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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Sonntag,
der 5. Juli 2020






Lübeck - Travemünde:

Reh vor Travemünde aus Seenot gerettet

Archiv - 03.05.2020, 20.11 Uhr: Hunger oder Neugier – was ein junges Reh am Sonntagnachmittag, 3. Mai 2020, an den Strand und schließlich in die Ostsee getrieben hat, wird wohl ein Rätsel bleiben. Den Seenotrettern der Station Travemünde gelang es, das Tier aus Seenot zu retten und sicher an Land zu bringen – ein ganz besonderer Einsatz für die Freiwilligen-Besatzung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Nur drei Tage nach der Rückkehr von seiner turnusgemäßen Generalüberholung auf die Station Travemünde ist das Seenotrettungsboot "Hans Ingwersen" einen ungewöhnlichen Einsatz gefahren. Gegen 16 Uhr erreichte der Notruf die Seenotretter: Mehrere Passanten hatten am nördlichen Ende des Travemünder Hauptstrandes ein Reh in der Ostsee erblickt.

"Das Reh kam uns in Höhe aja-Hotel aus Richtung Am Leuchtenfeld mit sehr hohen Tempo entgegen. Es lief etwa 1,5 Meter entfernt an uns vorbei und wirkte sehr panisch, als wenn es sich vor irgendwas erschreckt hatte", berichtet Augenzeuge Kai-Christopher Kipper, der die Feuerwehr alarmierte. "Es rannte dann direkt über die Holztreppen am Spielplatz in Richtung Wasser, dort hätte es auch Verletzte geben können.
Es war dort relativ voll in diesem Moment."

Alarm für die freiwilligen Seenotretter der Station Travemünde: Die "Hans Ingwersen" nahm Kurs auf den gemeldeten Uferabschnitt. Mit ihrem geringen Tiefgang kann sie auch dicht unter der Küste hervorragend manövrieren. Nach kurzer Suche fanden die Seenotretter das Tier etwa 300 Meter von Land entfernt.

Vormann Horst-Dieter Eder manövrierte der "Hans Ingwersen" mit geschickten nautischen Manövern an das Reh heran. "Mehr see- als waidmännischer Sachverstand war dazu nötig, denn als uns das Tier wahrgenommen hatte, schwamm es bereits in unsere Richtung", berichtet er.

Die wohlwollenden Jäger ergriffen ihre Chance, um das Reh aus seiner ausweglosen Lage zu befreien. Sie öffneten die Bergungspforte des Seenotrettungsbootes, eine Tür in der Bordwand nahezu auf Höhe der Wasserlinie. "Allerdings mussten wir ordentlich zupacken", berichtet die freiwillige Seenotretterin Marina Bülow, die das gewichtige Tier an Bord zog.

In der Plicht der "Hans Ingwersen" machte das Reh zunächst einen stark geschwächten Eindruck, erholte sich aber zusehends – als ob es spürte, dass es bei den Seenotrettern in guten Händen war. Die Besatzung der "Hans Ingwersen" bat die Wasserschutzpolizei um Unterstützung, um das Tier an Land zu bringen.

Die Polizisten verständigten den zuständigen Jagdausübungsberechtigten. Er schätzte das Reh etwa zwei bis drei Jahre alt und brachte es in einen nahegelegenen Wald, wo es sich – so hoffen alle Beteiligten – weiter erholen und wieder ganz genesen wird.

Die freiwillige Seenotretterin Marina Bülow kümmert sich an Bord der Hans Ingwersen um das vor Travemünde aus der Ostsee gerettete Tier. Foto: DGzRS

Die freiwillige Seenotretterin Marina Bülow kümmert sich an Bord der Hans Ingwersen um das vor Travemünde aus der Ostsee gerettete Tier. Foto: DGzRS


Text-Nummer: 137946   Autor: DGzRS/red.   vom 03.05.2020 20.11

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