infektion ausgeht?

Der weit überwiegende Teil aller Infektionen (ca. 80 Prozent) verläuft mit milden Symptomen, eher vergleichbar mit einer Erkältung. Schwerere Verläufe der COVID-19-Erkrankung mit Anzeichen von Atemnot treten bei ca. 15 Prozent der infizierten Personen auf und etwa einer von zwanzig Infizierten entwickelt eine voll ausgeprägte Pneumonie, das heißt eine schwere Lungenentzündung. Zur Häufigkeit der durch SARS-CoV-2 verursachten Todesfälle gibt es unterschiedliche Schätzungen, so dass dies im Moment nicht abschließend beantwortet werden kann. Besonders gefährdet sind ältere Personen und Personen, die Vorerkrankungen haben. Vermutlich liegt die Sterblichkeit nach Infektion mit SARS-CoV-2 etwas höher als bei der echten Virusgrippe (Influenza), wobei auch diese von Jahr zu Jahr schwankt.

Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?

Neuere Daten legen nahe, dass besonders ältere Personen ab 50-60 Jahren mit Vorerkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Lungenerkrankung, Immunschwäche etc.) gefährdet sind. Kinder und Schwangere sind interessanterweise im Unterschied zur echten Grippe nach derzeitigem Stand nicht gefährdet. Auch für jüngere Patienten geht man derzeit nicht von einer erhöhten Gefährdungslage aus. Somit wird klar, dass die empfohlenen Hygienemaßnahmen insbesondere zum Schutz der o.g. Personengruppen dienen.

Wer sollte einen Coronavirus-Test (Nasen-/Rachenabstrich) erhalten?

Die Laborkapazitäten sind begrenzt und müssen daher sorgfältig genutzt werden. Nur nach ärztlicher Vorgabe und nur bei Vorliegen von Krankheitssymptomen sollte eine Untersuchung erfolgen. Hier muss zwischen leicht und schwerer Erkrankten unterschieden werden. Die o.g. Risikogruppen sollten selbstverständlich Vorrang haben.

Ich bin eigentlich nicht schwer krank, aber besorgt und möchte gerne einen Test. Kontakte zu einem Patienten hatte ich meines Wissens nicht.

Der Wunsch ist nachvollziehbar, aber leider derzeit nicht umsetzbar. Es ist hoffentlich für jeden verständlich, dass sorgfältig durch den Arzt ausgewählt werden muss, wer einen Test erhält. Jeder unnötige Test kann prinzipiell einem schwer kranken Patienten fehlen.

Wie wird sich die Situation weiter entwickeln?

Dazu kann vermutlich niemand eine verlässliche Prognose abgeben, weil eine solche Situation noch nie dagewesen ist. Politiker sollten sich an die Empfehlungen der Mediziner, vor allem Virologen und Epidemiologen halten.

Kann ich überhaupt dazu beitragen, dass die Pandemie eingedämmt wird?

Selbstverständlich! Nur, wenn wir alle zusammen die empfohlenen Hygienemaßnahmen einhalten, kann dies erreicht werden. Daran sollte jeder denken.

Der Rat an den Einzelnen ist, soziale Aktivitäten zu drosseln und soziale Kontakte soweit wie möglich einzuschränken: Was genau ist damit gemeint?

Die Übertragung erfolgt durch nahen Kontakt mit infizierten Personen. Dementsprechend wird die Ausbreitung des Virus durch Reduzierung der nahen Kontakte mit anderen Personen gehemmt. Dies vermindert sowohl das eigene Risiko für eine Ansteckung als auch das Risiko für die Bevölkerung insgesamt. Es wird daher empfohlen, auch private Feiern, Gruppentreffen und ähnliche Veranstaltungen möglichst zu vermeiden.

Dr. Alexander Mischnik übernimmt am 1. April offiziell die Leitung des Lübecker Gesundheitsamtes. Foto: VG

Dr. Alexander Mischnik übernimmt am 1. April offiziell die Leitung des Lübecker Gesundheitsamtes. Foto: VG


Text-Nummer: 137217   Autor: Presseamt Lübeck/red.   vom 25.03.2020 18.34

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