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Martin Schulz: Entschieden für Europa eintreten

: Archiv - 29.04.2019, 22.19 Uhr: Ganz entspannt kam Martin Schulz an der Marienkirche entlang geschlendert zum Café Ulrich´s, dem Veranstaltungsort. Natürlich war Zeit für ein Foto mit den Mitveranstaltern Gabriele Hiller-Ohm und SH-Spitzenkandidat Enrico Kreft bevor es losging.

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Auch Autogrammfans mit Selfie Wünschen wurden noch bedient. Man merkte, Martin Schulz war an diesem Abend eben nicht mehr Euro-Spitzenkandidat, sondern einfach nur engagierter Europäer, der seine Partei auch hier in Schleswig-Holstein kräftig unterstützen wollte. Locker wurden gegenseitige Sympathien ausgetauscht. Man erfuhr, dass Martin Schulz Lieblingsabgeordneter von Gabi Hiller-Ohm ist, und er schätzt ihr nachhaltiges Drängen auf einen Besuch in Lübeck. "Wenn man glaubt man hat sie abgeschüttelt, kommt sie mir durch die nächste Tür schon wieder entgegen, um mich einzuladen", gab er zur Erheiterung der Besucher preis.

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Etwa 100 Besucher konnten für die Veranstaltung aufgenommen werden, man musste sich vorher anmelden. Natürlich war der Laden voll.

Martin Schulz enttäuschte seine Anhänger nicht. Mehrfach gab es für seine Ausführungen donnernden Applaus, manchmal sogar nur für einzelne, besonders treffende Äußerungen. Eine Politik nationaler Egoismen, derzeit vorgeführt von den Großmächten, aber auch von einigen europäischen Nationen, erteilte er eine deutliche Abfuhr und erinnerte in diesem Zusammenhang an die großen Errungenschaften der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, als es gelang dem europäischen Einigungsprozess immer deutlichere Konturen zu geben. "Für uns alle hat es in fast allen Lebensbereichen Zuwächse gegeben", das gilt es zu bewahren und gerecht zu verteilen. Als ein Gast nach Arm und Reich in Europa und spürbaren Gerechtigkeitslücken fragte, wurde Martin Schulz nachdenklich. "Kann man mir nicht vorwerfen", gab er zu bedenken. "Ich habe mit einem Wahlkampf, der das Thema 'Gerechtigkeit' zum Schwerpunkt hatte, 20,5 Prozent der Wählerstimmen eingefahren. Andere, die das nicht thematisiert haben, konnten besser abschneiden.

Da konnte man schlecht etwas entgegenhalten. Klimapolitik war natürlich auch Thema und in diesem Zusammenhang konnte Martin Schulz daran erinnern, dass er sein Leben lang in NRW bereits mit dem Thema Kohleausstieg konfrontiert war. Erst die kontinuierliche Schließung der Steinkohlezechen, dann der Rückgang der Braunkohle. Leidenschaftlich warb er dafür, Deutschland zu einem Industrieland ohne Atomstrom, Kohlekraftwerke und Braunkohleverstromung zu machen. "Wir können es schaffen", ist er überzeugt, aber man kann nicht gleichzeitig gegen Kohlekraftwerke und gegen die Durchleitung umweltfreundlicher Energien auftreten. Für eine konsequente Umgestaltung, aber unter Berücksichtigung der Menschen, sprach auch Enrico Kreft, der immer einmal wieder von Martin Schulz in die Debatte einbezogen wurde.

Europa ist besonders für junge Leute attraktiv, warben beide für die anstehende Europawahl. Man sollte den Kontinent nicht denen überlassen, die nur nach Brüssel wollen, um die bestehenden Strukturen zu zerstören. Ein erneuter Einzug der englischen Brexit-Fraktion ins europäische Parlament ist für ihn daher ein "unerträglicher Gedanke." Hoffnung gibt es aber auch, schließlich haben gerade die Wahlen in Spanien gezeigt, dass die überwältigende Mehrheit sich pro europäisch orientiert hat. Aufstehen und sich für Europa einsetzen sollte daher die Devise sein. Dafür zumindest zieht der ehemalige Präsident des Europaparlamentes jetzt durch das Land, um die Bürger zu motivieren, für ein starkes Europa zur Wahl zu gehen.

Enrico Kreft, Gabriele Hiller-Ohm und Martin Schulz auf dem Weg zur Veranstaltung. Fotos/O-Ton: Harald Denckmann

Enrico Kreft, Gabriele Hiller-Ohm und Martin Schulz auf dem Weg zur Veranstaltung. Fotos/O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 129757   Autor: Harald Denckmann   vom 29.04.2019 um 22.19 Uhr

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