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HL-live.de

Dienstag,
der 21. November 2017






Lindenau und Sünnenwold: Nachdenken über Lübeck

Ein gemütlich lodernder Kamin auf der Bühne hat noch gefehlt und vielleicht ein Butler, der bei Gelegenheit mal nachschenkt. Ansonsten stimmte das Bühnenbild, das die Akteure für die Diskussion zwischen Bürgermeister-Kandidat Jan Lindenau (SPD) und dem ehemaligen Stadtpräsidenten Peter Sünnenwold (CDU) am Montagabend mit viel Sinn für Humor gestaltet hatten.



Peter Sünnenwold wusste daher auch gleich, welcher Sessel ihm zugedacht war. Schwarz ist halt meine Farbe schäkerte er gleich in den Zuschauerraum hinein und das Publikum wusste natürlich, in welch vielfältiger Weise diese Bemerkung ausdeutbar war.

Jan Lindenau, sozialdemokratischer Bürgermeisterkandidat, nahm natürlich in der Tradition seiner Partei auf dem roten Sessel Platz und begann mit einer lockeren Tour d'Horizon über sattsam bekannte Lübecker Problemkreise. Dass sein Gesprächspartner fünf Tage vor der entscheidenden Bürgermeister-Stichwahl ein stadtbekannter CDU-Grande war, ein ehemaliger Stadtpräsident für seine Partei, war natürlich schon eine kleine Sensation und auch ein bisschen peinlich, besonders für die CDU Wahlkämpfer im gegnerischen Weiher-Team.

Über derartigen Überlegungen steht Peter Sünnenwold natürlich, der sich eben in kein Schema pressen lässt und der sich auch ohne politische Ämter in passenden Situationen gern auch mal ungefragt zu Wort meldet.

Der Dialog über Parteigrenzen hinweg sollte eben gepflegt werden, eine bittere Notwendigkeit in Zeiten um sich greifender politischer Unkultur. Nicht nur mit den großen Entscheidungsträgern, sondern gerade auch mit den kleineren Parteien, die alle am politischen Willensbildungsprozess beteiligt sind.

Man war sich in vielem einig und es wurde auch herausgestrichen, was alles gemeinsam, über Parteigrenzen hinweg für Lübeck bewegt wurde. Der Bildungsfonds beispielsweise, den man zusammen auf den Weg gebracht hat, und der ein bundesweit anerkanntes Erfolgsmodell wurde.

Oftmals wurden solche vernünftigen Wege nach heißen Auseinandersetzungen in der Bürgerschaft anschließend beim Absacker im Ratskeller gefunden. Leider heute nicht mehr möglich, bedauerten beide, denn nach den Bürgerschaftssitzungen ist das Lokal heutzutage dicht.

Man plauderte entspannt über Lübecker Tourismus-Chancen, angedachte Kreuzfahrt-Terminals, wie man Touristenströme entwickelt und lenkt und war sich dabei weitgehend einig. Oft tauchte die Redewendung auf "darüber reden wir schon seit 20 Jahren" was immer ein zustimmendes Raunen bei den Gästen der Veranstaltung hervorrief.

Es wird nicht einfacher, war man sich auch einig, als es um die zukünftige Entwicklung der Bürgerschaft ging, denn mindestens eine weitere Fraktion wird im kommenden Jahr dazukommen, wurde gemeinsam befunden.

Die schwierige Lage am Lübecker Hafen wurde von beiden beschrieben, und auch hier war man sich einig, dass in jedem Falle ein Handlungsmodell gefunden werden muss, um den Hafen als Wirtschaftsfaktor für Lübeck zu retten.

Ansiedlungspolitik, Gewerbeflächen, Konsequenzen aus der Fehmarnbeltquerung, das Logistikgewerbe mit seinen Arbeitsplätzen waren weitere Themen, die von Jan und Peter erörtert wurden.

Besonders Sünnenwold mahnte an, dass Entscheidungen auf diesen Feldern, besonders auch bei Gewerbeflächen, getroffen und zügig und zeitnah umgesetzt werden müssen. Da bestand Sünnenwold schon darauf, dass investorenfreundlich entschieden werden muss. "Alle Entscheidungen in diesem Zusammenhang fand ich nicht gut", befand er diplomatisch, aber alle wussten, was gemeint war. "Am Lindenplatz wird seit sieben Jahren gebaut", legte er nach, und rollte genüsslich den chaotischen Planungsprozess aus. Da gab es Beifall auf offener Szene, auch wenn das Publikum deutlich sozialdemokratisch geprägt war.

