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HL-live.de - Nachrichten aus Lübeck

Mittwoch,
der 5. August 2020






Lübeck:

Spektakuläre urzeitliche Funde

Archiv - 04.07.2020, 17.24 Uhr: Das Lübecker Museum für Natur und Umwelt wird um einen spektakulären Fund reicher: Der Lübecker Gerhard Höpfner präsentierte am Samstag die Überreste einer urzeitlichen Meeresschildkröte, die er und sein Team in Groß Pampau entdeckt haben.



Wer Fossilien für Nachwelt und Wissenschaft sucht und sichert braucht einen langen Atem. Das Feuer muss in einem brennen, erklärt Andreas Malchow, Co-Grabungsleiter und designierter Nachfolger des hochverdienten Lübeckers Gerhard Höpfner. Manchmal ist es zum Zerspringen spannend, manchmal passiert aber auch monatelang gar nichts, erklärte er dem versammelten Fachpublikum und Grabungsleiter Gerhard Höpfner nickt wissend.



Denn ob jemand Grabungsleiter ist oder nicht interessiert die im Glimmerton verborgenen Schätze schließlich überhaupt nicht. Acht Jahre lang hat er intensiv die Grube in Groß Pampau ohne spektakuläre eigene Funde durchsucht und dann schließlich an diesem einen Tag, unter widrigen Witterungsbedingungen stieß er auf ein Teil, das er sofort einer Meeresschildkröte zuordnen konnte. Der Fund versetzte das gesamte Grabungsteam sofort in helle Aufregung. In monatelanger Folgearbeit konnten sie zahlreiche weitere Fundstücke diesem ursprünglich einmal etwa zwei Meter langen Tier zuordnen.


Die Ur-Nordsee vor elf Millionen Jahren. Grafik: Andreas Malchow

Ursprünglich lebte es vor etwa elf Millionen Jahren einmal in der Ur-Nordsee die wir uns heute nur schwer vorstellen können. Auf der erläuternden Karte von Andreas Malchow wird deutlich, dass auch Lübeck seinerzeit am Grunde einer Bucht gelegen hätte, die damals weit bis an die heutige Grenze zu Polen führte und Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern vollständig überflutet hätte. Der heute in Groß Pampau sichtbar werdende Artenreichtum erklärt sich auch durch die damalige sehr viel höhere Meerestemperatur.


So hat die Meeresschildkröte vermutlich ausgesehen. Grafik: Gerhard Höpfner

Nach dem sensationellen Fund wurde aber zunächst einmal gemeinsam beschlossen, sich einen knallharten Maulkorb freiwillig aufzuerlegen, denn wenn das Grabungsteam damit gleich an die Öffentlichkeit gegangen wären, sind Höpfner und Malchow überzeugt, wären sie vor lauter Trubel nicht mehr dazu gekommen, die Funde wissenschaftlich korrekt zu bearbeiten und zu sichern.

Hier hören Sie ein Interview mit Gerhard Höpfner:

Der Glimmerton aus Umfeld der Fundstelle musste ausgekoffert und geschlämmt und ausgesiebt werden, was von Svenja Warnke und Martin Kupsch mit zum Teil selbstentwickelten Trenn-Geräten fachmännisch vollzogen wurde. Andere Mitglieder des Teams haben jahrelange Erfahrung in der Sichtung der Spuren aus der Vergangenheit und einen geschulten Blick für Funde aller Art. So wurde kürzlich sogar ein Baumstamm aus dem Miozän entdeckt, der jetzt aufwändig konserviert werden muss, da das gut erhaltene Holz sonst zerfallen würde.

Hier hören Sie ein Interview mit Svenja Warnke:

Höchstes Lob und ehrliche Anerkennung für diese wissenschaftliche Akribie daher von Dr. Oliver Hampe vom Leibniz Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung am Museum für Naturkunde in Berlin, der eigens für die Präsentation der neuesten Funde aus Berlin angereist war. Er ist Fachmann für Paläobiologie und Spezialist für urzeitliche Säugetiere. Von daher hält er natürlich allein wegen der spektakulären Walfunde eine enge Verbindung zum Grabungsteam von Groß Pampau, das auch sofort die Fachdiskussion mit ihm suchte.

Hier hören Sie ein Interview mit Dr. Oliver Hampe:

Sicherlich würde er als Kurator der Sammlung Fossile Säugetiere und Geologie auch gern das eine oder andere Fundstück mit nach Berlin nehmen. Dazu heißt es aber klar in der Presseerklärung des Grabungsteams "die Funde erhält nach der Präparation und Montage das Museum für Natur und Umwelt der Hansestadt Lübeck."

Darüber waren bei ihrem letzten Besuch der Fundstelle auch Bürgermeister Jan Lindenau und Kultursenatorin Kathrin Weiher sehr glücklich. Seitdem werden in der Hansestadt auch Vorstellungen konkretisiert, die wertvolle Sammlung in ein neu zu schaffendes Zentrum für Natur und Umwelt zu integrieren, mit modernster Digitaltechnik und Visualisierung der Lebewesen der Ur-Nordsee. Natürlich hat die Presse auch nach den Fortschritten in diese Richtung gefragt. Gerhard Höpfner kommentierte das in keiner Weise. Er bestätigte lediglich, das mit ihm gesprochen wird, und er den Wunsch nach vorläufigem Stillschweigen respektiert. Unzufrieden wirkte er aber nicht. Auch eine weitere Richtung wird eingeschlagen. Susanne Kasimir, Geschäftsführerin der Nordischen Filmtage, war mit Filmexperten vor Ort. Überlegungen werden offenbar angestellt, wie man das Ur-Meer filmtechnisch lebendig werden lassen könnte.

Währenddessen erschließt die Firma Ohle & Lau, die die wissenschaftlichen Aktivitäten von Beginn an voll unterstützt, weitere Glimmertonschichten in der Kiesgrube Groß Pampau. Das Grabungsteam kennt daher keine Pause und kein schlechtes Wetter. Alle sind sich absolut sicher, dass noch weitere spektakuläre Entdeckungen in den freizulegenden Schichten des Miozän in den kommenden Jahren auf sie warten werden.

Gerhard Höpfner präsentierte am Samstag den einzigartigen Fund. Fotos, O-Töne: Harald Denckmann

Gerhard Höpfner präsentierte am Samstag den einzigartigen Fund. Fotos, O-Töne: Harald Denckmann



Hier hören Sie den Originalton:  

Text-Nummer: 139158   Autor: Harald Denckmann   vom 04.07.2020 17.24

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