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Neues Buch: Der Lübecker Wald und seine Geschichte

Lübeck: Archiv - 12.12.2019, 11.35 Uhr: Die meisten Zeitgenossen denken nur an die Wohngebiete der Hansestadt, wenn von Lübeck die Rede ist. Dass Lübeck in der Stadt und in den angrenzenden Landkreisen größeren Waldbesitz hat, ist kaum bewusst. Diese Wissenslücke kann ein Buch schließen, das gerade beim Verlag Schmidt-Römhild erschienen ist. "Der Lübecker Wald und seine Geschichte" lautet der Titel. Es kostet im Handel 15 Euro.

Hinter dem 182 Seiten starken Band steckt jahrzehntelanger Sammlerfleiß von Hans Rathje Reimers. Schon bei der Präsentation im Verlagshaus in der Mengstraße wurden tiefe Einblicke in ein spannendes und heute besonders wichtiges Kapitel der Geschichte gegeben.

Eins vorweg: Der Wald ist älter als die Stadt; er ist natürlich älter als einzelne Bäume. Durch geschichtliche Ereignisse hat Lübeck einen Großteil des Besitzes verloren. Trotzdem steht Lübeck noch immer deutschlandweit auf Platz Sechs der Städte mit Waldbesitz. Der einstige Lübecker Staat sei stärker bewaldet gewesen als Schleswig-Holstein. Heute liegen 40 Prozent des Lübecker Waldes in der Stadt, 60 Prozent in angrenzenden Kreisen.

Dr. Lutz Fähser, Forstamtsleiter von 1986 bis 2009, erinnerte daran, dass der Stadt seit 1163 große Waldgebiete gehörten. Als in jüngster Vergangenheit die Rede vom Verkauf der Forsten war, habe sich 2006 die "Gesellschaft der Freunde des Stadtwaldes e. V." gegründet. Erster Vorsitzender wurde Peter Oertling, Senator für das öffentliche Grün von 1986 bis 1990, Stadtpräsident von 1990 bis 2003. Mitglied Nr. Eins war Christian Dräger. Heute hat Fähser den Vorsitz, und die Gefahr eines Verkaufs scheint vom Tisch.

Fähser: Seit 1994 werde auf einem Teil eine naturnahe Nutzung praktiziert. Sie gilt inzwischen als vorbildlich. Nach der Klimakonferenz von Rio wurde gesagt: "Rio lebt lupenrein bei der Hansestadt Lübeck!" Dem Wald sei es letztlich egal, ob er abgeholzt wird. Uns Menschen aber darf es nicht egal sein, wurde betont.

Peter Oertling wies in einem Kurzreferat darauf hin, dass Heinrich der Löwe und dann Friedrich Barbarossa in ihren Privilegien den Lübeckern die Nutzung der Wälder bis Oldesloe zugesichert hätten. Heute sei der Wald nicht nur Wirtschaftsgut, sondern wichtig für das Leben allgemein.

Autor des Buches ist Hans Rathje Reimers, Revierförster und Sammler aus Leidenschaft. Mehr als 40 Jahre war er für Lübecker Forsten zuständig. Fähser: "Eigentlich ist er ein Geschichtsgelehrter!" Neben vielen Fachaufsätzen, Fotos, Karten und Skizzen hat der Band auch eine künstlerische Komponente. Die Lübecker Malerin Ingrid Schmeck hat "Waldstücke" und Vignetten gezeichnet, die das Buch schmücken.

Neue Erkenntnisse erschließen sich beim Lesen. Wer weiß schon, dass ein Pollendiagramm, das heißt Ablagerungsnachweise von Pollen, Rückschlüsse auf Besiedlung und Bewohner früherer Zeiten zulassen? Die Waldentwicklung im Raum Lübeck wird seit der letzten Eiszeit aufgelistet. Ausführlich sind außerdem territoriale Veränderungen geschildert. Natürlich wird auch die Frage behandelt, warum der Besitz Lübecks auf Landkarten zersplittert erscheint. Grundbesitz außerhalb hatten nicht nur die bekannten Stiftungen, sondern auch die Stadtkirchen.

Die verschiedenen Reviere werden genau beschrieben, von Behlendorf bis Westerau. Der Schlussteil erzählt "Spezielles", von Napoleon bis Emanuel Geibel, der in einem langen Gedicht auch den Heutigen ins Gewissen redet. Ein Vers in 150 Jahre altem Deutsch lautet:

"Was uns Not ist, uns zum Heil /
ward's gegründet von den Vätern; /
aber das ist unser Teil, /
dass wir gründen für die Spätern!"

Lutz Fähser, Hans Rathje Reimers, Layouterin Bärbel Augsten und Malerin Ingrid Schmeck stellten das Buch vor. Foto: TD

Lutz Fähser, Hans Rathje Reimers, Layouterin Bärbel Augsten und Malerin Ingrid Schmeck stellten das Buch vor. Foto: TD


Text-Nummer: 135052   Autor: TD   vom 12.12.2019 um 11.35 Uhr

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