Universität, Ausgründungen, Wachstum, Wohnraum für Studenten waren weitere Problemfelder, bei denen viele Gemeinsamkeiten erkennbar wurden. Die Stadt muss leben und belebt sein, gab Sünnenwold hier zu bedenken, denn junge Studenten müssen in der Innenstadt wohnen, um die Attraktivität zu erhalten.

Kultur, Theater und die im Raum stehende Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 waren weitere Themenkreise. Dabei war wenig Begeisterung bei beiden für den Bewerbungsvorgang zu entdecken. Zu teuer, wurde befunden, das Geld kann sinnvoller für das Theater und für kulturelle Initiativen verwendet werden. "Das was wir haben behutsam weiterentwickeln", war so etwa die Leitlinie, auf die sich beide einigen konnten.

Am Ende natürlich die Stadtteilbüros, die Lindenau teilweise wieder eröffnen möchte, von denen Sünnenwold aber überzeugt ist, dass langfristig endlich mal eine vernünftige IT-Strategie hermuss, um Lübeck internettechnisch den Anschluss an das heutzutage Mögliche zu bescheren.

Die Brücken müssen dringend repariert werden, und die Vertragsgestaltung natürlich so angelegt sein, dass die Stadt gegen Bauverzögerungen und Rechtsabteilungen von Baukonzernen so abgesichert ist, dass sie nicht ständig den Kürzeren zieht und bei Murks von Baufirmen auch noch draufzahlt.

Als Jan Lindenau das artige Gespräch noch mit einer Kontroverse würzen wollte, fiel beiden kein rechter Punkt ein, den sie mal öffentlich hart aber fair ausfechten könnten.

Sünnenwold meinte grienend "Ich könnte jetzt sagen, ich mag dich einfach nicht", erkannte aber gleich, dass ihm diese Bemerkung am heutigen Abend eh keiner abnehmen würde.

Da waren sich alle einig: Er hatte mal wieder Recht.

Im Original-Ton hören Sie den Mitschnitt des rund einstündigen Gesprächs.

Peter Sünnenwold und Jan Lindenau führten ein freundschaftliches Gespräch. Fotos/O-Ton: Harald Denckmann

Peter Sünnenwold und Jan Lindenau führten ein freundschaftliches Gespräch. Fotos/O-Ton: Harald Denckmann



Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 118306 Autor: Harald Denckmann vom 14.11.2017 08.55

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Kommentare zu diesem Text:

uwe witt schrieb am 14.11.2017 um 11.39 Uhr:
das Leute, die einen Betrieb geleitet haben, ein wenig von Wirtschaft verstehen, auch wenn sie wie Herr Sünnenwold ein CDU Parteibuch haben, nicht unbedingt die Nähe von Frau Weiher suchen ist verständlich.

Hermann Samtlein (eMail: hermann.samtlein@gmx.de) schrieb am 14.11.2017 um 11.49 Uhr:
So langsam komme ich nicht mehr mit. Erst greifen die SPD und Lindenau die Linke an, wie sie sich nur dem Weiher Bündnis unter Beteiligung der CDU anschließen könne und dann setzt sich Herr Lindenau mit einem CDU Vertreter zusammen, der die politische Bühne vor mehr als anderthalb Jahrzehnten verlassen hat und betont die Wichtigkeit des überparteilichen Dialogs.

Herr Lindenau, jetzt mal ganz unter uns: Wenn Ihnen die Überparteilichkeit so wichtig ist, dann ziehen Sie Ihre Kandidatur zurück, wählen eine überparteiliche Bürgermeisterin und schließen sich dem Bündnis an, das dann gemeinsam für Lübeck Politik machen kann.

Denn im Unterschied zu Ihnen arbeitet Frau Weiher nicht mit den Verantwortlichen des letzten Jahrzehntes zusammen, sondern mit den aktuellen Entscheidungsträgern aller Parteien.

uwe witt schrieb am 14.11.2017 um 12.30 Uhr:
Übrigens Herr Samtlein
Frau Weiher ist keine überparteiliche Kandidatin sie ist die Kandidatin der rechten fünf Parteien Koalition.

