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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Sonntag,
der 5. Juli 2020






Lübeck:

Uni-Studie zur Immunreaktion bei Stammzellenspenden

Archiv - 25.04.2020, 13.32 Uhr: Forscher der Universitätsklinika Freiburg und Lübeck zeigen in einer internationalen Studie, dass eine neue medikamentöse Therapie mit dem Wirkstoff Ruxolitinib Immunreaktionen bei Stammzellenspenden häufig verhindern kann. Die klinische Phase-III-Studie mit 309 Patienten wurde am 22. April 2020 im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Bei Blutkrebs und schweren Immundefekten ist eine Transplantation von Blutstammzellen gesunder Spender oft die letzte Behandlungschance. Doch bei etwa jedem vierten Patienten kommt es zu einer bislang nicht kontrollierbaren lebensgefährlichen Immunreaktion, bei der Spender-Immunzellen das Gewebe der Empfänger angreifen. Fachleute sprechen von einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion oder Graft-versus-Host-Disease (GVHD).

„Diese Therapie kann Stammzelltransplantationen deutlich sicherer machen. Wir hoffen deshalb sehr, dass sie schon bald in der Europäischen Union zugelassen wird“, sagen Prof. Dr. Robert Zeiser (Freiburg) und Prof. Nikolas von Bubnoff (Lübeck). Sie haben gemeinsam die Studie mit 105 Studienzentren in 22 Ländern koordiniert und geleitet. Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff ist Professor für Medizinische Onkologie an der Universität zu Lübeck und Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck.

GVHD führt unkontrolliert zu Gewebeschäden von Darm, Haut und Leber. In einem Fünftel der Fälle führt die Entzündungsreaktion zum Tod der Patient*innen durch Infektion oder gravierende Organschäden. „Die Zulassung von Ruxolitinib in den USA ist die erste Zulassung eines Medikaments zur Behandlung der Kortison refraktären Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion weltweit, so Zeiser und von Bubnoff.

Die in der REACH2-Studie behandelten Patienten hatten alle nach einer Stammzelltransplantation eine Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion entwickelt, die sich mit Kortisonpräparaten nicht stoppen ließ. Die Hälfte der Betroffenen erhielt Ruxolitinib, die andere Hälfte die bisherige Standardtherapie. Nach 28 Tagen Therapie zeigten 62 Prozent der Patienten unter der neuen Therapie einen vollständigen oder teilweisen Rückgang der GVHD. Unter der Standardtherapie waren es 39 Prozent. Nach rund zwei Monaten war die Kontrolle der Immunreaktion unter Ruxolitinib mit fast 40 Prozent sogar fast doppelt so hoch wie unter der Standardtherapie mit 22 Prozent. „Die Behandlung mit Ruxolitinib führt damit zu einem dauerhaften Behandlungserfolg“, so Zeiser und von Bubnoff.

In vorangegangen Arbeiten konnten die Forschungsgruppen um Zeiser und von Bubnoff zunächst in Zell- und Tierstudien zeigen, dass Ruxolitinib die Aktivierung und gegenseitige Verstärkung der transplantierten Immunzellen bremst. Diese Vorarbeiten waren die Basis für die spätere Anwendung beim Menschen. Die jetzige Phase-III-Studie REACH2 dürfte eine wesentliche Rolle bei der Zulassung auch in Europa spielen. „Die Studienergebnisse bestätigen unsere jahrelange Arbeit zur GVHD und liefern eine wichtige Grundlage für die Zulassung“, so Zeiser und von Bubnoff. Die REACH2-Studie wurde finanziell durch Novartis Pharma unterstützt.

Forscher der Uni Lübeck machen die Spende von Stammzellen sicherer. Foto: Uni/Archiv

Forscher der Uni Lübeck machen die Spende von Stammzellen sicherer. Foto: Uni/Archiv


Text-Nummer: 137793   Autor: Uni   vom 25.04.2020 13.32

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