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Botschaftsbesuch an der TMS Lübeck

: Archiv - 07.05.2018, 18.46 Uhr: Es war fast so etwas wie ein Auftakt zur internationalen Schülerkonferenz MUNOL, die Ende Mai wieder in der Hansestadt Lübeck stattfindet. Mit Hans-Jürgen Heimsoeth fand jetzt ein Spitzendiplomat des Auswärtigen Amtes seinen Weg in die Lübecker Europaschule.

Heimsoeth hatte die Schule ausgewählt, weil Sprachen und internationale Kontakte diese Lübecker Schule prägen und der Botschafter selbst in New York, Jakarta und Bandung die Schulbank drückte, bevor er dann sein Abitur in Brüssel ablegte.

Er genoss die Fragen einer politisch gut vorbereiteten Schülerschaft, wie er fachmännisch schnell erkannte und war von der gesamten Atmosphäre und insbesondere von dem weiten Spektrum der Fragenkreise, mit denen er konfrontiert wurde, sichtlich angetan.

Die Fragen der Schüler berührten die Zusammensetzung und Bedeutung des UN-Sicherheitsrates genauso, wie den Umgang mit Daten in Schweden, die diplomatische Immunität und die faktische Abschaffung des Bargeldes in seiner jetzigen Wahlheimat Schweden. Auch über die Lebensbedingungen in Schweden wollten die Schüler etwas wissen.

Da geriet der Diplomat ins Schwärmen. Wer einmal in Stockholm war, weiß die Faszination dieser Stadt zu schätzen, verriet er, denn der internationale Einsatz eines Diplomaten erfordert, dass man dort hingeschickt wird, wo man gebraucht wird. Dass man sich das nicht immer aussuchen kann, erfuhr Botschafter Heimsoeth, als er sich plötzlich in Mogadishu wiederfand, der Hauptstadt von Somalia. Das ist ein Land, das von Leuten die es wissen müssen als sogenannter "Failed State" eingeordnet wird. Einige Schüler nickten wissend, denn sie hatten sich bei Gelegenheit bereits den Film "Black Hawk Down" auf dem Tablet angesehen und wussten um den besonderen Charme dieser Gegend. Sie gerieten dann weiterhin ins Grübeln, als Heimsoeth berichtete, dass es zu seiner Dienstzeit in Somalia weder Email und Internet, geschweige denn eine funktionierende Post gab, allenfalls einmal eine halbwegs stabile Telefonleitung für ein paar Stunden.


Botschafter Heimsoeth mit den Schüler-Moderatoren Seide Noffke und Hannes Rothbauer (rechts).

Er sprach dann noch ausführlich über die Deutsch-Russischen Beziehungen, an denen ihm liegt, denn er hat einige Jahre in Moskau an der Deutschen Botschaft gearbeitet. Auch in der Ukraine war er Botschafter und konnte in dieser Eigenschaft sogar noch die ukrainische Krim bereisen.

Gefragt nach Höhepunkten seiner Karriere nannte er besonders seine Tätigkeit als persönlicher Referent von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. "Zu erleben, wie hier seriös und souverän Spitzendiplomatie vorgelebt wurde, hat mich enorm in meinem eigenen Tun geprägt", bekannte er vor den Schülern. Die wollten auch wissen, wie er denn so mit dem schwedischen Königshaus zurechtkommt.

Da kam Heiterkeit auf, denn kurz nach seinem Dienstantritt in Stockholm hat Karl XVI Gustav sich kurzerhand zum Abendessen bei ihm eingeladen, samt Gattin Sylvia, die, wie wir alle wissen, ja deutscher Abstammung ist. Ein anstehender Staatsbesuch in Deutschland sollte so schon einmal locker vorbereitet werden. Der Diplomat wollte mit einer Tischrede auf Schwedisch brillieren, konnte die Sprache aber noch nicht so richtig perfekt. Als er davon sprach, dass es eine 'große Sache' sei, dem König zu begegnen, sagte er in lupenreinem schwedisch es sei ein 'großer Schock' für ihn gewesen. Ein super Einstand, denn die Königlichen haben sich gebogen vor Lachen, der Versprecher war schnell aufgeklärt und Botschafter Heimsoeth ist immer noch ein gern gesehener Gast und darf gelegentlich immer einmal wieder eine Teetasse im Palast balancieren. Alle haben es bemerkt, er ist ein erfahrener und versierter Diplomat - und er ist es gerne.

Gruppenbild nach dem Gespräch: Justus Raasch, Seide Noffke, Botschafter Heimsoeth, Hannes Rothbauer und Ausrichterin Mechthild Piechotta. Fotos: Harald Denckmann

Gruppenbild nach dem Gespräch: Justus Raasch, Seide Noffke, Botschafter Heimsoeth, Hannes Rothbauer und Ausrichterin Mechthild Piechotta. Fotos: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 122051   Autor: Harald Denckmann   vom 07.05.2018 um 18.46 Uhr

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