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Sonntag,
der 20. Mai 2018






Politischer Aufreger aus Frankreich jetzt im Theater Lübeck

Sein Buch "Rückkehr nach Reims" erschien 2009 in Frankreich, 2016 in deutscher Übersetzung. Es machte den Verfasser Didier Eribon mit einem Schlage bekannt. Zumindest in Kreisen, die politische Diskussionen lieben. Eine Bühnenfassung der jungen Hamburger Regisseurin Friederike Harmstorf hatte am Mittwoch im Studio der Kammerspielen Premiere.



Eribon verknüpft in seinem Buch die eigene Lebensgeschichte mit der Frage, warum "der Linken" in Ländern des Westens die Wähler davonlaufen; nicht etwa zur Mitte, sondern ganz nach rechts, zu nationalistischen, populistischen Parteien wie dem Front National, der AfD oder zu Donald Trump in den USA.

In der ersten Hälfte des 60 Minuten langen Abends befasst sich Eribon beziehungsweise die Text-Auswahl von Friederike Harmstorf mit der Herkunft des Erzählers. Er stammt aus der Unterschicht. Eltern und Großeltern gehören zur standesbewussten Arbeiterklasse, wurden ausgebeutet, wählten kommunistisch. Didier Eribon merkt schon als Jugendlicher, dass er irgendwie anders tickt, sich für Kultur interessiert.

Er wird sich seiner Homosexualität bewusst, über die man in der Provinz und in seiner Klasse nicht reden kann. Vater und Mutter legen sich krumm. Er geht zum Gymnasium, studiert in Paris. Hier lebt er in einer anderen Welt. Verbindung zur Vergangenheit gibt es erst beim Tod des Vaters. Die Gespräche mit der Mutter lassen die Frage aufkommen, warum sie die Partei der Marine Le Pen wählt und rassistisch denkt.

Diese Frage wird auch in der Aufführung ausgiebig reflektiert. Ob man der Argumentation immer folgt, sei dahingestellt. Aber es könnte etwas dran sein, an der Beobachtungen, dass linke Regierungen die eigenen Anhänger enttäuschten, weil sie nicht mehr die Revolution, sondern Reformen predigen.

Hinzu kommt die Verunsicherung durch Fremde, ferner dadurch, dass Millionen ihre Heimat Polen, Bulgarien, Rumänien, Ostdeutschland verließen und die Zurückgebliebenen keine Zukunft sehen. Von rechts außen werden ihre Sehnsüchte und Wünsche bedient, wenn auch klischeehaft.

Friederike Harmstorf bietet natürlich keinen Leseabend. Sie hat die Textauszüge, die Monologe aufgebrochen. Rein äußerlich geschieht das dadurch, dass vier Männer auf der Spielfläche agieren: Robert Brandt, Jan Byl, Matthias Hermann, Andreas Hutzel. Sie sind ein- und dieselbe Figur. Das wird optisch dadurch betont, dass die Kleidung identisch ist.

Sie erzählen nicht abschnittweise, sondern teilen sich bisweilen sogar Sätze. Gelegentlich wird parallel oder gleichzeitig gesprochen, werden äußerliche Attribute hinzugefügt, wird aus der Urne mit Vaters Asche der Sektkühler. Das ergibt natürlich kein normal gebautes Theaterstück, hilft aber, Gedanken und Argumente des Autors zur Kenntnis zu nehmen und den eigenen Standpunkt zu überprüfen.

Matthias Koch baute ein mehrfach gestuftes Podest als Spielfläche. Zwei hohe dunkle Schrankkästen geben Möglichkeiten für Auftritte und Abgänge. Auch Wortspiele kommen vor. In einer Szene liegt Jan Byl auf dem Rücken. "Was machen Sie hier?" - "Ich lasse das Leben auf mich regnen." - "C'est bon!" - "C'est Eribon." Die intensiv geführte Argumentation für und quasi mit dem Publikum kam gut an. Die Besucher der ausverkauften Premiere applaudierten lange. Weitere Vorstellungen: 12. und 25. Mai, 17. Juni.

Mehrere Schauspieler bringen die Gedanken des Autoren auf die Bühne. Fotos: Marlène Meyer-Dunker

Mehrere Schauspieler bringen die Gedanken des Autoren auf die Bühne. Fotos: Marlène Meyer-Dunker


Text-Nummer: 122108 Autor: TD vom 10.05.2018 09.15

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