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Barmherzigkeit ist mehr als Gerechtigkeit

Lübeck: Archiv - 08.02.2020, 11.58 Uhr: An diesem Wochenende geht es in den Gottesdiensten um die Themen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. HL-live.de Pastor Heinz Rußmann geht in seinen Gedanken zum Wochenende auf die entsprechenden Fragen ein.

Bisher fand ich es sehr fragwürdig und ungerecht, dass ein Chef einem Tagelöhner, der nur eine Stunde für ihn gearbeitet hatte, genauso viel als Lohn zahlte als dem, welcher dreizehn Stunden geschuftet hatte. Jesus spricht darüber im Predigttext der evangelischen Kirchen an diesem Sonntag. Was hat Jesus wohl damit, gemeint, dass er sogar Gott mit diesem ungerechten Arbeitgeber verglichen hat? (im Matthäus Evangelium Kapitel 20)

Am Mittwoch haben wir mit sechs studierten Schrift-Gelehrten und -Gelehrtinnen im Bibel-Kreis neunzig Minuten lang leidenschaftlich darüber „geklärt“, gegrübelt und diskutiert, wie man heute darüber predigen kann. Auch den Kommentar vom modernen Theologen Eugen Drewermann haben wir zu Rate gezogen. Der entscheidende für mich neue Gedanke ist als Ehrenrettung des Chefs, dass der Tageslohn von einem Denar für jeden der Gärtner zwar ein karger Lohn war. Er reichte aber aus, damit jeder Arbeiter sich selbst, seine Frau und mehrere Kinder mit Nahrung und dem Nötigsten versorgen konnte. Ein Akt der Barmherzigkeit!

Der Chef war dem ersten gegenüber ungerecht, aber dem letzten gegenüber sehr liebevoll und umsichtig und barmherzig. Jesus tritt erstens dafür ein, dass Gerechtigkeit in unserem Leben walten muss, damit nicht alles in Chaos und Faustrecht sich auflöst.

Sein Schwerpunkt im Zusammenleben aber ist Barmherzigkeit, auch wenn liebevolle Barmherzigkeit oft auch etwas ungerecht ist. Jesus erzählt zum Beispiel die bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter, der einen fremden Zeitgenossen, der zusammengeschlagen am Straßenrand lag auf seinen Esel trug und zum Arzt brachte. Genau besehen hatten die Samariter von dem Volk dieses Fremden viel Unrecht, Krieg und Gewalt erlitten. Der Samariter hätte es als gerechte Vergeltung für seinen Volksfeind empfinden können, wenn er den Fremden unbarmherzig ignoriert hätte. Man kann eigentlich immer Gründe finden, aus Gerechtigkeit hart und unbarmherzig zu sein.

Dahinter verbirgt sich ein weites Problem in unserem sozialen Staat und der hart gerechten Marktwirtschaft. Heute weltweit: Der Ansturm der Flüchtlinge und Hungervölker erwartet von unseren Staaten und jedem von uns Barmherzigkeit durch ausreichende Mittel zum Überleben. Wenn wir etwas spenden, tun wir es aus Barmherzigkeit. Haben aber die Armen, Kranken, Heimatlosen, Außenseiter, Landstreicher einen Anspruch auf unsere Hilfe durch Leistungen?

In unserem Alltag sehen wir an den vielen Armen die Menschen, die oft selbst Schuld haben an ihrem Unglück. Dein Ehepartner will sich scheiden lassen oder ein Freund will sich von Dir trennen? Da hättest Du selbst Anteile dran durch Dein Verhalten. - Du bist hilfloser Alkoholiker? Daran hat Deine eigene Trunksucht Schuld. Viele Krankheiten und krankmachende Schuldgefühle verursachen wir selbst durch ungesundes und unvernünftiges, sträfliches Verhalten.

Deswegen brauchen wir ingesamt möglichst menschenfreundliche Gerechtigkeit und im Fließgleichgewicht besonders viel warmherzig, hellsichtige Barmherzigkeit. Jesus lebt sie uns vor und gibt uns die Motivation und die Energie und den Weitblick für diese Kombination. Er fragt nicht, was der Notleidende verdient, sondern was er dringend zum Überleben braucht.

Mit Jesus, dem auferstandenen Sohn Gottes als unseren Freund an unserer Seite, verbreiten wir automatisch viel Nächstenliebe und Barmherzigkeit gegen lebensfeindliche Härte und Strenge.

Jesus sagne uns Tag für Tag! Er schenke uns ein freundliches Herz und offene Augen für alle Mitmenschen, denen wir in den Nöten des Lebens helfen können!

Ihr Mitchrist und Pastor Heinz Rußmann
e-mail heinzrussmann@yahoo.de für Fragen

Im Sonntagsgottesdienst können Sie dazu Ihre Sicht von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit vertiefen.

Heinz Rußmann geht der Frage nach: Was ist gerecht?

Heinz Rußmann geht der Frage nach: Was ist gerecht?


Text-Nummer: 136148   Autor: red.   vom 08.02.2020 um 11.58 Uhr

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