Hans Hocke schrieb am 14.11.2017 um 13.10 Uhr:
Hermann Samtlein @ Egal was Herr Lindenau auch macht, Sie sehen nur negative Dinge und legen sich dann alles schön passend zurecht. Konstruktive Kritik sieht wirklich anders aus. Haben Sie sich vielleicht einmal gefragt , warum Herr Sünnenwold diese Veranstaltung , in diesem Rahmen zugestimmt hatte. Ein kleines Stück über den Tellerand denken wird auch Ihnen das Lichtlein am Horizont öffnen.
Herr Sünnenwold ist Politik-Profi und hat sicherlich nicht aus Leichtsinn oder Langeweile daran teilgenommen.

Rainer Müller schrieb am 14.11.2017 um 13.46 Uhr:
Durch Bild und Text erscheint der Eindruck, dass es sich hier um zwei Menschen handelt, die tatsächlich über die Politik zum Wohle der Stadt, zum Wohle der Allgemeinheit arbeiten.
Als interessierter Lübecker, ist es allerdings offensichtlich. Hier sitzen zwei Selbstdarsteller. Zwei Männer, die sich im Sinne des eigenen Machtanspruchs mit ihrer Politik seit Jahren für den desolaten Zustand unserer Stadt verantwortlich zeichnen.
Eine Erneuerung zweier Volksparteien sollte auf kommunaler Ebene beginnen und sich zur Bundesspitze weiter fortsetzen, wenn sie dem Anspruch einer Partei Volkspartei gerecht werden wollen. Es wäre zu schön, wenn eine Erneuerung von Lübeck ausgehen würde, dann würde die Politik einmal voran und nicht immer hinterher gehen.

J.-D. Lehmann schrieb am 14.11.2017 um 14.03 Uhr:
Eigentlich ist es doch egal, wer da mit wem spricht - beide Kandidaten versprechen "Goldene Zeiten" für Lübeck.
Nach der Wahl werden sie ihre Versprechen vergessen haben - oder darauf hinweisen, dass ja leider kein Geld da ist, um das alles durchzuführen (was natürlich jetzt schon klar ist).
Und nicht zu vergessen: die Verwaltung, die ja schon seit Jahren alles verzögert, verhindert, sich nicht an Beschlüsse hält etc.
Von daher ist es "wurscht", wer gewählt wird, solange nicht ein grundsätzliches Umdenken - denkbar, evtl. auch wünschbar, wäre vielleicht auch mal eine parteiübergreifende Zusammenarbeit aller.
Letztendlich geht es nicht um Partei-/Kandidateninteressen, sondern um die Bürger/Innen Lübecks.
Das wurde in den letzten Jahren vollständig vergessen.

Sven-Erik Mahnkeit schrieb am 14.11.2017 um 19.27 Uhr:
@ uwe witt: Peter Sünnenwolds eigene Worte waren, dass er Frau Weiher wählen wird. Und das ist auch richtig so. Kein Wahlkampf für Lindenau, eher ein am Nasenring durch die Manage ziehen.
@ Hock Hanse: Wie geht das, über den Tellerrand DENKEN? Das können vermutlich wirklich nur Sie.

Lasse Jensen schrieb am 14.11.2017 um 20.28 Uhr:
Chapeau Herr Sünnenwold und Herr Lindenau!!!

Hans Hocke schrieb am 14.11.2017 um 21.50 Uhr:
Sven-Erich Wahnweit@

Einfach mal über den Tellerrand denken, dann werden auch Sie es verstehen oder gucken Sie auf Google oder , oder...............

Sven Sommer schrieb am 15.11.2017 um 09.14 Uhr:
Endlich haben die beiden Selbstdarsteller mal erklärt wie die Stadt in ein solch desolaten Zusatand geraten ist.
Wichtige Entscheidungen wurden offenbar nach einigen Drinks im Ratskeller getroffen.
Schön mit genug Alk im Kopf mal kurz viele Straßen gleichzeitig aufreißen lassen , die Stadtteilbüros schließen usw. , usw..
Na dann mal Prost ihr lustigen Getränksleute, ihr habt bestimmt schon ne neue Pinte in der wichtige Entscheidungen getroffen werden !!!!

Iak Kubinksi (Neuseeland) schrieb am 15.11.2017 um 10.38 Uhr:
Gegenseitig Honig aufs Brot schmieren!


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