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Kinderkuren: Kinderschutzbund SH fordert Aufarbeitung

Schleswig-Holstein: Archiv - 22.01.2020, 10.29 Uhr: Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein (DKSB LV SH) begrüßt den für Mittwoch, dem 22. Januar, Landtagssitzung geplanten Antrag zur Aufforderung der schleswig-holsteinischen Landesregierung, die Aufarbeitung der Geschehnisse in den Kindererholungsheimen und -stätten in Schleswig-Holstein in den 1950er bis 1980er Jahren zu unterstützen.

"Das erlittene Unrecht der Kinder- und Jugendlichen, die auf ärztlich verordneten Kinderkuren Opfer von Gewalt, Demütigung und Erniedrigung wurden, verjährt nicht– die Betroffenen leiden zum Teil bis heute unter den traumatischen Erfahrungen", betont die Landesvorsitzende Irene Johns. "Deshalb ist es unsere gesellschaftliche Pflicht, die Geschehnisse, genau wie die vergleichbaren Übergriffe in Erziehungsheimen, konsequent aufzuarbeiten. Nicht nur, um den gesellschaftlichen Rückhalt für die Opfer zu stärken und Ihnen aktiv zur Seite zu stehen, sondern auch um - selbst in der heutigen Zeit verbesserter rechtlicher Grundlagen zum Schutz von Kindern - das öffentliche Bewusstsein für institutionelle Gewalt zu schärfen", so Johns.

Bereits im November 2019 war "Das Elend der Verschickungskinder" im Rahmen von Kinderkuren in Schleswig-Holstein in den 1950er bis Ende 1970er Jahren Thema eines Kongresses auf Sylt, der von ehemaligen Verschickungskindern organisiert wurde. Die Initiative geht dabei auf die Sonderpädagogin und Autorin Anja Röhl zurück, die sich seit 2017 auf dem Gebiet der "Kinderverschickungen" einsetzt und systematisch Informationen zusammenträgt sowie Betroffene vernetzt. "Erst durch inzwischen 1600 Berichte von Betroffenen, alle in den letzten drei Monaten zusammengekommen, zu denen jeden Tag 50-200 neue hinzustoßen, ist deutlich geworden, welches Ausmaß die Institutionelle Gewalt in den weit abgelegenen kindermedizinischen Einrichtungen der Erholungs- und Kur-Entsendungen hatte", bestätigt Röhl.

"Wir haben erschütternde Berichte vorliegen, von Kindesmisshandlungen und Demütigungen von Kindern unterhalb des Schulalters. Es handelt sich zum Beispiel um zwangsweise Essenseinfütterung bis zur Aspiration, Toilettenverbot bis zum Bettnässen, Schlafentzug durch nächtliches Strafsitzen- oder -stehen, Anstachelung von öffentlichen Demütigungen von Bettnässern. Als Folgen werden oft lebenslange Selbstwertschäden und Angsterkrankungen angegeben", so die Sonderpädagogin.

Die Aufarbeitung von Systemen, in denen die Rechte und Würde von Kindern verletzt werden, ist seit jeher auch für den Deutschen Kinderschutzbund ein elementares Anliegen. "Es wird immer deutlicher, dass es sich bei den Kinderverschickungen der 50er – 70er Jahre um ein sehr gewichtiges Problem handelt, welches weitaus mehr Kinder als bisher vermutet betroffen hat und bis heute betrifft", mahnt DKSB LV SH-Vorsitzende Irene Johns. "Bei so einer Tragweite ist es die Aufgabe der Politik, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene aktiv zu werden und die gesellschaftliche Debatte über Missstände in Kindererholungsheimen und Kinderkurkliniken anzuführen und zu unterstützen", fordert Johns.

Der Kinderschutzbund SH fordert eine konsequente Aufarbeitung der Geschehnisse
im Rahmen von

Der Kinderschutzbund SH fordert eine konsequente Aufarbeitung der Geschehnisse im Rahmen von "Kinderkuren". Symbolbild: JW.


Text-Nummer: 135767   Autor: Kinderschutzbund   vom 22.01.2020 um 10.29 Uhr

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