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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Mittwoch,
der 8. Juli 2020






Lübeck:

Günther Lüders, der Verschmitzte vom Trave-Ufer

Archiv - 30.03.2020, 22.31 Uhr: Lübeck war Heimat vieler bekannter Persönlichkeiten. Einige Namen kennt jeder. Bei anderen weiß kaum jemand, dass ihre Wiege an der Trave stand. Zu ihnen gehört der Schauspieler und Regisseur Günther Lüders. In diesem Monat hat er gleich zwei fast runde Gedenktage, den 115. Geburtstag und den 45. Todestag. Er starb vier Tage vor seinem 70. Geburtstag und ist auf dem Burgtorfriedhof bestattet.

Wer ihn besuchen will, muss sich nach dem Ehrengrab der Familie Lüders umschauen. Hier sieht man dann die genauen Daten, in Stein gemeißelt: geboren am 5. März 1905, gestorben am 1. März 1975. In mehr als hundert Filmen hat Lüders mitgewirkt. Den meisten dürfte seine Rolle als Diener Johann beziehungsweise als angeblicher Schifffahrtslinienbesitzer Kesselhuth aus dem Schwarzweißfilm „Drei Männer im Schnee“ bekannt sein. Der Film nach dem Roman von Erich Kästner, 1955 gedreht, wird alle Jahre wieder zu Weihnachten im Fernsehen gezeigt, mit Paul Dahlke als verkleidetem Fabrikbesitzer und Claus Biederstaedt als Gewinner eines Preisausschreibens, der versehentlich für den Millionär gehalten wird.

Vater Carl Lüders gehörte als Reeder und Kaufmann zu den Honoratioren Lübecks. Die Mutter war eine geborene Brüggen; bis heute ebenfalls ein bekannter Name in Lübeck. Natürlich musste der Junge nach dem Katharineum eine kaufmännische Lehre absolvieren; allerdings nur zwei Jahre. Dann entsetzte er die Verwandtschaft mit dem Wunsch, zur Bühne zu gehen. Schauspielunterricht erhielt er von 1921 bis 1923, sein erstes Engagement beim „Städtebund-Theater“, einer von Lübeck aus agierenden Wanderbühne. Von hier gelang der Sprung ans hiesige Stadttheater. Über Dessau und Frankfurt landete der junge Mime 1934 in Berlin, wo er oft im Kabarett auftrat, im „Tingeltangel“ und in der „Katakombe“.

Die vor allem in der „Katakombe“ unterschwellig geübte Kritik am Nazi-Regime brachte Lüders ins Visier der Gestapo. Für drei Woche landete er sogar im KZ Esterwegen. Trotz seiner kritischen Haltung erhielt er anschließend Rollen beim Film, zum Beispiel in Karl Bunjes Komödie „Der Etappenhase“, ein Stück, das gelegentlich von Niederdeutschen Bühnen gespielt wird. Seine verschmitzte, bauernschlaue Art, seine pointierte Pfiffigkeit prädestinierten ihn für heitere Charakterrollen. Sie wurden für viele Jahre „sein“ Fach.

Gleich nach dem Krieg stand Lüders wieder auf Theaterbrettern, in Flensburg, Lübeck, Hamburg. Gustav Gründgens holte ihn 1947 ans Düsseldorfer Schauspielhaus, wo er nicht nur in Komödien auftrat, sondern auch bei Shakespeare, zum Beispiel als Polonius im „Hamlet“. Unvergessen ist seine Gestaltung des Elwood P. Dowd in der Verfilmung von „Mein Freund Harvey“ nach Mary Chase oder sein „Hauptmann von Köpenick“.

Eine weitere Station wurde Süddeutschland. 1959 wurde er sogar zum Leiter des Württembergischen Staatsschauspiels Stuttgart berufen. Die ihm angetragene Intendanz lehnte er ab. Er wollte mehr auf der Bühne stehen. Nebenbei gestaltete er Rezitationsabende, mit Texten von Morgenstern, Ringelnatz, Wilhelm Busch oder Thomas Mann. Etliche dieser Abende sind als Tonträger erhalten, so dass man seine knorzige, kauzige Stimme bis heute hören kann.

In den letzten Lebensjahren gastierte Lüders im In- und Ausland, zum Beispiel in Wien. Seine letzte Bühnenrolle gestaltete er unter der Regie von Peter Zadek am Bochumer Schauspielhaus. Es war die Titelrolle in „Professor Unrat“ von Heinrich Mann. Es wird berichtet, Lüders habe eigene Erfahrungen aus seiner Heimatstadt einbringen können, denn die tragische Geschichte um den aus der Bahn geratenen Pädagogen spielt natürlich in Lübeck. Ein Kreis hatte sich geschlossen, er war wieder daheim.

Günther Lüders hat viele Ehrungen erhalten. Zum Beispiel 1970 die Ehrenplakette des Senats der Hansestadt Lübeck, im gleichen Jahr wurde ihm der Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein zugesprochen. Für seine Rezitationen erhielt er 1974 den Deutschen Kleinkunstpreis.

Das Erbbegräbnis Lüders auf dem Burgtorfriedhof.

Das Erbbegräbnis Lüders auf dem Burgtorfriedhof.


Text-Nummer: 137312   Autor: TD   vom 30.03.2020 22.31

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